Kurz gefasst
Gute Aufgaben für Mitarbeiter:innen mit ADHS haben mindestens eines von vier Merkmalen: dringlich, neu, herausfordernd oder persönlich interessant.
Für die Aufgabenvergabe heißt das: Stärken kennen, klare Ziele setzen, passend zuteilen und mit Deadlines und Struktur nachhalten. Trau der Person dabei viel zu.
Angenommen, du führst eine Mitarbeiterin mit ADHS. Das Konzept für das neue Projekt liegt einen Tag vor dem Termin fertig in deinem Postfach, und es ist gut. Die Reisekostenabrechnung wartet dagegen seit Wochen.
Dieselbe Person, zwei verschiedene Aufgaben. Welche Aufgaben sie bekommt, entscheidest du als Führungskraft.
Bei der Aufgabenvergabe an Mitarbeiter:innen mit ADHS lohnt es sich deshalb, die Art der Aufgaben sorgfältig zu wählen. Vier Merkmale helfen dir dabei.
Welche Aufgaben passen zu Mitarbeiter:innen mit ADHS?
Die vier Merkmale im Überblick:
| Merkmal | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Dringliche Aufgaben | Aufgaben, die bald erledigt sein müssen, können besonders motivieren. |
| Neue Aufgaben | Neues und Abwechslung wecken Interesse und Kreativität. |
| Herausfordernde Aufgaben | Komplexität fördert den Fokus und die Leistungsfähigkeit. |
| Persönliches Interesse | Hat die Aufgabe mit eigenen Interessen zu tun, steigt die Motivation. |
Trau Menschen mit ADHS viel zu. Gerade an herausfordernden Aufgaben können sie oft zeigen, was sie können.
Dringliche Aufgaben
Dringliche Aufgaben ziehen viele Menschen mit ADHS besonders an. Der Zeitdruck erzeugt ein Gefühl von Dringlichkeit, und das steigert die Motivation. Solche Aufgaben können den Fokus schärfen und die Leistung heben.
Für dich als Führungskraft heißt das: Überleg, wie du dringliche Aufgaben in den Arbeitsalltag deiner Mitarbeiter:innen einbaust, damit sie wirksamer arbeiten können.
Neue und herausfordernde Aufgaben
Neue Herausforderungen sind für Menschen mit ADHS wichtig. Sie fördern die Kreativität und geben die Möglichkeit, sich in ein neues Thema einzuarbeiten. Das bringt Abwechslung in den Arbeitsalltag und hält das Interesse hoch. Mit einer neuen, ansprechenden Aufgabe zeigst du außerdem, dass du an die Fähigkeiten der Person glaubst.
Jetzt denkst du vielleicht: Bei neuen Aufgaben passieren Fehler. Ja, das gehört dazu. Wenn du regelmäßig neue Herausforderungen anbietest, schaffst du ein Umfeld, in dem Fehler und Rückschläge als Teil des Lernens akzeptiert sind. Damit sinkt das Risiko, dass deine Mitarbeiter:innen frustriert sind oder das Interesse verlieren, und ihr Selbstbewusstsein wächst.
Viele Menschen mit ADHS bringen außergewöhnliche Leistungen, wenn sie die richtige Gelegenheit bekommen. Die Gelegenheit kommt von dir.
Aufgaben mit persönlichem Interesse
Persönliches Interesse wirkt bei Menschen mit ADHS wie ein Motor für die Motivation. Herstellen lässt es sich auf mehreren Wegen:
- Die Aufgabe hängt mit eigenen Zielen oder Werten zusammen.
- Sie hat kreative Elemente.
- Die Person kann dabei etwas Neues lernen.
- Sie arbeitet dabei mit anderen Menschen zusammen.
- Das Ergebnis hat einen direkten Nutzen im Alltag.
Wichtig ist, dass die Person die Aufgabe als relevant und bedeutsam wahrnimmt.
Wie vergibst du Aufgaben an Mitarbeiter:innen mit ADHS? Vier Tipps für Manager:innen
Als Manager:in ist es deine Aufgabe, die Stärken von Mitarbeiter:innen mit ADHS zu erkennen und zu fördern. Diese vier Tipps helfen dir dabei:
- Vergib dringende Aufgaben mit einem klaren Zeitrahmen.
- Wechsle die Aufgabenformate, damit immer wieder etwas Neues dabei ist.
- Fördere Herausforderungen, die den kreativen Spielraum erweitern.
- Finde heraus, was deine Mitarbeiter:innen persönlich interessiert.
Und trau Mitarbeiter:innen mit ADHS viel zu. Welche Stärken du dabei erwarten kannst, steht im Artikel über die Stärken von Mitarbeitenden mit ADHS.
Vertrauen schenken
Ein positiver und produktiver Arbeitsplatz braucht Vertrauen. Zeig deinen Mitarbeiter:innen mit ADHS, dass du an ihre Fähigkeiten glaubst, indem du ihnen herausfordernde Aufgaben anvertraust.
So bekommen sie die Möglichkeit, ihre Stärken zu zeigen. Ihre Selbstmotivation wächst mit.
