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	<title>Podcast &#8211; Hirnzigartig</title>
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	<description>ADHS, Neurodiversität und Neuroinklusion im Business</description>
	<lastBuildDate>Thu, 08 Oct 2026 15:10:23 +0000</lastBuildDate>
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	<item>
		<title>Ungerade Lebensläufe: Warum inklusives Recruiting Talente gewinnt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 10:54:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuroinklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsplatz]]></category>
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					<description><![CDATA[Ungerade Lebensläufe kosten neurodivergente Talente oft den Job – schon vor dem ersten Gespräch. Was HR und Führung aus Folge 18 mit Nathalie Doan mitnehmen können.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Neurodivergente Menschen haben oft Lebensläufe mit Brüchen und Umwegen – und werden deshalb aussortiert, bevor jemand ihre Kompetenz gesehen hat.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Aus dem Gespräch mit Nathalie Doan (Podcast-Folge 18): wo Bewerbungsprozesse konkret scheitern und fünf Hebel, mit denen HR und Führung inklusiver rekrutieren.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Rund sieben Sekunden. So lange schauten Recruiter:innen in einer Blickverlaufsmessung der US-Jobbörse Ladders beim ersten Durchsehen auf einen Lebenslauf (Ladders, 2018, eine Anbieterstudie ohne Peer-Review). Wer in dieser Zeit nicht ins Raster passt – geradlinig, lückenlos, aufsteigend –, ist meist aussortiert, bevor irgendjemand die eigentliche Kompetenz gesehen hat. Für neurodivergente Menschen ist genau das ein strukturelles Problem. Denn ihre Lebensläufe verlaufen selten in einer geraden Linie – und das aus guten Gründen. Genau hier setzt inklusives Recruiting an.</p>


<p class="wp-block-paragraph">In Folge 18 unseres Podcasts <em>Hirnzigartig – ADHS und Neurodiversität im Business</em> haben Walter und ich mit <strong>Nathalie Doan</strong> gesprochen: ausgebildete Bio- und Umwelttechnik-Ingenieurin, Hundepsychologin, Solo-Selbstständige, ADHS-Coach und Mentaltrainerin. Nathalie hat 2022 mit 32 Jahren ihre ADHS-Diagnose bekommen – ein Verdacht auf Autismus kommt gerade dazu. Ihr Lebenslauf wirkt auf den ersten Blick alles andere als linear. Und genau deshalb ist sie die perfekte Gesprächspartnerin für die Frage: Was passiert mit Talenten, die durch das klassische Recruiting-Raster fallen – und was können HR und Führungskräfte konkret besser machen?</p>


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<style>.hz-toc ol{columns:2;column-gap:36px;margin:0;padding-left:1.3em;line-height:1.9;}.hz-toc li{break-inside:avoid;}@media (max-width:700px){.hz-toc ol{columns:1;}}</style>
<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#der-lebenslauf-ist-das-schlechteste-werkzeug-um-talente-zu-e" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Der Lebenslauf ist das schlechteste Werkzeug, um Talente zu erkennen</a></li>
<li><a href="#die-eigentliche-huerde-man-wird-gar-nicht-erst-eingeladen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Die eigentliche Hürde: Man wird gar nicht erst eingeladen</a></li>
<li><a href="#masking-im-bewerbungsgespraech-wenn-ehrlichkeit-zum-nachteil" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Masking im Bewerbungsgespräch – wenn Ehrlichkeit zum Nachteil wird</a></li>
<li><a href="#neuroinklusion-ist-ein-menschenrecht-nicht-nur-eine-superkra" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Warum ist Neuroinklusion mehr als eine Frage von „Superkräften“?</a></li>
<li><a href="#wo-der-prozess-konkret-scheitert" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Wo der Prozess konkret scheitert</a></li>
<li><a href="#der-systemische-blick-was-vera-soubirans-fachbuch-ergaenzt" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Der systemische Blick: Was Vera Soubirans Fachbuch ergänzt</a></li>
<li><a href="#fuenf-hebel-fuer-inklusives-recruiting" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fünf Hebel für inklusives Recruiting</a></li>
<li><a href="#was-unternehmen-dafuer-zurueckbekommen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Was Unternehmen dafür zurückbekommen</a></li>
<li><a href="#fazit" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fazit</a></li>
<li><a href="#quellen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Quellen</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="der-lebenslauf-ist-das-schlechteste-werkzeug-um-talente-zu-e">Der Lebenslauf ist das schlechteste Werkzeug, um Talente zu erkennen</h2>


<p class="wp-block-paragraph">Nathalies Stationen lesen sich bunt: vom Ingenieurstudium über einen Gassi-Service mit Ausbildung zur Hundepsychologin bis zur Teilhabeassistenz in der Behindertenhilfe und der Kundenberatung für medizinische Pflegeprodukte – die Selbstständigkeit läuft die ganze Zeit parallel weiter. „Warum so viele verschiedene Stationen? Das hat doch alles nichts miteinander zu tun“, fasst sie den ersten Reflex vieler Personaler zusammen. Wer aber genauer hinsieht, erkennt sehr wohl den roten Faden: die Arbeit mit Menschen, das Beraten, der psychologische Fokus.</p>


<p class="wp-block-paragraph">Vor allem eine Sorte Qualifikation fällt beim Überfliegen unter den Tisch: die übertragbaren Fähigkeiten. Wer sich jahrelang selbstständig durchgeschlagen hat, beherrscht Selbstorganisation, eignet sich als Autodidaktin blitzschnell neue Themen an und lernt, „um die Ecke zu denken“ – weil sonst das Business untergeht. Genau diese mentale Flexibilität springt einen beim Scannen nicht an. Man müsste eine Ecke weiterdenken. Und das passiert selten. Der Unterschied zwischen einer formalen Kompetenz und einer echten Stärke ist übrigens ein Thema für sich – wir haben ihm einen eigenen Beitrag zu <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-berufsleben/via-charakterstaerken-adhs-autismus-staerke-kompetenz/">Charakterstärken bei ADHS und Autismus</a> gewidmet.</p>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Der Lebenslauf ist wahrscheinlich das schlechteste Werkzeug von allen, um so etwas überhaupt zu erkennen.</p><cite>Walter Marinelli</cite></blockquote>


<h2 class="wp-block-heading" id="die-eigentliche-huerde-man-wird-gar-nicht-erst-eingeladen">Die eigentliche Hürde: Man wird gar nicht erst eingeladen</h2>


<p class="wp-block-paragraph">Das Kernproblem liegt vor dem Gespräch: auf dem Weg dorthin. „Man muss ja erst mal eingeladen werden“, sagt Nathalie, „und genau da scheitert es.“ Wer nur scannt, liest bei einem bunten Lebenslauf „unzuverlässig, kann sich nicht festlegen, springt“. Dort könnte auch stehen: „vielseitig, lernfähig, klar in den eigenen Werten“. Dass hinter häufigen Wechseln oft <em>systemische</em> Probleme stecken – ein Umfeld, das nicht funktioniert hat –, sieht man dem Papier nicht an.</p>


<p class="wp-block-paragraph">Dahinter steckt ein Messfehler: Neurodivergente Menschen werden an einem neurotypischen Maßstab gemessen – und der passt nicht. Es ist wie bei Studien, die mit den falschen Parametern arbeiten: Wer nur „auf einer Skala von 1 bis 5“ abfragt, statt offene Fragen zu stellen, verfälscht das Ergebnis. Im Recruiting heißt das: Das größte Pfund vieler Kandidat:innen – die Persönlichkeit im direkten Kontakt – kommt im Prozess gar nicht erst vor.</p>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Wenn ich erst einmal im Bewerbungsgespräch bin, habe ich eine wesentlich höhere Chance, die Leute von mir zu überzeugen. Aber da muss ich erst mal hinkommen.</p><cite>Nathalie Doan</cite></blockquote>


<p class="wp-block-paragraph">Wie stark Lücken schon beim Aussortieren wirken, zeigt ein Feldexperiment aus Großbritannien mit Bewerbungen auf 9.022 echte Stellenausschreibungen: Lebensläufe mit Lücken bekamen seltener eine Rückmeldung. Wurde die Berufserfahrung als Summe der Jahre angegeben statt mit Zeiträumen, lag die Rückmeldequote um 15 Prozent höher als bei Lebensläufen mit sichtbarer Lücke (Kristal et al., 2022).</p>


<p class="wp-block-paragraph">In Österreich fällt das Bild weniger eindeutig aus. In einem Korrespondenztest des AMS gingen im Sommer 2023 je zwei gleichwertige Bewerbungen an 200 Betriebe im Lebensmittelhandel und in der Elektroinstallation in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. 13 Monate Arbeitslosigkeit im Lebenslauf senkten die Einladungsquote nur wenig, von 49 auf 46 Prozent; der Unterschied war statistisch nicht gesichert (Schönherr &amp; Bohrn, 2023). Beide Branchen suchen dringend Personal, und getestet wurde eine einzige Lücke. Über bunte Werdegänge mit vielen Wechseln sagt die Studie nichts.</p>


<h2 class="wp-block-heading" id="masking-im-bewerbungsgespraech-wenn-ehrlichkeit-zum-nachteil">Masking im Bewerbungsgespräch – wenn Ehrlichkeit zum Nachteil wird</h2>


<p class="wp-block-paragraph">Selbst wer es ins Gespräch schafft, steht vor einem Dilemma. Nathalie verstellt sich nicht gern – auffällig ehrlich Dinge zu benennen, gehört zu ihren Stärken (und passt zum vermuteten autistischen Anteil). Gleichzeitig weiß sie, dass genau diese Direktheit in der Vergangenheit zu Konflikten geführt hat. Also reguliert sie im Gespräch herunter, was eigentlich eine Qualität ist. Das kostet Energie – und genau das ist Masking.</p>


<p class="wp-block-paragraph">Wie hart dieser Konflikt sein kann, zeigt eine Situation aus meiner eigenen Coaching-Praxis: eine hochqualifizierte, autistische Klientin, der ich riet, ihren Lebenslauf optisch aufzupeppen und für jede Firma zuzuschneiden, damit sie beim Scannen auffällt. Ihre Antwort: „Das wäre doch eine Lüge.“ Sie brach in Tränen aus – und entschied sich lieber für unbezahlte Praktika, als sich über diese Schwelle zu zwingen. Die Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und Struktur, die wir an der autistischen Art so schätzen, werden im Bewerbungsprozess zum größten Hemmschuh – weil Bewerbungen nach neurotypischen Spielregeln funktionieren.</p>


<p class="wp-block-paragraph">Auch im Gespräch selbst zählt der erste Eindruck. In einer US-Studie sahen Studierende zehn Sekunden Video von autistischen und nicht-autistischen Erwachsenen. Die autistischen Personen wirkten auf sie unbeholfener, und sie wollten seltener mit ihnen ins Gespräch kommen. Lasen die Studierenden nur die Abschrift dessen, was gesagt wurde, verschwand der Unterschied (Sasson et al., 2017). Den Ausschlag gab also der Stil des Auftretens. Für HR heißt das: Feste Fragen und eine Bewertung entlang der Antworten helfen, den Inhalt zu bewerten.</p>


