ADHS und Stress: Was über Cortisol und die ADHS-Typen belegt ist

Kurz gefasst

ADHS und Stress: Dass der hyperaktiv-impulsive Typ (ADHS-HI) und der unaufmerksame Typ (ADHS-I) Stress über das Cortisol gegensätzlich verarbeiten, ist nicht gesichert. Bei Kindern widersprechen sich die Befunde. Bei 96 Erwachsenen in Spanien unterschied sich die Cortisolantwort des unaufmerksamen und des kombinierten Typs nicht gesichert von Menschen ohne ADHS.

Mehrfach gezeigt ist: Erwachsene mit ADHS berichten mehr Stress. Was am Arbeitsplatz hilft, klärt das Gespräch mit der Person.

Stell dir einen großen Saal mit 69 Teilnehmer:innen vor. Die Akustik ist schwierig, der Geräuschpegel hoch, und die Skepsis im Raum ist zu spüren. Für viele wäre das Stress und Überforderung. Für mich ist es die ideale Bühne.

Ich habe ADHS, und meine Beziehung zu Stress ist eine eigene: Erst eine stärkere Dosis Stressoren lässt mich richtig aufblühen. Andere Menschen mit ADHS sind unter Stress schnell überfordert. Eine verbreitete Erklärung sucht den Grund im Stresshormon Cortisol und im ADHS-Typ. Wie gut sie belegt ist, zeigt ein Blick auf die Neurobiologie von ADHS und Stress.

ADHS und Stress: Was passiert neurobiologisch?

Die Stressreaktion des Körpers läuft über die HPA-Achse. Das Kürzel steht für Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenrinde. Die Arbeiten, die dieser Artikel verlinkt, messen ihre Aktivität am Stresshormon Cortisol.

Für Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gibt es dazu eine Metaanalyse über 19 Studien mit 916 jungen Menschen mit ADHS und 947 ohne. Ihr Cortisol lag im Ruhezustand niedriger als bei Gleichaltrigen ohne ADHS. Am Morgen war der Unterschied deutlich, am Nachmittag fand sich keiner (Chang et al., 2021). Erwachsene waren nicht eingeschlossen, und die Ergebnisse der einzelnen Studien gingen weit auseinander.

Zwei Studien aus Ägypten mit Kindern zwischen 6 und 12 Jahren fanden dasselbe für das Morgencortisol im Speichel: bei 60 Kindern mit ADHS gegenüber 60 gesunden (Kholif et al., 2021) und bei 129 gegenüber 80 (El Ghamry et al., 2021). In der kleineren Studie war der Unterschied nach Typen getrennt nur beim hyperaktiv-impulsiven Typ gesichert, in einer Gruppe von 17 Kindern.

Bei der Reaktion auf akuten Stress ist die Lage unklarer. Eine Metaanalyse über 12 Studien fand laut ihrer Zusammenfassung insgesamt keinen Zusammenhang zwischen ADHS und der Cortisolreaktion auf einen Stressor. Die Einzelergebnisse streuten stark, und die Autor:innen halten weitere Einflussgrößen für möglich (Kamradt et al., 2018).

Zur Einteilung der ADHS-Typen: Unterschieden werden drei Erscheinungsbilder, nämlich vorwiegend unaufmerksam („verträumt“), vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und kombiniert. Welches davon vorliegt, kann sich im Lauf der Zeit ändern (CDC, 2026). Die Stresstests, die dieser Artikel auswertet, vergleichen den unaufmerksamen und den kombinierten Typ. Rein hyperaktive Erwachsene sind nach Angabe einer spanischen Arbeitsgruppe kaum zu finden (Corominas-Roso et al., 2015).

Unterscheidet sich die Stressverarbeitung zwischen den ADHS-Subtypen?