Aufgabenvergabe Schritt für Schritt: Wie gehst du bei ADHS vor?
Für die Arbeit mit Mitarbeiter:innen mit ADHS brauchst du bei der Aufgabenvergabe einen klaren und strukturierten Ablauf. Er hilft, ihre Stärken zu nutzen, und hält Motivation und Produktivität hoch. Die vier Schritte im Überblick:
| Schritt | Was du tust |
|---|---|
| 1. Stärken erkennen | Finde heraus, welche Bereiche deinen Mitarbeiter:innen liegen und wo ihre Talente sind. |
| 2. Ziele festlegen | Setz klare, herausfordernde Ziele, die auf die Interessen der Person abgestimmt sind. |
| 3. Aufgaben vergeben | Weise Aufgaben zu, die dringend, neu, herausfordernd und von persönlichem Interesse sind. |
| 4. Aufgaben-Monitoring | Verfolge die Erledigung, setz Deadlines und fordere die Struktur konsequent ein. |
Stärken erkennen
Am Anfang stehen die Stärken deiner Mitarbeiter:innen. Führ Einzelgespräche oder nutz Feedbackmethoden, um herauszufinden, worin sie gut sind und welche Aufgaben sie besonders interessieren. Dann kannst du Aufgaben zuweisen, die zu ihren Talenten passen.
Ziele festlegen
Ein gutes Ziel ist herausfordernd und trotzdem erreichbar. Setz es klar und messbar, und knüpf es an das persönliche Interesse und die Stärken der Person. So bleibt die Motivation hoch, und die Chance auf ein gutes Ergebnis steigt.
Eine durchdachte Zielsetzung kann den Unterschied zwischen Frustration und Erfolg ausmachen. Wer mit ADHS ein Ziel spannend und ansprechend findet, ist eher bereit, die volle Leistung zu zeigen. Überprüf die Ziele regelmäßig und pass sie an, wenn sie ihren Reiz verloren haben oder nicht mehr relevant sind.
Menschen mit ADHS hassen Struktur. Sie brauchen sie trotzdem sehr dringend.
Als Führungskraft ist es deine Aufgabe, diese Struktur zu bieten und ihre Einhaltung konsequent einzufordern. Mehr über Stärken und Herausforderungen von Menschen mit ADHS findest du im EnableMe-Artikel ADHS als eine persönliche und gesellschaftliche Ressource.
Aufgaben vergeben
Jetzt kommen die vier Merkmale zusammen. Weise Aufgaben zu, die dringend und herausfordernd sind, dazu neu und von persönlichem Interesse. Diese Kombination kann die Motivation bei Menschen mit ADHS besonders steigern. Neuheit und Komplexität halten das Interesse aufrecht und verhindern Langeweile.
Mit Aufgaben, die relevant und ansprechend sind, förderst du ein Umfeld, in dem Mitarbeiter:innen ihre Stärken einsetzen können. Davon habt ihr beide etwas: Deine Mitarbeiter:innen fühlen sich motiviert und produktiv.
Aufgaben-Monitoring
Verfolge laufend, wie weit die Aufgaben sind. Unterstütze deine Mitarbeiter:innen mit klaren Deadlines und fester Struktur, und bleib dabei konsequent. Menschen mit ADHS profitieren sehr von einer festen Struktur und klaren Erwartungen.
Prüf den Fortschritt regelmäßig. Hilf zeitnah, wenn etwas hakt oder angepasst werden muss. Eingehaltene Deadlines und klare Anweisungen helfen, den Fokus zu halten und die Aufgabe abzuschließen.
Ein Kanban-Board wie Trello oder Planner mögen viele Menschen mit ADHS eigentlich nicht. Sie profitieren trotzdem sehr davon. Fordere als Führungskraft ein, dass solche gemeinsamen Aufgaben-Tracker im agilen Stil regelmäßig genutzt werden.
Mehr zu diesem Thema steht im Artikel zu Arbeitsplatzanpassungen bei ADHS.
Was heißt das für Führungskräfte und HR?
Die Aufgabenvergabe an Mitarbeiter:innen mit ADHS ist Führungsarbeit: Aufgaben nach den vier Merkmalen auswählen und die Struktur konsequent einfordern. Wie Führungskräfte das üben, steht auf der Seite Neurodiversität-Schulung für Führungskräfte.
Fazit: Aufgabenvergabe bei ADHS
Aufgaben, die dringend, neu, herausfordernd oder mit persönlichem Interesse verknüpft sind, wirken bei Mitarbeiter:innen mit ADHS als Motivationsfaktoren. Regelmäßiges Monitoring und klare Strukturen helfen, den Fokus zu halten.
Was du morgen tun kannst: Nimm dir die Aufgabenliste einer Person mit ADHS aus deinem Team vor. Prüf bei jeder Aufgabe, ob sie dringlich, neu, herausfordernd oder persönlich interessant ist. Wo nichts davon zutrifft, gib ihr einen klaren Termin oder verknüpf sie mit etwas, das die Person interessiert.
Setz dann Deadlines und vereinbare, wann ihr den Fortschritt gemeinsam anschaut. Das Board gehört dazu.
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