<h2 class="wp-block-heading" id="neuroinklusion-ist-ein-menschenrecht-nicht-nur-eine-superkra">Warum ist Neuroinklusion mehr als eine Frage von „Superkräften“?</h2>


<p class="wp-block-paragraph">Ein Punkt war Nathalie besonders wichtig, und er ist es uns auch: Das Gespräch über Neurodiversität darf nicht bei „Superkräften“ stehenbleiben. Natürlich bringen viele Menschen mit ADHS oder Autismus besondere Stärken mit. Aber Produktivität darf nicht der einzige Parameter sein. Teilhabe an Arbeit ist ein Menschenrecht – unabhängig davon, ob die Neurodivergenz gerade als Vorteil „funktioniert“ oder ob die Einschränkungen überwiegen.</p>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Es ist ein Menschenrecht auf Arbeit, wenn die Arbeit geleistet werden kann.</p><cite>Nathalie Doan</cite></blockquote>


<p class="wp-block-paragraph">Unser Zugang bleibt dabei nüchtern. Dass vielfältige Teams pauschal besser abschneiden, gibt die Forschung nicht her: Eine Metaanalyse über 146 Studien fand Vorteile vor allem dann, wenn sich Teammitglieder in Ausbildung und Erfahrung unterscheiden und die Aufgaben komplex oder auf Neues ausgerichtet sind (van Dijk et al., 2012). Sicher ist dagegen, dass neurodivergente Menschen in jedem Unternehmen ab einer gewissen Größe ohnehin da sind. Es geht darum, vorhandenes Potenzial nicht länger zu übersehen. Mit Wohltätigkeit hat das nichts zu tun.</p>


<h2 class="wp-block-heading" id="wo-der-prozess-konkret-scheitert">Wo der Prozess konkret scheitert</h2>


<p class="wp-block-paragraph">Betrachtet man die ganze Journey, reiht sich Hürde an Hürde. Es beginnt bei der <strong>Stellenausschreibung</strong>, die unkonventionelle Profile gar nicht abbildet. Dann sortieren <strong>Punktesysteme</strong> nach formalen Kriterien. Wer es doch ins <strong>Gespräch</strong> schafft, eckt vielleicht durch Geradlinigkeit an. Und selbst danach kann es an <strong>Kollektivvertrag und Qualifikation</strong> scheitern: Nathalie hat in einer Position „den Job von drei Leuten gemacht“, Prozesse etabliert – und wurde vertraglich trotzdem als ungelernte Hilfskraft eingestuft, weil der externe Träger eine formale Qualifikation verlangte.</p>


<p class="wp-block-paragraph">Dieselbe Logik zeigt sich bei kleinen Anpassungen. Nathalie und eine Kollegin baten in einem Großraumbüro um Noise-Cancelling-Kopfhörer – eine geringe Investition, von der durch weniger sensorische Überlastung alle profitiert hätten. Die Antwort: „Nicht vorgesehen.“ Solche <a href="https://hirnzigartig.at/nachteilsausgleich-oesterreich/">Anpassungen und der Nachteilsausgleich</a> sind eine Voraussetzung dafür, dass Menschen gute Arbeit leisten können. Warum HR an solchen Stellen so oft scheitert, haben wir in einem eigenen Beitrag zu <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/neuroinklusion-in-der-arbeitswelt-warum-hr-oft-scheitert-und-wie-fuehrungskraefte-das-ruder-herumreissen/">Neuroinklusion in der Arbeitswelt</a> beleuchtet.</p>


<h2 class="wp-block-heading" id="der-systemische-blick-was-vera-soubirans-fachbuch-ergaenzt">Der systemische Blick: Was Vera Soubirans Fachbuch ergänzt</h2>


<p class="wp-block-paragraph">Was im Gespräch als gelebte Erfahrung durchklingt, ordnet Vera Soubiran fachlich ein. In ihrem Buch <em>„Neurodiversität in Unternehmen: Herausforderungen und Chancen für neurodiverse Teams“</em> (Springer) betrachtet die systemische Coachin Recruiting als System. Sie zeigt, wie sich Interviewfragen zielgerichtet <em>und</em> inklusiv stellen lassen, welche Biases im Auswahlprozess wirken – und wie Unternehmen wirklich neuroinklusiv werden, jenseits von Symbolpolitik und Diversity-Marketing. Genau diese systemische Perspektive fehlt in vielen Prozessen: Es braucht Strukturen, in denen unterschiedliche Denk- und Arbeitsweisen als Stärke zählen.</p>


<h2 class="wp-block-heading" id="fuenf-hebel-fuer-inklusives-recruiting">Fünf Hebel für inklusives Recruiting</h2>


<p class="wp-block-paragraph">Man muss nicht das gesamte System über Nacht ändern. Schon einige Stellschrauben bringen viel:</p>


<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Aufklären und schulen.</strong> Wenn Recruiter:innen wissen, wie sich Neurodivergenz äußert, können sie zwischen den Zeilen lesen – auch dann, wenn keine Diagnose offengelegt wird.</li>
<li><strong>Das Anschreiben wieder ernst nehmen.</strong> Der Lebenslauf ist trocken. Das Anschreiben ist der Ort, an dem jemand Kontext geben und erklären kann, welche übertragbaren Skills hinter einem meandernden Werdegang stecken.</li>
<li><strong>Offen und neutral mit Offenlegung umgehen.</strong> Wenn jemand eine Diagnose nennt, sollte der erste Impuls die sachliche Frage sein: Was bedeutet das konkret – und was könnte es uns bringen?</li>
<li><strong>Alternative Bewerbungsformate anbieten.</strong> Eine kurze Sprachaufnahme, ein Video oder eine A4-Seite zur freien Gestaltung: Menschen dürfen selbst wählen, wie sie sich am besten zeigen. (Ein Video ist nicht für alle ideal – für manche autistische Bewerber:innen ist eine Audioaufnahme die bessere Wahl.)</li>
<li><strong>Neuroinklusiv ausschreiben.</strong> Ein klares Signal – Quereinsteiger:innen, Autodidakt:innen und Anpassungen ausdrücklich willkommen – senkt die Hemmschwelle. Liste nur Anforderungen auf, ohne die jemand die Stelle wirklich nicht ausüben kann. Das empfiehlt auch das Behavioural Insights Team nach einem Experiment mit 10.468 Teilnehmenden in Großbritannien, getestet hat es diese Empfehlung allerdings nicht (BIT, 2022).</li>
</ol>


<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="793" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/inklusives-recruiting-fuenf-hebel-hirnzigartig-1024x793.jpg" alt="Übersicht der fünf Hebel für inklusives Recruiting: aufklären und schulen, Anschreiben ernst nehmen, offen mit Offenlegung umgehen, alternative Bewerbungsformate anbieten, neuroinklusiv ausschreiben." class="wp-image-5436" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/inklusives-recruiting-fuenf-hebel-hirnzigartig-1024x793.jpg 1024w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/inklusives-recruiting-fuenf-hebel-hirnzigartig-300x232.jpg 300w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/inklusives-recruiting-fuenf-hebel-hirnzigartig-768x595.jpg 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/inklusives-recruiting-fuenf-hebel-hirnzigartig.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="was-unternehmen-dafuer-zurueckbekommen">Was Unternehmen dafür zurückbekommen</h2>


<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sie schon, die guten Beispiele. Nathalie erzählte von einer Stelle, auf die sie sich mit viel Sorgfalt beworben hat – weil die Ausschreibung Gestaltungsspielraum, eine hohe Frauenquote und einen anpassbaren Remote-Kontext signalisierte. Solche Signale sagen: Hier lässt sich etwas anpassen. Oft sind es die kleineren Unternehmen, die das leichter umsetzen, weil weniger Freigabe-Ebenen im Weg stehen.</p>


<p class="wp-block-paragraph">Der Gegenwert ist handfest. Nach meiner Erfahrung bringen neurodivergente Menschen mit einem starken Wertekompass häufig eine Intensität an intrinsischer Motivation und Loyalität mit, die schwer zu ersetzen ist – gerade in Zeiten, in denen gute Leute schnell wechseln. Das ist Employer Branding im besten Sinne. Wer den <a href="https://hirnzigartig.at/business-case-neuroinklusion/">Business Case für Neuroinklusion</a> rechnet, sieht schnell: Inklusives Recruiting ist Talentstrategie.</p>


<h2 class="wp-block-heading" id="fazit">Fazit</h2>


<p class="wp-block-paragraph">Ungerade Lebensläufe sind kein Warnsignal. Sie sind oft die spannendere Geschichte – voller übertragbarer Fähigkeiten, Selbstreflexion und Klarheit darüber, was jemand kann und will. Das Problem liegt bei einem Prozess, der sie schon vor dem ersten Gespräch aussortiert. Der Blick auf den Lebenslauf muss klar werden.</p>


<div class="wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex">
<div class="wp-block-button"><a class="wp-block-button__link has-background" style="border-radius:4px;background-color:#d00150" href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion-beratung/">Neuroinklusives Recruiting mit uns aufsetzen →</a></div>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Über unseren Gast</h3>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nathalie Doan</strong> ist Mentaltrainerin und ADHS-Coach. Selbst mit ADHS-Diagnose (und vermutetem Autismus) begleitet sie Menschen dabei, Klarheit über die eigenen Bedürfnisse und Stärken zu gewinnen – mehr dazu auf <a href="https://waitforthestars.com/" target="_blank" rel="noopener">waitforthestars.com</a>. Die komplette Folge 18 hörst du oben oder direkt auf <a href="https://open.spotify.com/episode/4HlaHrCM00NoKSl3PKC4Dt" target="_blank" rel="noopener">Spotify</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen">Quellen</h2>