Das Projekt ADxS.org, eine Wissenssammlung ohne Fachbegutachtung, vertritt dazu eine Hypothese: Beim hyperaktiv-impulsiven Typ (ADHS-HI) und beim kombinierten Typ löst akuter Stress eine deutlich geringere Cortisolantwort aus als bei Menschen ohne ADHS. Beim vorwiegend unaufmerksamen Typ (ADHS-I) steigt das Cortisol unter Stress stärker an als bei Menschen ohne ADHS (ADxS.org). Die Primärstudien tragen diese Zweiteilung nur zum Teil.

Was zeigen die Studien mit Kindern und Jugendlichen?

Die Befunde sind widersprüchlich. Für die Zweiteilung spricht eine Arbeit von Forscher:innen belgischer Universitäten mit 100 Kindern vor der Pubertät, die vor Publikum sprechen mussten: Die 23 Kinder mit unaufmerksamem Typ zeigten eine erhöhte Cortisolantwort, die 52 mit kombiniertem Typ eine abgeflachte (van West et al., 2009). Dagegen steht eine kleine Studie der Pennsylvania State University in den USA: Bei 7 gesunden Jugendlichen mit Symptomen an der Schwelle zum unaufmerksamen Typ sank das Cortisol nach einem sozialen und kognitiven Stressor, in den beiden Vergleichsgruppen stieg es (Randazzo et al., 2008). Eine dritte Arbeit, an der die Universität Cardiff beteiligt war, untersuchte 202 männliche Jugendliche mit ADHS. Die 107 mit zusätzlicher Störung des Sozialverhaltens reagierten auf einen psychosozialen Stressor mit weniger Cortisol als die 95 ohne, und die Autor:innen halten es für möglich, dass diese Begleiterkrankung die uneinheitlichen Befunde erklärt (Northover et al., 2016). Alle drei Arbeiten sind hier nach ihren Zusammenfassungen wiedergegeben.

Und bei Erwachsenen?

Jetzt denkst du vielleicht: Das sind Kinder, ich arbeite mit Erwachsenen. Stimmt. Für Erwachsene sind hier drei Arbeiten ausgewertet. Sie stammen aus dem Labor oder nutzen Fragebögen, keine misst Stress im Arbeitsalltag.

Die erste kommt aus Barcelona: 96 Erwachsene mit ADHS zwischen 18 und 55 Jahren, 38 mit unaufmerksamem und 58 mit kombiniertem Typ, ohne Begleiterkrankungen und ohne bisherige Stimulanzien, dazu 25 Erwachsene ohne ADHS. Alle durchliefen den Trier Social Stress Test, ein gängiges Verfahren, das mäßigen psychosozialen Stress auslöst. Die Cortisolantwort unterschied sich bei keinem der beiden Typen gesichert von der Vergleichsgruppe. Untereinander unterschieden sich die Typen: Beim kombinierten Typ lag das Cortisol 15, 30 und 45 Minuten nach dem Stress niedriger als beim unaufmerksamen, nach 60 Minuten war der Unterschied verschwunden (Corominas-Roso et al., 2015).

Die Autor:innen sprechen von einer normalen Cortisolantwort bei beiden Typen und nennen die kleine Vergleichsgruppe als Einschränkung. Gesichert war der Unterschied beim erlebten Stress: Die Erwachsenen mit ADHS berichteten mehr davon als die Vergleichsgruppe, und zwischen den beiden Typen fand sich dabei kein gesicherter Unterschied. Aus zwei älteren Studien mit 18 und 28 Erwachsenen mit ADHS berichten sie ebenfalls keinen gesicherten Cortisol-Unterschied zur Vergleichsgruppe (Corominas-Roso et al., 2015).

Eine schwedische Arbeitsgruppe verglich laut einer Kongress-Zusammenfassung Erwachsene mit ADHS ohne Psychopharmaka mit gesunden Erwachsenen, etwa 30 je Gruppe. Höhe und Tagesverlauf des Cortisols waren vergleichbar. Nach kognitivem Stress gehörten die Erwachsenen mit ADHS häufiger zur Gruppe mit hohen Cortisolwerten, und sie berichteten mehr Stress (Hirvikoski et al., 2011).

Aus Deutschland liegt eine Arbeit von Forscher:innen mehrerer Universitätskliniken vor, unter anderem aus Frankfurt und Würzburg. Laut Zusammenfassung gaben Erwachsene mit ADHS im Trierer Inventar zum chronischen Stress mehr chronischen Stress an als gesunde Erwachsene und hatten ein niedrigeres Ruhecortisol. Eine Stichprobengröße nennt sie nicht (Kittel-Schneider et al., 2016). Zahlen aus Österreich oder der Schweiz enthalten die hier ausgewerteten Arbeiten nicht.

Für Erwachsene heißt das: Mehr erlebter Stress bei ADHS ist mehrfach gezeigt. Eine flache Cortisolantwort beim einen Typ und eine überschießende beim anderen ist es nicht.

Mini-Exkurs: Woran erkennst du den ADHS-Typ?

Ob jemand eher zum hyperaktiv-impulsiven oder zum vorwiegend unaufmerksamen Typ gehört, zeigt sich vor allem im Verhalten:

  • Hyperaktiv-impulsiver Typ: Diese Menschen fallen oft schnell auf. Sie sind ständig in Bewegung, unterbrechen andere häufig, wirken unruhig und kommen schwer zur Ruhe.
  • Vorwiegend unaufmerksamer Typ: Diese Menschen wirken oft verträumt und vergesslich. Es fällt ihnen schwer, Anweisungen zu folgen oder Aufgaben zu Ende zu bringen.
  • Kombinierter Typ: Merkmale aus beiden Gruppen treten zusammen auf.

Beobachtung ersetzt keine Diagnose. Die stellt immer Fachpersonal, mit einer umfassenden Abklärung und bei Bedarf mit standardisierten Tests. Erst dann steht fest, ob ADHS vorliegt und welcher Typ.

Stressreaktion bei ADHS ohne Medikation: ADHS-HI und ADHS-I im Vergleich

Oft heißt es, die HPA-Achse sei ohne Methylphenidat je nach Subtyp anders fehlreguliert: Beim hyperaktiv-impulsiven Typ (ADHS-HI) springe sie zu schwach an, beim vorwiegend unaufmerksamen Typ (ADHS-I) zu stark. Die Studien im Abschnitt oben tragen das in dieser Klarheit nicht. Die 96 Erwachsenen aus Barcelona hatten noch nie Stimulanzien genommen, und ihre Cortisolantwort unterschied sich bei beiden untersuchten Typen nicht gesichert von der Vergleichsgruppe (Corominas-Roso et al., 2015).

Bei ausgeprägter Hyperaktivität und Impulsivität heißt Stress im Alltag oft: plötzliche Wutausbrüche, Schwierigkeiten, bei einer Aufgabe zu bleiben, oder eine Unruhe, die andere im Beruf und im Privaten als störend erleben.

Menschen mit vorwiegend unaufmerksamem Erscheinungsbild können sich unter Stress stark zurückziehen, lethargisch werden oder ins Tagträumen abgleiten. In Schule und Beruf kann das zu Schwierigkeiten führen, weil sie oft als desinteressiert oder unmotiviert wahrgenommen werden.

Das sind Beschreibungen von Verhalten. Auf das Cortisol einer einzelnen Person lässt sich daraus nicht schließen.

Wie zeigt sich das im Arbeitsalltag?

TypIm Umgang mit anderenIn Ausbildung und Beruf
Hyperaktiv-impulsiver TypHäufige Konflikte, weil Reaktionen impulsiv ausfallen.Langfristige Projekte fallen schwer. Dasselbe gilt für Aufgaben, die geduldiges und detailgenaues Arbeiten verlangen.
Vorwiegend unaufmerksamer TypBeziehungen zu pflegen fällt schwer, weil die Person oft distanziert oder abwesend wirkt.Die Aufmerksamkeit lässt in Meetings und bei der Arbeit nach. Die Leistung kann darunter leiden.