<div style="font-size:.9rem;color:#4a4a4a;">
<p style="margin:0 0 6px;">Behavioural Insights Team (2022). Gender differences in response to requirements in job adverts. Research report, März 2022. <a href="https://www.bi.team/wp-content/uploads/2022/03/Gender-differences-in-response-to-requirements-in-job-adverts-March-2022.pdf" style="color:#7385a0;" target="_blank" rel="noopener">www.bi.team/wp-content/uploads/2022/03/Gender-differences-in-response-to-requirements-in-job-adverts-March-2022.pdf</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Kristal, A. S., Nicks, L., Gloor, J. L. &amp; Hauser, O. P. (2022). Reducing discrimination against job seekers with and without employment gaps. Nature Human Behaviour. <a href="https://doi.org/10.1038/s41562-022-01485-6" style="color:#7385a0;" target="_blank" rel="noopener">doi.org/10.1038/s41562-022-01485-6</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Ladders (2018). Eye-Tracking Study, berichtet von HR Dive. Anbieterstudie ohne Peer-Review. <a href="https://www.hrdive.com/news/eye-tracking-study-shows-recruiters-look-at-resumes-for-7-seconds/541582/" style="color:#7385a0;" target="_blank" rel="noopener">www.hrdive.com/news/eye-tracking-study-shows-recruiters-look-at-resumes-for-7-seconds/541582/</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Sasson, N. J., Faso, D. J., Nugent, J., Lovell, S., Kennedy, D. P. &amp; Grossman, R. B. (2017). Neurotypical peers are less willing to interact with those with autism based on thin slice judgments. Scientific Reports, 7, 40700. <a href="https://doi.org/10.1038/srep40700" style="color:#7385a0;" target="_blank" rel="noopener">doi.org/10.1038/srep40700</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Schönherr, D. &amp; Bohrn, K. (2023). Ungleichbehandlung von Älteren und Langzeitarbeitslosen bei Bewerbungen auf offene Stellen. SORA im Auftrag des AMS Österreich. <a href="https://forschungsnetzwerk.ams.at/dam/jcr:6ed43960-8e47-4981-a562-a2e4ef1b9220/2023_SORA_Bericht_AMS_Ungleichbehandlung_Aeltere_Bewerbungsprozess.pdf" style="color:#7385a0;" target="_blank" rel="noopener">forschungsnetzwerk.ams.at/dam/jcr:6ed43960-8e47-4981-a562-a2e4ef1b9220/2023_SORA_Bericht_AMS_Ungleichbehandlung_Aeltere_Bewerbungsprozess.pdf</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">van Dijk, H., van Engen, M. L. &amp; van Knippenberg, D. (2012). Defying conventional wisdom: A meta-analytical examination of the differences between demographic and job-related diversity relationships with performance. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 119(1), 38–53. <a href="https://doi.org/10.1016/j.obhdp.2012.06.003" style="color:#7385a0;" target="_blank" rel="noopener">doi.org/10.1016/j.obhdp.2012.06.003</a></p>
</div>



<div class="hz-related" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Zum Weiterlesen</p>
<ul style="margin:0;padding-left:1.2em;line-height:1.9;">
<li><a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/neuroinklusion-in-der-arbeitswelt-warum-hr-oft-scheitert-und-wie-fuehrungskraefte-das-ruder-herumreissen/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Neuroinklusion: Warum HR oft scheitert</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-inklusive-unternehmenskultur/hr-adhs-leitfaden/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">ADHS am Arbeitsplatz: Leitfaden für HR</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/13-adhs-starken-im-beruf/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">ADHS-Stärken im Beruf: belegt oder berichtet</a></li>
</ul>
</div>



<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Für dich persönlich gibt es das <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a>, für Teams und Führungskräfte <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion-unternehmen/" style="color:#fff;font-weight:600;">Neuroinklusion für Unternehmen</a>. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



<style>.hz-author-box{display:flex;gap:18px;align-items:center;margin:44px 0 8px;padding:22px 24px;background:#f4f7fc;border:1px solid #e6e9f2;border-left:4px solid #d00150;border-radius:10px}.hz-ab-avatar{width:76px;height:76px;flex:none;border-radius:50%;object-fit:cover;object-position:42% 28%;border:3px solid #fff;box-shadow:0 2px 8px rgba(0,47,108,.15)}.hz-ab-body{font-size:.95rem;line-height:1.6;color:#4a4a4a}.hz-ab-check{display:inline-flex;align-items:center;gap:6px;font-weight:700;color:#002f6c;font-size:.9rem;margin-bottom:6px}.hz-ab-name{font-weight:700;color:#002f6c}.hz-author-box a{color:#d00150;font-weight:600;text-decoration:none}</style>
<div class="hz-author-box"><img decoding="async" class="hz-ab-avatar" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2025/11/Julie-Stuhl-mit-Hintergrund-2-3-e1762877972844-768x512.jpg" alt="Julie Simstich" width="76" height="76" loading="lazy"><div class="hz-ab-body"><div class="hz-ab-check"><svg width="18" height="18" viewBox="0 0 24 24" fill="none"><path d="M20 6 9 17l-5-5" stroke="#d00150" stroke-width="3" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round"/></svg>Fachlich geprüft von Julie Simstich</div><p style="margin:0"><span class="hz-ab-name">Julie Simstich</span> – Arbeits- &amp; klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/">Mehr über Julie →</a> · <a href="https://www.linkedin.com/in/julie-simstich/" target="_blank" rel="noopener">LinkedIn</a></p></div></div>
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		<title>Stärke oder Kompetenz? Charakterstärken bei ADHS und Autismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 07:32:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ADHS im Berufsleben]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Für Betroffene]]></category>
		<category><![CDATA[Für Unternehmen]]></category>
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					<description><![CDATA[Stärke, Kompetenz oder Exzellenz? Das VIA-Modell trifft Neurodivergenz: Stärkenprofile bei ADHS und Autismus, die 60/40-Faustregel und konkrete Tipps für stärkenorientierte Führung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Was nach Stärke aussieht, ist manchmal eine hart erarbeitete Kompetenz. Das VIA-Modell mit seinen 24 Charakterstärken hilft, beides auseinanderzuhalten.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Exzellenz entsteht dort, wo Stärken auf Kompetenzen treffen. Der Artikel zeigt, was die Forschung zu Stärkenprofilen bei ADHS und Autismus sagt und was Führungskräfte daraus machen können.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">„Du bist aber gut organisiert!&#8220; – Walter hat diesen Satz oft gehört und sich viel darauf eingebildet. Bis er verstanden hat: Seine Organisation ist keine Stärke, sondern eine hart erarbeitete Kompetenz. Oder wie Julie es nennt: Notwehr. Der Unterschied klingt akademisch, ist aber einer der wichtigsten Schlüssel für Selbstverständnis, stärkenorientierte Führung – und für das, was in der Positiven Psychologie <strong>Exzellenz</strong> heißt. Genau darum geht es in dieser Podcastfolge über <strong>Charakterstärken und Neurodivergenz</strong>.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-spotify wp-block-embed-spotify wp-embed-aspect-21-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Spotify Embed: Positive Psychologie trifft Neurodivergenz: Der unterschätzte Schlüssel zu Exzellenz und Gesundheit " style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/4zVHsvq7eCk40O17RyI3DP?utm_source=oembed"></iframe>
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<style>.hz-toc ol{columns:2;column-gap:36px;margin:0;padding-left:1.3em;line-height:1.9;}.hz-toc li{break-inside:avoid;}@media (max-width:700px){.hz-toc ol{columns:1;}}</style>
<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#das-via-modell-24-charakterstaerken-aus-der-positiven-psycho" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Das VIA-Modell: 24 Charakterstärken aus der Positiven Psychologie</a></li>
<li><a href="#staerke-kompetenz-und-die-formel-fuer-exzellenz" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Stärke, Kompetenz – und die Formel für Exzellenz</a></li>
<li><a href="#walters-tapferkeit-drei-von-vier-fragen-mit-ja" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Walters Tapferkeit: drei von vier Fragen mit Ja</a></li>
<li><a href="#charakterstaerken-bei-adhs-und-autismus-was-die-junge-forsch" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Charakterstärken bei ADHS und Autismus: Was die (junge) Forschung zeigt</a></li>
<li><a href="#wenn-kompetenz-notwehr-ist-blackouts-mitschreiben-und-gedaec" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Wenn Kompetenz Notwehr ist: Blackouts, Mitschreiben und Gedächtnis</a></li>
<li><a href="#was-fuehrungskraefte-konkret-tun-koennen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Was Führungskräfte konkret tun können</a></li>
<li><a href="#faq-charakterstaerken-und-neurodivergenz" style="color:#002f6c;font-weight:600;">FAQ: Charakterstärken und Neurodivergenz</a></li>
<li><a href="#fazit-geht-auf-staerkensuche" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fazit: Geht auf Stärkensuche</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="das-via-modell-24-charakterstaerken-aus-der-positiven-psycho">Das VIA-Modell: 24 Charakterstärken aus der Positiven Psychologie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Grundlage der Folge sind die 24 Charakterstärken nach Peterson und Seligman – von Kreativität über Liebe zum Lernen bis Tapferkeit. Das Besondere: Alle 24 sind „grundgut&#8220;, also positiv konnotiert und in ihrer Ausübung hilfreich. Im Coaching schaut man sich die Top-5 an und fragt: Was ist die einzigartige Stärkenkombination dieser Person – und wie lässt sich das Umfeld so gestalten, dass sie öfter ausgelebt werden kann? Testen kannst du dich kostenlos beim wissenschaftlichen Fragebogen der Universität Zürich auf <a href="https://www.charakterstaerken.org" target="_blank" rel="noopener">charakterstaerken.org</a> oder auf <a href="https://www.viacharacter.org" target="_blank" rel="noopener">viacharacter.org</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="staerke-kompetenz-und-die-formel-fuer-exzellenz">Stärke, Kompetenz – und die Formel für Exzellenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Alltag werfen wir Talent, Kompetenz und Stärke munter durcheinander. Wissenschaftlich sauber getrennt heißt es: Eine <strong>Stärke</strong> drängt aus dir heraus, du liebst sie und sie gibt dir Energie zurück. Eine <strong>Kompetenz</strong> ist etwas, das du gut kannst – vielleicht sogar brauchst –, das dir aber keine Energie zurückgibt. Und daraus ergibt sich Julies Exzellenz-Formel: <em>Exzellenz entsteht, wenn beides zusammentrifft – ich mag etwas, ich kann es gut, und es gibt mir Energie zurück.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Unterscheidung nutzen Julie und Walter die vier Reflexionsfragen nach Markus Ebner:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Drängt es aus mir heraus?</li>



<li>Würde es mir fehlen, wenn ich die Aufgabe nicht mehr tun könnte?</li>



<li>Kostet es Energie, wenn ich es zurückhalten müsste, weil es in einer Situation unpassend ist?</li>