ADHS-Stressreaktion unter Methylphenidat (Ritalin): Was ändert das Medikament?

Methylphenidat (MPH), bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin, wirkt auf das dopaminerge und das noradrenerge System. Was es mit dem Cortisol macht, haben die zwei hier ausgewerteten Arbeiten bei Kindern am Ruhewert am Morgen gemessen, ohne Stresstest. In der ägyptischen Studie mit 60 neu diagnostizierten Kindern lag das Cortisol im Speichel nach einem Monat Methylphenidat signifikant höher als vorher; eine zweite Probe gaben 45 Kinder ab, eine Placebogruppe gab es nicht, und innerhalb der einzelnen Subtypen war die Veränderung statistisch nicht gesichert (Kholif et al., 2021). Eine Arbeitsgruppe aus Taiwan fand bei 50 Kindern laut Zusammenfassung ebenfalls einen Anstieg nach einem Monat, danach ging der Wert auf ein mittleres Niveau zurück (Wang et al., 2017). Zur Reaktion auf akuten Stress und zu Erwachsenen enthalten beide Arbeiten keine Daten. Ob ein Medikament infrage kommt und welches, klärst du im ärztlichen Gespräch, nach einer sorgfältigen Abklärung der Symptome und Bedürfnisse.

Was heißt das im Arbeitsalltag? Stress und Leistung nach der Yerkes-Dodson-Kurve

Warum dieselbe Situation die eine Person anspornt und die andere überfordert, lässt sich mit der Yerkes-Dodson-Kurve veranschaulichen. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen Stressniveau und Leistungsfähigkeit. Die beste Leistung bringen Menschen bei mittlerem Stress. Zu wenig drückt die Leistung, zu viel auch.

Die Kurve auf ADHS-Typen zu übertragen, ist eine Deutung. Die hier ausgewerteten Arbeiten prüfen sie nicht, und aus dem Cortisol lässt sie sich nach dem Stand oben nicht ableiten. Als Bild für das Gespräch taugt sie trotzdem: Wo auf der Kurve steht diese Person bei dieser Aufgabe?

Was folgt, ist Erfahrungswissen ohne Studienbeleg. Wer mehr Anregung braucht, erreicht den besten Bereich der Kurve erst bei viel Stimulation. Dann können strukturierte Herausforderungen helfen, zum Beispiel Aufgaben mit knapper Zeitvorgabe oder Wettbewerbssituationen.

Wer schnell überreizt ist, liegt rasch über dem besten Punkt der Kurve. Die Folge kann Überforderung sein, unter der die Konzentration leidet. Förderlich sind hier möglicherweise ruhigere, weniger stimulierende Umgebungen mit wenig sensorischer Ablenkung. Ein strukturierter Alltag mit wenigen Stressquellen und fest eingeplanten Pausen kann Überstimulation vorbeugen.

Das Projekt ADxS.org unterscheidet die Typen auch in seiner englischen Fassung nach der Cortisolantwort auf akuten Stress (ADxS.org). Welche Umgebung eine Person braucht, lässt sich daraus nach den Arbeiten oben nicht sicher ableiten. Arbeitgeber, Lehrer:innen und Betreuer:innen passen Arbeitslast und Umgebung deshalb an die Bedürfnisse der einzelnen Person an. Das hält Stress klein, der zur Person nicht passt.

Basics: Stressbewältigung bei ADHS für mehr Leistungsfähigkeit

Falls du die Abschnitte oben übersprungen hast, kommt hier kurz, worauf die Empfehlungen unten aufbauen. Manche Menschen mit ADHS brauchen viel Anregung, um motiviert und fokussiert zu bleiben. Andere sind schnell überfordert und gestresst.

Oft wird das erste dem hyperaktiv-impulsiven Typ (ADHS-HI) zugeordnet und das zweite dem vorwiegend unaufmerksamen Typ (ADHS-I). Die hier ausgewerteten Arbeiten belegen diese Zuordnung nicht. Die ADHS-Typen habe ich ausführlicher im Beitrag Was ist ADHS? und im Beitrag ADHS bei Mitarbeiter:innen erkennen beschrieben.

Zwei Checklisten zur Arbeitsplatzgestaltung bei ADHS, für Menschen, die mehr Anregung brauchen, und für Menschen, die schnell überreizt sind, dazu drei Maßnahmenfelder für HR und Führungskräfte.

Empfehlungen zur Arbeitsplatzgestaltung bei ADHS, geordnet nach Bedarf

Die beiden Listen kannst du für deinen eigenen Arbeitsplatz verwenden oder mit Mitarbeiter:innen durchgehen. Sie sind als Auswahl gedacht und beruhen auf Erfahrungswissen ohne Studienbeleg. Welche Punkte passen, weiß die Person selbst am besten. Das können auch Punkte aus beiden Listen sein.

Wer mehr Anregung braucht

  • Struktur und Dynamik zugleich
    • Klare Erwartungen und Routinen senken die tägliche Unsicherheit. Dazu passt Abwechslung, zum Beispiel wechselnde Aufgaben und Projekte. So fließt die Energie in die Arbeit, und Langeweile kommt seltener auf.
    • Aufgaben mit viel Austausch und Zusammenarbeit mit Kolleg:innen helfen, Energie und Impulse zu kanalisieren. Regelmäßige Teammeetings und Brainstormings eignen sich dafür besonders.
  • Regelmäßige Pausen und Bewegung
    • Kurze, häufige Pausen frischen die Konzentration auf und beugen Überlastung vor. Mit einem kurzen Spaziergang oder ein paar Dehnübungen baut die Pause zugleich überschüssige Energie ab.
    • Ein Arbeitsplatz, an dem der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen möglich ist, hilft. Bereiche für kurze Bewegungspausen auch.
  • Anregung ja, Ablenkung nein
    • Etwas Stimulation kann hilfreich sein, übermäßige Ablenkung soll klein bleiben. Dabei helfen geräuschunterdrückende Kopfhörer oder ruhigere Arbeitszonen.
    • Ein Whiteboard für Aufgabenlisten oder Musik im Hintergrund kann die Aufmerksamkeit bündeln und die produktive Energie halten.

Wer schnell überreizt ist

  • Ruhige und gut organisierte Arbeitsumgebung
    • Auch hier helfen klare Strukturen und Routinen, die Unsicherheit verringern.
    • Planer, Kalender und To-do-Listen helfen, den Überblick zu behalten und Aufgaben der Reihe nach anzugehen.
  • Pausen, die die Konzentration erneuern
    • Längere, geplante Pausen schützen vor mentaler Erschöpfung. Sie gehören in eine ruhige Umgebung, damit sich die Konzentration erneuert.
    • Meditation oder Atemübungen beruhigen den Kopf und lenken die Aufmerksamkeit zurück zur Arbeit.
  • Wenig Ablenkung
    • Ein ruhiger Arbeitsplatz lässt sich mit einem eigenen Büro, mit Lärmschutzwänden oder mit geräuschunterdrückenden Kopfhörern erreichen.
    • Software und Apps, die Ablenkungen blockieren und die Zeitplanung unterstützen, können beim Dranbleiben helfen.

Was können Führungskräfte, HR und Betriebsräte tun? Empfehlungen für die Praxis

Führungskräfte, HR-Teams und Betriebsräte gestalten mit, ob Mitarbeiter:innen mit ADHS ein unterstützendes Arbeitsumfeld vorfinden. Die folgenden Maßnahmen kannst du als Arbeitsliste verwenden.