<li>Mache ich manchmal zu viel davon?</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading" id="walters-tapferkeit-drei-von-vier-fragen-mit-ja">Walters Tapferkeit: drei von vier Fragen mit Ja</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Spannend wird es am Live-Beispiel: In Walters VIA-Ergebnis steht Tapferkeit weit oben – aber sie drängt nicht aus ihm heraus. Sie würde ihm fehlen, sie zurückzuhalten kostet Energie, aber es ist eine Fähigkeit, die er sich erarbeitet hat, um sein Leben in einer neuronormativen Welt zu bewältigen. Drei von vier Fragen mit Ja: ein Grenzfall zwischen Stärke und Kompetenz – und ein typischer für neurodivergente Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Julie beobachtet das im Coaching häufig, gerade rund um Masking: Bei autistischen Menschen wird Direktheit oft als „Mut&#8220; gelesen. Dabei ist die Rechnung genau umgekehrt – den neuronormativen Menschen kostet es Mut, in der Gruppe zu widersprechen. Autistische Menschen kostet es Kraft, sich an soziale Konventionen anzupassen und <em>nichts</em> zu sagen. Für Teams ist diese Direktheit ein unterschätzter Gewinn: Da spricht jemand Dinge an, die sonst unausgesprochen bleiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="charakterstaerken-bei-adhs-und-autismus-was-die-junge-forsch">Charakterstärken bei ADHS und Autismus: Was die (junge) Forschung zeigt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ehrliche Einordnung vorweg: Die Positive Psychologie ist eine junge Forschungsrichtung. Als eigenes Feld gibt es sie seit etwa 2000 (<a href="https://doi.org/10.1037/0003-066X.55.1.5" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Seligman &amp; Csikszentmihalyi, 2000</a>). Zur Kombination mit Neurodivergenz ist die Studienlage noch dünn und bezieht sich meist auf Kinder. Eine Zwillingsstudie aus dem US-Bundesstaat Minnesota mit 336 Erwachsenen fand, dass 21 der 24 Charakterstärken zum Teil erblich sind (<a href="https://doi.org/10.1016/j.jrp.2006.06.002" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Steger et al., 2007</a>). Zu Neurodivergenz sagt sie nichts. Die folgenden Listen stammen zum großen Teil aus Selbstbeschreibungen und Beobachtungen in der Praxis:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Autismus-Spektrum: In einer kleinen Studie mit 32 autistischen Erwachsenen standen Aufgeschlossenheit, Kreativität und Liebe zum Lernen am häufigsten unter den Top-Stärken. In der Vergleichsgruppe waren es Humor, Liebe, Freundlichkeit und Fairness (<a href="https://doi.org/10.1007/s10803-016-2865-7" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kirchner et al., 2016</a>). Oft genannt werden außerdem Ehrlichkeit, Detailgenauigkeit, Mustererkennung, tiefe Spezialinteressen und gute Gedächtnisleistungen in Spezialgebieten. Das beruht vor allem auf Selbstbeschreibungen und Beobachtungen.</li>



<li><strong>ADHS: In Selbstbeschreibungen und in der Praxis tauchen Kreativität, Mut und Tapferkeit, Humor und soziale Intelligenz auf, dazu Hyperfokus-Phasen, Abenteuerlust, Nonkonformität und divergentes Denken. Im Vergleich von 200 Erwachsenen mit und 200 ohne ADHS schätzten sich die Erwachsenen mit ADHS vor allem bei Kreativität, Hyperfokus, Humor und Spontaneität höher ein. Bei Ausdauer lag die Vergleichsgruppe leicht vorn (<a href="https://doi.org/10.1017/S0033291725101232" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hargitai et al., 2025</a>). Resilienz ist als ADHS-Stärke kaum belegt.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die Liebe zum Lernen erklärt übrigens auch den typischen a-linearen Lebenslauf vieler ADHSler:innen – bunte Zertifikate, autodidaktisch erarbeitete Themen, häufige Wechsel. Wer im Recruiting nur nach geraden Karrieren sucht, sortiert genau diese Lernmaschinen aus (mehr dazu in unserem Beitrag über <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/autismus-am-arbeitsplatz-aaron-wahl-double-empathy-masking/">Autismus am Arbeitsplatz und den blinden Fleck im Recruiting</a>).</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="wenn-kompetenz-notwehr-ist-blackouts-mitschreiben-und-gedaec">Wenn Kompetenz Notwehr ist: Blackouts, Mitschreiben und Gedächtnis</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folge zeigt die Kehrseite ungeplant und live: Mitten im Gespräch über ADHS und Gedächtnis hat Walter einen echten Blackout und verliert den Faden komplett. Von außen sieht so ein Moment aus wie Desinteresse („er hat nicht zugehört&#8220;) – dabei reicht oft ein einziges Stichwort, und alles ist wieder da. Wer solche Situationen sein Leben lang erlebt, entwickelt zwangsläufig Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und soziales Gespür – und Strategien: viel mitschreiben, penibel strukturieren. Das ist dann keine Stärke, sondern, wie Julie es nennt, <em>Notwehr</em>. Es funktioniert, aber es kostet Kraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viel Leidensdruck hinter der ADHS-Vergesslichkeit stecken kann, erzählt Julie an einem berührenden Beispiel aus der Diagnostik: eine Frau über 40, belesen, klug – und mit dem Gefühl, dass Wissen bei ihr „nicht haften bleibt&#8220;, während alle anderen über ihr Leben Wissen aufbauen. Julies klinische Einordnung dazu in der Folge: ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung (<a href="https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2021.01.022" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Faraone et al., 2021</a>). Das Arbeitsgedächtnis ist bei Erwachsenen mit ADHS im Schnitt schwächer (<a href="https://doi.org/10.1037/a0032371" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alderson et al., 2013</a>). Das kann erklären, warum Neues schlechter hängen bleibt. Eine gut eingestellte Medikation kann die Symptome verringern. Besprich das mit deiner Fachärztin oder deinem Facharzt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="896" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/staerke-oder-kompetenz-fuehrung-hirnzigartig-1024x896.png" alt="Vergleich von Stärke und Kompetenz nach Herkunft und Energie, vier Prüffragen sowie vier Handlungsschritte für Führungskräfte zur stärkenorientierten Führung." class="wp-image-5501" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/staerke-oder-kompetenz-fuehrung-hirnzigartig-1024x896.png 1024w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/staerke-oder-kompetenz-fuehrung-hirnzigartig-300x263.png 300w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/staerke-oder-kompetenz-fuehrung-hirnzigartig-768x672.png 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/staerke-oder-kompetenz-fuehrung-hirnzigartig.png 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="was-fuehrungskraefte-konkret-tun-koennen">Was Führungskräfte konkret tun können</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Die Freizeit-Frage stellen:</strong> Frag beim Kaffee, was Leute freiwillig tun, wofür sie kein Geld bekommen – Hobbys, Ehrenämter. Und dann mit wohlwollender Neugier nach: Was fasziniert dich daran? Dort verstecken sich die Stärken.</li>



<li><strong>Die 60/40-Faustregel aus der Praxis anpeilen: rund 60 % Stärken, 40 % Kompetenzen. Studien zu genau dieser Aufteilung und zu Folgen für Krankenstände oder Fluktuation sind uns nicht bekannt. In einer Studie der Universität Zürich mit 111 Beschäftigten berichteten jene, die vier bis sieben ihrer Top-Stärken im Job einsetzen konnten, mehr positive Erlebnisse bei der Arbeit und erlebten ihren Job eher als Berufung (<a href="https://doi.org/10.1080/17439760.2012.702784" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Harzer &amp; Ruch, 2012</a>).</li>



<li><strong>Stärken zum Team-Event machen:</strong> Eine Jahresklausur zu den Charakterstärken im Team stärkt nebenbei das soziale Gefüge – es gibt dafür ausgebildete Facilitator:innen.</li>



<li><strong>Stärken von Notwehr unterscheiden:</strong> Wer nur auf sichtbare Leistung schaut, verwechselt teure Kompensation mit Talent – und wundert sich über Erschöpfung.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="faq-charakterstaerken-und-neurodivergenz">FAQ: Charakterstärken und Neurodivergenz</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Was ist das VIA-Modell?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Modell der Positiven Psychologie nach Peterson und Seligman, das 24 universelle, positiv konnotierte Charakterstärken beschreibt – kostenlos messbar, etwa über den wissenschaftlichen Fragebogen der Universität Zürich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was ist der Unterschied zwischen Stärke, Kompetenz und Exzellenz?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Stärke drängt aus dir heraus und gibt Energie, eine Kompetenz ist erlernt und kostet Energie. Exzellenz entsteht dort, wo beides zusammenkommt: Du magst etwas, kannst es gut und bekommst Energie zurück.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Haben Menschen mit ADHS besondere Stärken?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der Coaching-Praxis und in Selbstbeschreibungen tauchen Muster wie Liebe zum Lernen, Kreativität, Humor und soziale Intelligenz immer wieder auf. Im Vergleich mit Menschen ohne ADHS schätzen sich Erwachsene mit ADHS vor allem bei Kreativität, Hyperfokus, Humor und Spontaneität höher ein. Die Forschung dazu ist aber noch jung – und Stärkenprofile bleiben individuell: Auch mit derselben Neurodivergenz sind Menschen verschieden.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fazit-geht-auf-staerkensuche">Fazit: Geht auf Stärkensuche</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Exzellenz entsteht durch Passung: Menschen dort einsetzen, wo ihre Stärken auf ihre Kompetenzen treffen. Das setzt neugierige Führungskräfte voraus – unabhängig von jeder Diagnose. Was Studien zu ADHS-Stärken zeigen und was Menschen mit ADHS selbst berichten, liest du im Artikel <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/13-adhs-starken-im-beruf/">ADHS-Stärken im Beruf: belegt oder berichtet</a>. Und wenn du stärkenorientiertes Führen lernen willst: Genau dabei unterstützt unser <a href="https://hirnzigartig.at/fuehrungskraefte-coaching/">Führungskräftecoaching</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ganze Folge – inklusive Walters Live-Blackout – hörst du oben im Player. <a href="https://open.spotify.com/show/7mX87MlfRph4Qmf5d5kgU9" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abonniere den Hirnzigartig-Podcast auf Spotify</strong></a>, um keine Folge zu verpassen.</p>


<p class="wp-block-paragraph"><em>Weiterlesen:</em> Warum sich echte Stärken hinter einem ungeraden Lebenslauf im Bewerbungsprozess oft nicht zeigen – und wie <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/inklusives-recruiting-ungerade-lebenslaeufe/">inklusives Recruiting</a> das ändert.</p>


<p style="margin:28px 0 0;padding:18px 22px;background:#f0f4fb;border-left:4px solid #d00150;border-radius:8px;font-size:.95rem;line-height:1.7;color:#4a4a4a;"><strong>Du willst dein eigenes Stärkenprofil mit VIA-120 erheben lassen?</strong> Es ist Teil der Berufsorientierung, zusammen mit Interessen, Persönlichkeit und Werten: <a href="https://hirnzigartig.at/berufsorientierung-adhs-autismus/" style="color:#d00150;font-weight:600;text-decoration:none;">Berufsorientierung bei ADHS und Autismus →</a></p>



<div class="hz-related" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Zum Weiterlesen</p>
<ul style="margin:0;padding-left:1.2em;line-height:1.9;">
<li><a href="https://hirnzigartig.at/podcast/die-andere-seite-der-medaille-adhs-staerken-potenzial-und-karriereerfolg/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">ADHS-Stärken bei Erwachsenen: was Betroffene selbst nennen</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/13-adhs-starken-im-beruf/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">ADHS-Stärken im Beruf: belegt oder berichtet</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/autismus-adhs-im-job-eigenverantwortung-fuehrung-ursula-guth/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Autismus und ADHS im Job: Eigenverantwortung</a></li>
</ul>
</div>



<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Für dich persönlich gibt es das <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a>, für Teams und Führungskräfte <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion-unternehmen/" style="color:#fff;font-weight:600;">Neuroinklusion für Unternehmen</a>. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



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<div class="hz-author-box"><img decoding="async" class="hz-ab-avatar" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2025/11/Julie-Stuhl-mit-Hintergrund-2-3-e1762877972844-768x512.jpg" alt="Julie Simstich" width="76" height="76" loading="lazy"><div class="hz-ab-body"><div class="hz-ab-check"><svg width="18" height="18" viewBox="0 0 24 24" fill="none"><path d="M20 6 9 17l-5-5" stroke="#d00150" stroke-width="3" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round"/></svg>Fachlich geprüft von Julie Simstich</div><p style="margin:0"><span class="hz-ab-name">Julie Simstich</span> – Arbeits- &amp; klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/">Mehr über Julie →</a> · <a href="https://www.linkedin.com/in/julie-simstich/" target="_blank" rel="noopener">LinkedIn</a></p></div></div>
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		<title>Unqualifizierte ADHS-Coaches: Woran du seriöse Hilfe erkennst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 07:30:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ADHS Basics]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Für Betroffene]]></category>
		<category><![CDATA[Für Unternehmen]]></category>
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					<description><![CDATA[Vier Wochen Online-Kurs, fertig ist der ADHS-Coach? Warum unqualifizierte Coaches allen schaden, was Alibi-Coaching im Unternehmen anrichtet und woran du seriöse Unterstützung erkennst.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Der Markt für ADHS-Coaching wächst schnell, die Qualifikation dahinter schwankt stark.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Im Artikel: warum Kurz-Zertifikate und Supplement-Versprechen schaden, was Alibi-Coaching im Unternehmen anrichtet und eine Checkliste für seriöse Unterstützung.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Vier Wochen Online-Kurs, ein Zertifikat, fertig ist der ADHS-Coach. Der Markt rund um Neurodivergenz boomt – und mit ihm die Zahl derer, die ohne fundierte Ausbildung Menschen mit ADHS und Autismus „behandeln&#8220;. In dieser Podcastfolge sprechen Julie und Walter Klartext: warum <strong>unqualifizierte ADHS-Coaches</strong> allen schaden, woran du seriöse Unterstützung erkennst und warum Coaching im Unternehmen manchmal nur ein Alibi ist.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-spotify wp-block-embed-spotify"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Spotify Embed: Mehr Schaden als Nutzen - wie unqualifizierte ADHS-Coaches allen schaden" style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/5XZJLX2h4QXOgnExRqdl5v?utm_source=oembed"></iframe>
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<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#warum-boomt-der-adhs-coaching-markt-ueberhaupt" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Warum boomt der ADHS-Coaching-Markt überhaupt?</a></li>
<li><a href="#das-problem-mit-den-4-wochen-zertifikaten" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Das Problem mit den 4-Wochen-Zertifikaten</a></li>
<li><a href="#alibi-coaching-im-unternehmen-der-fisch-im-vergifteten-wasse" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Alibi-Coaching im Unternehmen: Der Fisch im vergifteten Wasser</a></li>
<li><a href="#supplements-promo-codes-und-selbsternannte-expert-innen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Supplements, Promo-Codes und selbsternannte Expert:innen</a></li>
<li><a href="#checkliste-woran-du-serioese-adhs-unterstuetzung-erkennst" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Checkliste: Woran du seriöse ADHS-Unterstützung erkennst</a></li>
<li><a href="#faq-adhs-coaching" style="color:#002f6c;font-weight:600;">FAQ: ADHS-Coaching</a></li>
<li><a href="#fazit-weniger-bullshit-mehr-struktur" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fazit: Weniger Bullshit, mehr Struktur</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="warum-boomt-der-adhs-coaching-markt-ueberhaupt">Warum boomt der ADHS-Coaching-Markt überhaupt?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">ADHS ist im Mainstream angekommen – prominente Outings wie das von Heidi Klum können helfen, das Stigma abzubauen. Klum sprach 2026 in einem Interview mit dem Magazin Glamour über ihre ADHS-Diagnose (<a href="https://www.blick.ch/people-tv/international/heidi-klum-verraet-adhs-ist-meine-superpower-id21777315.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Blick, 2026</a>). Das ist grundsätzlich gut. Es hat aber eine Schattenseite: Wer als erfolgreiche Person mit Assistenzteam öffentlich von der „Superpower ADHS&#8220; erzählt, verstärkt bei Betroffenen, die gerade an der Steuererklärung oder der nächsten Mahnung scheitern, eher das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der zweite Treiber ist eine Versorgungslücke: Psychotherapie und klinisch-psychologische Behandlung sind schwer verfügbar, mit Wartezeiten und Stigma verbunden. Viele Betroffene weichen deshalb in den unregulierten „zweiten Markt&#8220; aus – wo Angebot und Qualität weit auseinanderklaffen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="das-problem-mit-den-4-wochen-zertifikaten">Das Problem mit den 4-Wochen-Zertifikaten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Österreich ist die Lage vergleichsweise streng: Coaching gegen Bezahlung ist an reglementierte Gewerbe wie die Lebens- und Sozialberatung oder die Unternehmensberatung gebunden – beides Ausbildungen mit hohen Qualitätsstandards. In Deutschland dagegen darf sich grundsätzlich jede Person „Coach&#8220; nennen. Genau dort blühen Geschäftsmodelle, die gleich doppelt verkaufen: erst die „Heilung&#8220;, dann die Coaching-Ausbildung als eigenes Business obendrauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum das gefährlich ist? Wegen der Komorbiditäten. Menschen mit ADHS und Autismus haben häufiger Begleiterkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Bei Erwachsenen mit ADHS liegen die Raten für Depression je nach Studie zwischen 19 und 53 Prozent, für Angststörungen bei bis zu 50 Prozent (<a href="https://doi.org/10.1186/s12888-017-1463-3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Katzman et al., 2017</a>). Eine Metaanalyse über 96 Studien fand bei autistischen Menschen in 20 Prozent der Fälle eine Angststörung und in 11 Prozent eine Depression (<a href="https://doi.org/10.1016/S2215-0366%2819%2930289-5" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lai et al., 2019</a>). Eine mögliche Erklärung sind jahrelange Misserfolgserfahrungen und ein angeschlagener Selbstwert. Wer als Coach nicht erkennt, dass aus dem „ADHS-Thema&#8220; längst eine behandlungsbedürftige Depression oder Suizidalität geworden ist, gefährdet Menschen. Seriöse Begleitung heißt: die eigene Kompetenzgrenze kennen und rechtzeitig an Fachpersonal weiterverweisen – auch wenn das Umsatz kostet.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="alibi-coaching-im-unternehmen-der-fisch-im-vergifteten-wasse">Alibi-Coaching im Unternehmen: Der Fisch im vergifteten Wasser</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Unternehmen tappen in die Falle: Ein Mitarbeiter mit ADHS „performt nicht&#8220;, also bekommt er ein Coaching verordnet – und wenn es nicht hilft, hat man ja „alles versucht&#8220;. Julies Bild dazu: Das ist, als würde man einem Fisch im vergifteten Wasser zurufen, er solle seine Flossen besser bewegen. Systemisch betrachtet ist so ein Coaching oft eine Stabilisierungsstrategie des Systems – die Verantwortung wird auf das Individuum verschoben, damit Strukturen und Prozesse nicht angetastet werden müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Walters Fazit dazu ist deutlich: <em>„Individuelle Optimierung heilt kein krankes System.&#8220;</em> Echte Neuroinklusion bedeutet, das Umfeld anzupassen – Strukturen, Kommunikation, Führung – statt am einzelnen Menschen herumzudoktern. Wie das konkret aussieht, haben wir mit Psychotherapeutin Ursula Guth besprochen: <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/autismus-adhs-im-job-eigenverantwortung-fuehrung-ursula-guth/">Autismus und ADHS im Job: Wie viel Eigenverantwortung ist fair?</a></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="supplements-promo-codes-und-selbsternannte-expert-innen">Supplements, Promo-Codes und selbsternannte Expert:innen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zum unseriösen Markt gehört auch die Supplement-Szene: Vitamin D, Omega 3 und ein Promo-Code als angebliche ADHS-Lösung. Das perfide daran: Wirkt es nicht, war die Dosierung „zu niedrig&#8220; oder man hat „nicht genug gewollt&#8220; – die Schuld landet wieder bei den Betroffenen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und schließlich: Betroffenheit ersetzt keine Fachausbildung. Wer ein autistisches Kind großzieht, ist Expertin für dieses eine Kind – und hat sich oft beeindruckend tief eingearbeitet. Aber wie Walter es formuliert: <em>„Ich fahre Auto, aber ich bin noch kein Mechaniker.&#8220;</em> Unternehmen, die Beratung zu Neurodivergenz einkaufen, sollten auf nachweisbare Qualifikation achten – zum Schutz ihrer Mitarbeitenden.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="checkliste-woran-du-serioese-adhs-unterstuetzung-erkennst">Checkliste: Woran du seriöse ADHS-Unterstützung erkennst</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Nachweisbare, mehrjährige Qualifikation:</strong> Psychologie, Psychotherapie, klinische Ausbildung oder (in Österreich) Lebens- und Sozialberatung – kein 4-Wochen-Online-Zertifikat.</li>



<li><strong>Klare Kompetenzgrenzen:</strong> Seriöse Coaches sagen offen, was sie nicht behandeln dürfen – und verweisen bei Depression, Angststörungen oder Krisen aktiv an Fachpersonal weiter.</li>



<li><strong>Keine Heilversprechen:</strong> ADHS „wegcoachen&#8220; kann niemand. Realistisch sind Selbstmanagement, Selbstakzeptanz und passende Strategien.</li>



<li><strong>Keine Produktverkäufe:</strong> Wer dir zur Diagnose gleich Supplements mit Promo-Code verkauft, verdient an deiner Hoffnung, nicht an deiner Besserung.</li>