Aufklärung und Schulung

  • Bewusstsein und Weiterbildung
    • Organisiere regelmäßige Schulungen und Workshops zu ADHS und zum Umgang mit Stress. Das baut Vorurteile ab.
    • Stell Informationsmaterial bereit, das die Symptome von ADHS, die Auswirkungen auf das Stresserleben und wirksame Bewältigungsstrategien erklärt.
  • Training für Führungskräfte
    • Schule Führungskräfte darin, die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit ADHS zu erkennen und zu unterstützen. Dazu gehören Techniken für wirksame Kommunikation und das Anpassen von Arbeitsanforderungen.

Angepasste Arbeitsbedingungen

  • Flexibilität und Anpassungen
    • Biete flexible Arbeitszeiten an, die zu den individuellen Bedürfnissen passen. Das kann Stress senken. Ob es im Einzelfall hilft, zeigt sich im Ausprobieren.
    • Schaff ruhige Arbeitsbereiche oder ermögliche Homeoffice. Beides verringert Ablenkung und fördert die Konzentration.

Individuelle Unterstützung

  • Regelmäßige Kommunikation
    • Führe regelmäßige Einzelgespräche mit deinen Mitarbeiter:innen. So verstehst du ihre individuellen Bedürfnisse, und ihr entwickelt gemeinsam Lösungen.
    • Richte feste Feedback-Schleifen ein. Mit ihnen prüfst du, ob die Maßnahmen wirken, und passt sie bei Bedarf an.
  • Individuelle Entwicklungspläne
    • Erstelle Entwicklungspläne, die auf die einzelne Person zugeschnitten sind und Stärken wie Herausforderungen von Menschen mit ADHS berücksichtigen.
    • Biete Mentoring- und Coaching-Programme an.
  • Hinweis auf Angebote
    • Du kannst auf Angebote hinweisen, zum Beispiel auf Ergotherapie, Entspannungstechniken, psychologische Begleitung oder kognitive Verhaltenstherapie. Ob jemand eines davon nutzt, entscheidet allein die Person.

Was heißt das für Führungskräfte und HR?

Für dich als Führungskraft heißt das: Dieselbe Arbeitsumgebung kann für eine Person mit ADHS zu wenig Anregung bieten und für eine andere zu viel. Frag deshalb nach, bevor du Tempo und Pausen für alle gleich regelst. Der ADHS-Typ nimmt dir diese Frage nicht ab. Wie sich Belastungen am Arbeitsplatz im ganzen Betrieb erheben lassen, steht auf der Seite Evaluierung psychischer Belastungen.

Fazit: Was du morgen tun kannst

Dass ADHS-HI und ADHS-I Stress über das Cortisol gegensätzlich verarbeiten, ist nicht gesichert. Bei Kindern widersprechen sich die Befunde, bei Erwachsenen unterschied sich die Cortisolantwort der untersuchten Typen nicht gesichert von Menschen ohne ADHS. Mehrfach gezeigt ist, dass Erwachsene mit ADHS mehr Stress berichten. Unter Methylphenidat (Ritalin) stieg das Morgencortisol bei Kindern in zwei Arbeiten nach einem Monat an. Zur Stressreaktion und zu Erwachsenen enthalten sie keine Daten.

Für morgen heißt das: Beobachte an dir selbst oder frag deine Mitarbeiter:innen, bei welchem Stressniveau die Arbeit gut läuft. Wer mehr Anregung braucht, bekommt knappere Zeitvorgaben und mehr Abwechslung. Wer schnell überreizt ist, bekommt Ruhe und geplante Pausen.

Quellen

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Corominas-Roso, M., Palomar, G., Ferrer, R., Real, A., Nogueira, M., Corrales, M., Casas, M. & Ramos-Quiroga, J. A. (2015). Cortisol Response to Stress in Adults with Attention Deficit Hyperactivity Disorder. International Journal of Neuropsychopharmacology, 18(9), pyv027. https://doi.org/10.1093/ijnp/pyv027

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Julie Simstich
Fachlich geprüft von Julie Simstich

Julie Simstich – Arbeits- & klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. Mehr über Julie → · LinkedIn