<li><strong>Systemblick statt Individualisierung:</strong> Gute Begleitung im Unternehmenskontext fragt auch nach Strukturen, Führung und Arbeitsumgebung – nicht nur, was „mit dir nicht stimmt&#8220;.</li>
</ol>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="918" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/checkliste-serioeses-adhs-coaching-hirnzigartig-1024x918.jpg" alt="Checkliste mit sechs Kriterien, an denen HR seriöse ADHS-Unterstützung erkennt, von nachweisbarer Qualifikation bis zum Vorrang von Strukturen vor Coaching." class="wp-image-5503" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/checkliste-serioeses-adhs-coaching-hirnzigartig-1024x918.jpg 1024w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/checkliste-serioeses-adhs-coaching-hirnzigartig-300x269.jpg 300w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/checkliste-serioeses-adhs-coaching-hirnzigartig-768x689.jpg 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/checkliste-serioeses-adhs-coaching-hirnzigartig.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="faq-adhs-coaching">FAQ: ADHS-Coaching</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Ist ADHS-Coaching grundsätzlich sinnlos?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nein. Bei Selbstmanagement, Selbstwert und Alltagsstrategien kann qualifiziertes Coaching sehr wirksam sein. Kritisch wird es, wenn Coaches ohne klinische Kompetenz Begleiterkrankungen übersehen oder behandeln, die in fachliche Hände gehören.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Darf sich in Österreich jeder „ADHS-Coach&#8220; nennen?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Coaching gegen Entgelt ist in Österreich an reglementierte Gewerbe gebunden – etwa die Lebens- und Sozialberatung oder die Unternehmensberatung. In Deutschland ist „Coach&#8220; dagegen keine geschützte Bezeichnung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sollten Unternehmen Coaches für neurodivergente Mitarbeitende engagieren?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Erst die Strukturen, dann das Coaching: Klare Kommunikation, angepasste Arbeitsumgebungen und geschulte Führungskräfte bringen mehr als individuelle „Optimierung&#8220;. Wenn Beratung, dann mit nachweisbarer Fachqualifikation.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fazit-weniger-bullshit-mehr-struktur">Fazit: Weniger Bullshit, mehr Struktur</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Appell der Folge in einem Satz: weniger Zertifikats-Coaching und Supplement-Versprechen, mehr Strukturen und Werkzeuge, die allen zugutekommen. Wenn du wissen willst, ob hinter deinen Schwierigkeiten wirklich ADHS steckt, hilft eine fundierte Diagnostik – nicht ChatGPT und kein Instagram-Reel. Mehr dazu in unserem Beitrag <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/hat-jetzt-jeder-adhs-10-wissenschaftliche-antworten/">Hat jetzt jeder ADHS? 10 wissenschaftliche Antworten</a>. Und wenn du qualifizierte Begleitung suchst: Julie arbeitet als Arbeitspsychologin und klinische Psychologin in Fachausbildung – alle Infos zum <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/">ADHS-Coaching in Graz</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://open.spotify.com/show/7mX87MlfRph4Qmf5d5kgU9" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abonniere den Hirnzigartig-Podcast auf Spotify</strong></a> – und wenn du anderer Meinung bist: Wir laden gerne Gäste ein. Schreib uns an hallo@hirnzigartig.at.</p>



<div class="hz-related" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Zum Weiterlesen</p>
<ul style="margin:0;padding-left:1.2em;line-height:1.9;">
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/3-echte-adhs-testverfahren-habe-ich-adhs/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">ADHS-Test: 3 offizielle Testverfahren</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/hat-jetzt-jeder-adhs-10-wissenschaftliche-antworten/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Hat jetzt jede:r ADHS? Was die Forschung sagt</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/5-adhs-tipps/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">5 ADHS-Tipps für Erwachsene nach der Diagnose</a></li>
</ul>
</div>



<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Für dich persönlich gibt es das <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a>, für Teams und Führungskräfte <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion-unternehmen/" style="color:#fff;font-weight:600;">Neuroinklusion für Unternehmen</a>. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



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<div class="hz-author-box"><img decoding="async" class="hz-ab-avatar" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2025/11/Julie-Stuhl-mit-Hintergrund-2-3-e1762877972844-768x512.jpg" alt="Julie Simstich" width="76" height="76" loading="lazy"><div class="hz-ab-body"><div class="hz-ab-check"><svg width="18" height="18" viewBox="0 0 24 24" fill="none"><path d="M20 6 9 17l-5-5" stroke="#d00150" stroke-width="3" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round"/></svg>Fachlich geprüft von Julie Simstich</div><p style="margin:0"><span class="hz-ab-name">Julie Simstich</span> – Arbeits- &amp; klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/">Mehr über Julie →</a> · <a href="https://www.linkedin.com/in/julie-simstich/" target="_blank" rel="noopener">LinkedIn</a></p></div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Autismus und ADHS im Job: Wie viel Eigenverantwortung ist fair?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 07:28:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuroinklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Für Betroffene]]></category>
		<category><![CDATA[Für Unternehmen]]></category>
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					<description><![CDATA[Psychotherapeutin Ursula Guth über neurodivergente Mitarbeitende: warum Passung wichtiger ist als Erwartungen, woran Autist:innen wirklich scheitern und wie faire Verantwortungsteilung gelingt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Die Frage „Was kann ich von neurodivergenten Mitarbeitenden erwarten?“ führt in die Irre. Psychotherapeutin Ursula Guth schaut auf die Passung zwischen Mensch, Rolle und Unternehmen.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Klare Erwartungen helfen allen im Team. Wo die Grenze zwischen Eigenverantwortung und Fürsorge verläuft, lässt sich auf dieser Basis aushandeln.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Was darf eine Führungskraft von neurodivergenten Mitarbeitenden erwarten – und wo verlaufen neurobiologische Grenzen, die kein Appell der Welt verschiebt? Genau darüber sprechen Julie und Walter in dieser Podcastfolge mit der Wiener Psychotherapeutin <strong>Ursula Guth</strong>, spezialisiert auf Autismus, PDA und ADHS. Ihre Antwort auf die Erwartungsfrage ist bemerkenswert: Es ist die falsche Frage.</p>



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<iframe title="Spotify Embed: Autismus und ADHS im Job für Führungskräfte erklärt: Über Eigenverantwortung, neurobiologische Grenzen und gutes Miteinander im Gespräch mit Psychotherapeutin Ursula Guth" style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/3bdTSLPx5utlPzBNGspikr?utm_source=oembed"></iframe>
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<style>.hz-toc ol{columns:2;column-gap:36px;margin:0;padding-left:1.3em;line-height:1.9;}.hz-toc li{break-inside:avoid;}@media (max-width:700px){.hz-toc ol{columns:1;}}</style>
<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#nicht-was-kann-ich-erwarten-sondern-gibt-es-eine-passung" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Nicht „Was kann ich erwarten?&#8220;, sondern „Gibt es eine Passung?&#8220;</a></li>
<li><a href="#klarheit-ist-die-halbe-miete-fuer-alle-gehirne" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Klarheit ist die halbe Miete – für alle Gehirne</a></li>
<li><a href="#woran-autistische-mitarbeitende-wirklich-scheitern" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Woran autistische Mitarbeitende wirklich scheitern</a></li>
<li><a href="#die-eigenverantwortungs-frage-fair-verteilt-auf-drei-schulte" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Die Eigenverantwortungs-Frage: fair verteilt auf drei Schultern</a></li>
<li><a href="#die-e-mail-anekdote-wenn-eine-sachliche-antwort-den-job-kost" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Die E-Mail-Anekdote: Wenn eine sachliche Antwort den Job kostet</a></li>
<li><a href="#pda-und-audhs-wenn-es-komplizierter-wird" style="color:#002f6c;font-weight:600;">PDA und AuDHS: Wenn es komplizierter wird</a></li>
<li><a href="#was-unternehmen-zurueckbekommen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Was Unternehmen zurückbekommen</a></li>
<li><a href="#faq-neurodivergente-mitarbeitende-fuehren" style="color:#002f6c;font-weight:600;">FAQ: Neurodivergente Mitarbeitende führen</a></li>
<li><a href="#fazit-passung-schlaegt-pauschalregeln" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fazit: Passung schlägt Pauschalregeln</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="nicht-was-kann-ich-erwarten-sondern-gibt-es-eine-passung">Nicht „Was kann ich erwarten?&#8220;, sondern „Gibt es eine Passung?&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ursula Guth dreht die klassische Führungskräfte-Frage um: Statt zu fragen, was man von „dem neurodivergenten Mitarbeiter&#8220; erwarten kann, lohnt der Blick auf die Passung zwischen Mensch, Rolle und Unternehmen. Den neurodivergenten Menschen gibt es nicht – aber es gibt eine einfache Frage, die schon im Vorstellungsgespräch und Onboarding Platz haben sollte: <em>„Was brauchst du, um gut arbeiten zu können?&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ja: Es ist auch in Ordnung, wenn die Antwort zeigt, dass es nicht passt. Wer eine Position mit viel Reisetätigkeit besetzt und hört, dass Reisen für die Person eine echte Hürde ist, erspart beiden Seiten Enttäuschung – oder findet im Unternehmen eine Stelle, die viel besser passt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="klarheit-ist-die-halbe-miete-fuer-alle-gehirne">Klarheit ist die halbe Miete – für alle Gehirne</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor überhaupt von Neurodivergenz die Rede sein muss, können Unternehmen enorm viel über Struktur lösen. Guths Liste liest sich wie ein Basisprogramm guter Organisation:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Erwartungen verschriftlichen:</strong> Wer ist wofür zuständig, welche Deadlines gelten, was gehört zur Rolle – schriftlich statt über den Flurfunk.</li>



<li><strong>Keine informellen Sonderregeln:</strong> Eine „Gleitzeitvereinbarung&#8220;, die in Wahrheit eine ungeschriebene Kernarbeitszeit hat, produziert genau die Anschisse, die vermeidbar wären.</li>



<li><strong>Aufgaben priorisieren statt abladen:</strong> Niemandem sieben Aufgaben geben und die Entscheidung, was wichtig und dringend ist, allein überlassen.</li>



<li><strong>Teamsitzungen professionalisieren:</strong> Agenda im Vorfeld, Punkte abarbeiten, klares Ende. Guths Seitenhieb: Therapeutinnen schaffen es auch, in 50 Minuten zum Punkt zu kommen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Das hilft Menschen mit ADHS, Menschen mit Autismus – und schlicht allen. Universal Design eben: Was für eine Zielgruppe entwickelt wurde, tut dem ganzen Team gut.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="woran-autistische-mitarbeitende-wirklich-scheitern">Woran autistische Mitarbeitende wirklich scheitern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der stärksten Sätze der Folge: <em>„Sie scheitern niemals an dem, was sie leisten müssen, sondern immer an den Erwartungshaltungen.&#8220;</em> Guths Klientinnen und Klienten sitzen oft auf wichtigen Positionen, sind seit Jahrzehnten kaum krank und übererfüllen ihre Aufgaben – und geraten trotzdem in die Krise. Auslöser sind die Weihnachtsfeier, die ausufernde Teamsitzung, die Kamera-Pflicht im Online-Meeting, der Smalltalk in der Raucherpause oder der drohende Umzug ins Großraumbüro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer beim Smalltalk nicht mitmacht, riskiert den Stempel „nicht teamfähig&#8220; – ein großes Missverständnis, wie Guth betont. Die Abhilfe kostet nichts: als Führungskraft aussprechen, dass Noise-Cancelling-Kopfhörer kein Affront sind, dass niemand zur Weihnachtsfeier verpflichtet ist, und vor jeder Videokonferenz routinemäßig sagen: Wer sich mit offener Kamera unwohl fühlt, darf sie ausschalten. <em>„Dazu brauche ich kein Outing, keine Diagnosen – sondern einfach Normalität.&#8220;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="die-eigenverantwortungs-frage-fair-verteilt-auf-drei-schulte">Die Eigenverantwortungs-Frage: fair verteilt auf drei Schultern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und was ist mit der Verantwortung der Betroffenen selbst? Guths Faustregel: Die Verantwortung fair aufteilen zwischen <strong>Person, Führungskraft und Organisation</strong>. Die Organisation liefert Struktur und klare Kommunikation, die Führungskraft unterstützt individuell und bleibt im Gespräch – und die Person selbst darf lernen, ihre Grenzen wahrzunehmen und ihre Bedarfe zu äußern. Denn eines lässt sich nicht wegtrainieren: <em>„Wir können nicht trainieren, dass unser Körper nicht mit Stress reagiert, wenn wir Stress ausgesetzt sind.&#8220;</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="660" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/eigenverantwortung-verantwortung-fair-verteilt-hirnzigartig-1024x660.jpg" alt="Aufteilung der Verantwortung zwischen Organisation, Führungskraft und Person bei neurodivergenten Mitarbeitenden." class="wp-image-5440" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/eigenverantwortung-verantwortung-fair-verteilt-hirnzigartig-1024x660.jpg 1024w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/eigenverantwortung-verantwortung-fair-verteilt-hirnzigartig-300x193.jpg 300w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/eigenverantwortung-verantwortung-fair-verteilt-hirnzigartig-768x495.jpg 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/eigenverantwortung-verantwortung-fair-verteilt-hirnzigartig.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vermeidung bedeutet für Guth dabei etwas anderes als gedacht: Problematisch ist nicht, die Weihnachtsfeier auszulassen – problematisch ist, das Hinspüren und das Ansprechen der eigenen Bedarfe zu vermeiden. Wer die vielen kleinen Alltagsüberforderungen adressiert (Pinnwand hinter dem Schreibtisch, Kopfhörer, Rückzugsräume), hat Energie übrig, um sich dort zu challengen, wo es wirklich zählt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="die-e-mail-anekdote-wenn-eine-sachliche-antwort-den-job-kost">Die E-Mail-Anekdote: Wenn eine sachliche Antwort den Job kostet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Julie bringt einen realen Fall mit: Ein neuer Mitarbeiter bekommt in der Probezeit eine freundliche Mail – „Wie war dein Wochenende? Welches der drei Fotos findest du am gelungensten?&#8220; – und antwortet mit exakt einem Wort: dem Namen des Bildes. Das Team ist pikiert, es folgen weitere Kommunikationsirritationen, am Ende die Trennung in der Probezeit. Erst im Nachhinein kam der Gedanke: Vielleicht war das Autismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Guths Einordnung: Die Frage wurde sachlich und korrekt beantwortet – und gemessen werden sollte an der fachlichen Rolle. Beim Programmierer oder Chirurgen ist der Kommunikationsstil zweitrangig, im Kundenservice nicht. Ihr Appell dahinter ist grundsätzlicher: <em>„Warum muss die Anpassungsleistung immer von den Autisten kommen? Wo bleibt die Anpassungsleistung der Normgesellschaft?&#8220;</em> Wer eine knappe Antwort als anderen Kommunikationsstil liest, löst das Problem, bevor es entsteht.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="pda-und-audhs-wenn-es-komplizierter-wird">PDA und AuDHS: Wenn es komplizierter wird</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Guth ist eine der wenigen Expertinnen im deutschsprachigen Raum für <strong>PDA (Pathological Demand Avoidance)</strong> – ein Autismus-Profil, bei dem ein chronisch übererregtes Nervensystem auf Anforderungen („du musst&#8220;) mit massivem Kontrollbedürfnis bis hin zu Meltdowns reagiert. Betroffene verzichten teils sogar auf Dinge, die sie lieben, weil schon die eigene Erwartungshaltung zur Überforderung wird. Bei Erwachsenen ist PDA meist besser integriert, weil das Leben selbstbestimmter ist als das fremdbestimmte Kinderleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch <strong>AuDHS</strong> – die Kombination aus Autismus und ADHS – kommt zur Sprache: ein Gehirn, das gleichzeitig Dopamin und Abwechslung braucht (ADHS) und Routine und Stabilität (Autismus). ADHS-Medikation wirkt bei Autist:innen zudem oft eingeschränkt oder paradox. Guths pragmatische Empfehlung aus der Praxis: wenn möglich Stunden reduzieren und Homeoffice-Anteile erhöhen, damit neben dem Job noch Leben bleibt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="was-unternehmen-zurueckbekommen">Was Unternehmen zurückbekommen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Warum sich der Aufwand lohnt? Autistische Mitarbeitende sind laut Guth in der Regel außergewöhnlich loyal und beharrlich, knien sich in ihre Aufgaben und machen oft ihr Spezialinteresse zum Beruf. Menschen mit ADHS bringen Kreativität, Verbesserungsideen und Entwicklungsdrang mit – wenn die Unternehmenskultur das zulässt. Oder in Guths Worten: Auf diese Begabungen zu verzichten, nur weil jemand „nicht ganz so teamfähig&#8220; wirkt, macht ein Unternehmen ärmer.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="faq-neurodivergente-mitarbeitende-fuehren">FAQ: Neurodivergente Mitarbeitende führen</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Was kann ich als Führungskraft von Mitarbeitenden mit ADHS erwarten?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Faire Aufgabenerfüllung – wenn die Verantwortung fair verteilt ist: Die Organisation liefert klare Strukturen und Prioritäten, die Führungskraft unterstützt individuell, die Person bringt ihr Bestes ein. Passt es trotz guter Unterstützung nicht, ist oft die Rolle falsch besetzt, nicht der Mensch „unwillig&#8220;.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kann man autistischen Menschen Smalltalk oder Teamevents antrainieren?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stressreaktion des Nervensystems lässt sich nicht wegtrainieren. Sinnvoller ist, Energie-Fresser zu reduzieren (Reizschutz, klare Kommunikation, freiwillige Events) – dann bleibt Energie für die Herausforderungen, die der Person selbst wichtig sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was ist PDA (Pathological Demand Avoidance)?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Profil im Autismus-Spektrum, bei dem Anforderungen – selbst angenehme – ein übererregtes Nervensystem in massive Stressreaktionen bringen. Betroffene reagieren mit starkem Autonomie- und Kontrollbedürfnis. Im ICD-11 als Autismus-Spektrum mit Demand Avoidance diagnostizierbar.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Muss ich neurodivergente Mitarbeitende zur Diagnose-Offenlegung bewegen?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nein – und das ist Guths Kernbotschaft: Wer Rücksicht zur Normalität macht (Kamera optional, Kopfhörer okay, Feste freiwillig), braucht weder Outing noch Diagnose, damit alle gut arbeiten können.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fazit-passung-schlaegt-pauschalregeln">Fazit: Passung schlägt Pauschalregeln</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grenze zwischen Eigenverantwortung und Fürsorge ist individuell – aber sie wird verhandelbar, wenn Struktur, Klarheit und Respekt die Basis bilden. Wie das rechtlich aussieht, liest du in unserem Beitrag zu den <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/neurodivergenz-am-arbeitsplatz-rechte-adhs-autismus/">Rechten neurodivergenter Menschen am Arbeitsplatz</a>; wie sich das aus Betroffenensicht anfühlt, erzählt <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/autismus-am-arbeitsplatz-aaron-wahl-double-empathy-masking/">Aaron Wahl in unserer Folge über Autismus am Arbeitsplatz</a>. Und wenn du als Führungskraft konkrete Unterstützung möchtest: Genau dafür gibt es unser <a href="https://hirnzigartig.at/fuehrungskraefte-coaching/">Führungskräftecoaching</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr zu Ursula Guth findest du auf <a href="https://ursulaguth.at" target="_blank" rel="noopener">ursulaguth.at</a>. <a href="https://open.spotify.com/show/7mX87MlfRph4Qmf5d5kgU9" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abonniere den Hirnzigartig-Podcast auf Spotify</strong></a>, um keine Folge zu verpassen.</p>



<div class="hz-related" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Zum Weiterlesen</p>
<ul style="margin:0;padding-left:1.2em;line-height:1.9;">
<li><a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/autismus-am-arbeitsplatz-aaron-wahl-double-empathy-masking/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Autismus am Arbeitsplatz: Lernen von Aaron Wahl</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/fuehrung/fuehrung-von-menschen-mit-adhs-warum-klare-ansagen-und-echtes-verstaendnis-gold-wert-sind/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Mitarbeitende mit ADHS führen: Klare Ansagen</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/neurodivergenz-am-arbeitsplatz-rechte-adhs-autismus/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">ADHS &amp; Autismus am Arbeitsplatz: Deine Rechte</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/fuehrung/autistische-mitarbeiter-fuehren-leitfaden-arbeitgeber/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Autistische Mitarbeiter:innen führen: Leitfaden für Arbeitgeber und Führungskräfte</a></li>
</ul>
</div>



<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Für dich persönlich gibt es das <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a>, für Teams und Führungskräfte <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion-unternehmen/" style="color:#fff;font-weight:600;">Neuroinklusion für Unternehmen</a>. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



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<div class="hz-author-box"><img decoding="async" class="hz-ab-avatar" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2025/11/Julie-Stuhl-mit-Hintergrund-2-3-e1762877972844-768x512.jpg" alt="Julie Simstich" width="76" height="76" loading="lazy"><div class="hz-ab-body"><div class="hz-ab-check"><svg width="18" height="18" viewBox="0 0 24 24" fill="none"><path d="M20 6 9 17l-5-5" stroke="#d00150" stroke-width="3" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round"/></svg>Fachlich geprüft von Julie Simstich</div><p style="margin:0"><span class="hz-ab-name">Julie Simstich</span> – Arbeits- &amp; klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/">Mehr über Julie →</a> · <a href="https://www.linkedin.com/in/julie-simstich/" target="_blank" rel="noopener">LinkedIn</a></p></div></div>
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			</item>
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		<title>Fidget Toys bei ADHS: Was sie wirklich bringen – und was nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 07:22:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ADHS Basics]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Für Betroffene]]></category>
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					<description><![CDATA[Helfen Fidget Toys wirklich bei Konzentration und Stress? Wir haben 14 Studien ausgewertet: kein Konzentrations-Booster, aber ein echter Entspannungshelfer. Mit Podcast-Folge und Quellen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Fidget Toys verbessern die Konzentration laut Studienlage nicht. Für Stressabbau und Beruhigung gibt es erste Hinweise, etwa als Ablenkung bei einer Spritze. Belastbar belegt ist das bisher nicht.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Der Artikel fasst 14 Quellen zusammen, erklärt, warum sich Fidgeten trotzdem hilfreich anfühlt, und gibt Tipps für Alltag, Büro und Schule.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">„Es hilft mir, mich zu konzentrieren&#8220; – das sagen unzählige Menschen mit ADHS über ihre Fidget Toys. Die Studienlage sagt: leider nein. Zumindest nicht bei der Konzentration. Bei der Beruhigung gibt es erste positive Hinweise. In unserer neuen Podcastfolge räumen Julie und Walter mit Mythen auf – wissenschaftlich fundiert und mit einer Kiste voller <strong>Fidget Toys</strong> vor der Kamera.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Folge gibt es auch als Video – und weil wir jede Menge Fidget Toys in die Kamera halten, lohnt sich das Anschauen besonders:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Oder zum Anhören auf Spotify:</p>



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<iframe title="Spotify Embed: Fidget Toys - Helfen sie wirklich bei Konzentration und Stress" style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/7LTtaCP6BsfHwlR4k6ld5c?utm_source=oembed"></iframe>
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<style>.hz-toc ol{columns:2;column-gap:36px;margin:0;padding-left:1.3em;line-height:1.9;}.hz-toc li{break-inside:avoid;}@media (max-width:700px){.hz-toc ol{columns:1;}}</style>
<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#fidget-toys-und-konzentration-was-die-studien-wirklich-zeige" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fidget Toys und Konzentration: Was die Studien wirklich zeigen</a></li>
<li><a href="#wo-fidget-toys-tatsaechlich-helfen-stress-und-emotionsregula" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Wo Fidget Toys tatsächlich helfen: Stress und Emotionsregulation</a></li>
<li><a href="#warum-es-sich-trotzdem-hilfreich-anfuehlt" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Warum es sich trotzdem hilfreich anfühlt</a></li>
<li><a href="#und-was-ist-mit-kritzeln" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Und was ist mit Kritzeln?</a></li>
<li><a href="#praktische-tipps-fuer-alltag-buero-und-schule" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Praktische Tipps für Alltag, Büro und Schule</a></li>
<li><a href="#faq-fidget-toys-bei-adhs-und-autismus" style="color:#002f6c;font-weight:600;">FAQ: Fidget Toys bei ADHS und Autismus</a></li>
<li><a href="#fazit-entspannungshelfer-ja-konzentrations-booster-nein" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fazit: Entspannungshelfer ja, Konzentrations-Booster nein</a></li>
<li><a href="#studien-und-quellen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Studien und Quellen</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="fidget-toys-und-konzentration-was-die-studien-wirklich-zeige">Fidget Toys und Konzentration: Was die Studien wirklich zeigen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die unbequeme Wahrheit zuerst: Wenn es um messbare Konzentrations- oder Gedächtnisleistung geht, finden kontrollierte Studien bisher keine Vorteile durch Fidget Toys. Untersucht wurden vor allem Kinder und Studierende. Zur Konzentration von Erwachsenen mit ADHS gibt es kaum Studien. Eine Meta-Analyse über 10 Studien mit 509 Schüler:innen in Gruppen- und Klassensettings fand im Mittel keinen Effekt (Hedges’ g = −0,014; Schoenen et al. 2024). In einem US-Sommerprogramm mit 60 Vorschulkindern mit ADHS war die Aufmerksamkeit mit Fidget Spinner schlechter (Graziano et al. 2020). Bei 233 Grundschulkindern im regulären Unterricht senkten Fidget Spinner und Bouncy Bands die Leistung in Mathematik und Zuhören, unabhängig von ADHS-Symptomen (Driesen et al. 2023). Eine zweite Meta-Analyse über 10 Einzelfallstudien mit 59 Schüler:innen fand einen kleinen positiven Effekt (Schoenen et al. 2024). Einzelfallstudien lassen sich aber schwer verallgemeinern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kommt sogar noch dicker: Soares und Storm (2019) zeigten, dass die Nutzung eines Fidget Spinners die Erinnerungsleistung an eine Videovorlesung <em>verschlechtert</em>. Der wahrscheinliche Grund: Die Aufmerksamkeit springt zwischendurch doch immer wieder zum Spielzeug. Das Argument „mein Kind braucht den Fidget Spinner zum Konzentrieren&#8220; hält der Studienlage also nicht stand.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="wo-fidget-toys-tatsaechlich-helfen-stress-und-emotionsregula">Wo Fidget Toys tatsächlich helfen: Stress und Emotionsregulation</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz anders sieht es beim Thema Beruhigung aus. Bei Stressabbau und Angst gibt es erste Hinweise auf Effekte. In einer randomisierten Studie mit 60 Kindern zwischen 6 und 9 Jahren (15 pro Gruppe) berichteten Kinder mit Fidget Spinner während einer Betäubungsspritze beim Zahnarzt weniger Angst als ohne Ablenkung (Aditya et al. 2021). Kaleidoskop und VR-Brille wirkten ähnlich. Ein Konferenzbeitrag sieht sensorische Fidget Toys ebenfalls als Hilfe beim Stressabbau (Liu 2025). Ein Experiment mit 73 Erwachsenen mit ADHS fand dagegen keinen Vorteil: Unter sozialem Stress unterschieden sich Herzrate und Herzratenvariabilität mit und ohne Fidget-Ball nicht (Elahi et al. 2025).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das passt zur Erfahrung vieler neurodivergenter Menschen: Das Fidget Toy macht nicht schlauer – aber es beruhigt, gibt sensorischen Input und Sicherheit, gerade wenn soziale Situationen Stress bedeuten.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="warum-es-sich-trotzdem-hilfreich-anfuehlt">Warum es sich trotzdem hilfreich anfühlt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Walter bringt in der Folge einen Punkt, den die Studien so kaum abbilden: Das Fidget Toy ist eine <em>niederschwellige</em> Ablenkung. Wer die Hände mit einem Fidget Cube beschäftigt, greift seltener zum Handy oder öffnet den nächsten Browser-Tab – und diese Alternativen kosten deutlich mehr Aufmerksamkeit. Die Beschäftigung der Hände kann also indirekt helfen, im Gespräch zu bleiben, auch wenn sie die Konzentration selbst nicht steigert. Sein Tipp: <em>„Macht euer Fidgeting beim Gesprächspartner transparent. Das hilft am allermeisten.&#8220;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="und-was-ist-mit-kritzeln">Und was ist mit Kritzeln?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kritzeln ist das sozial akzeptierteste Fidgeting im Büro – und hier ist die Evidenz differenzierter. Einfaches, strukturiertes Kritzeln (Formen schattieren, Os ausmalen) kann bei langweiligem Stoff helfen: In einem Experiment mit 40 Erwachsenen erinnerte die Kritzel-Gruppe 29 Prozent mehr (Andrade 2009). Bei 93 Studierenden schnitt freies Kritzeln schlechter ab als strukturiertes Kritzeln und Mitschreiben (Boggs et al. 2017). Größere Folgestudien fanden keinen Vorteil durch Kritzeln, am besten schnitt dort Mitschreiben ab (<a href="https://doi.org/10.1177/17470218231222402" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Spencer-Mueller et al., 2023</a>; <a href="https://doi.org/10.1037/cep0000170" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Meade et al., 2019</a>). Wird der Stoff komplex oder das Gekritzel aufwendig – etwa ein detaillierter Manga –, kippt der Effekt ins Kontraproduktive: Dann sind Notizen die bessere Wahl. Eine Übersichtsarbeit findet beim Kritzeln eher positive Effekte auf die Stimmung als auf die Leistung (<a href="https://doi.org/10.1016/j.aip.2025.102368" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stickley et al., 2025</a>).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="986" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/fidget-toys-studienlage-buero-hirnzigartig-1024x986.png" alt="Infografik zu Fidget Toys: links kein belegter Vorteil für die Konzentration, rechts erste Hinweise beim Stress, darunter vier Tipps für den Einsatz im Büro." class="wp-image-5554" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/fidget-toys-studienlage-buero-hirnzigartig-1024x986.png 1024w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/fidget-toys-studienlage-buero-hirnzigartig-300x289.png 300w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/fidget-toys-studienlage-buero-hirnzigartig-768x739.png 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/fidget-toys-studienlage-buero-hirnzigartig.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="praktische-tipps-fuer-alltag-buero-und-schule">Praktische Tipps für Alltag, Büro und Schule</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Nichts nehmen, was rollt:</strong> Klingt banal, erspart aber das ständige Hinterherlaufen – besonders bei Kindern.</li>



<li><strong>Bouncing Bands ausprobieren:</strong> Elastische Bänder zwischen den Stuhlbeinen erlauben Bewegung im Sitzen. In einer Studie mit 233 Grundschulkindern senkten sie die Leistung im Schnitt. Nur bei starker Unaufmerksamkeit gab es Hinweise auf einen Nutzen (Driesen et al. 2023). Beobachte also genau, ob sie helfen.</li>



<li><strong>Die nicht-dominante Hand nutzen:</strong> Fidget Toys bewusst auf der anderen Seite des Schreibtischs lagern. So bleibt die Schreib- und Maushand frei.</li>



<li><strong>Transparent machen:</strong> Kurz erklären, warum man die Hände beschäftigt – das beugt dem Missverständnis vor, man höre nicht zu.</li>



<li><strong>Kein Geld nötig:</strong> Taschenmesser-Klappen, ein Gummiband, ein Zettel zum Kritzeln oder die Kopfhörer-Schachtel tun es auch.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Hinweis (Werbung):</em> Einige der in der Folge gezeigten Fidget Toys stammen von Chillzones – über unseren Affiliate-Link <a href="https://chillzoneshub.com" target="_blank" rel="noopener sponsored">chillzoneshub.com</a> sparst du mit dem Code <strong>JULIE10</strong> 10 %.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="faq-fidget-toys-bei-adhs-und-autismus">FAQ: Fidget Toys bei ADHS und Autismus</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Helfen Fidget Toys bei ADHS wirklich bei der Konzentration?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nach aktueller Studienlage nein – kontrollierte Untersuchungen finden keine Verbesserung der Konzentrations- oder Gedächtnisleistung, teilweise sogar leichte Verschlechterungen. Für Stressabbau gibt es erste Hinweise, belastbar belegt ist das bisher nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sollten Fidget Toys in der Schule erlaubt sein?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Differenziert betrachtet: Als Konzentrationshilfe im Unterricht taugen sie laut Studien nicht, als Beruhigungswerkzeug in Stresssituationen schon eher. Sinnvoll sind leise Varianten, Entscheidungen im Einzelfall und klare Absprachen. Ein Pauschalverbot hilft so wenig wie eine Pauschalerlaubnis. Bouncing Bands als Lernhilfe für alle Kinder stützt die Studienlage nicht (Driesen et al. 2023).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ist Kritzeln im Meeting unhöflich oder hilfreich?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Einfaches Kritzeln hat in einer Studie bei monotonen Inhalten die Erinnerung verbessert. Größere Folgestudien fanden keinen Vorteil. Bei komplexen Inhalten sind Notizen besser. Am wichtigsten: kurz transparent machen, dass die beschäftigten Hände dem Zuhören dienen – nicht dem Desinteresse.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fazit-entspannungshelfer-ja-konzentrations-booster-nein">Fazit: Entspannungshelfer ja, Konzentrations-Booster nein</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fidget Toys verbessern die Konzentration nicht. Für Stressregulation und sensorische Bedürfnisse können sie ein günstiges Werkzeug sein, die Belege dafür sind aber noch dünn. Und sie verdienen weniger Stigma: Wer die Hände beschäftigt statt zum Handy zu greifen, ist oft der aufmerksamere Gesprächspartner. Mehr über die Stärken neurodivergenter Gehirne liest du in unserem Beitrag <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/13-adhs-starken-im-beruf/">ADHS-Stärken im Beruf: belegt oder berichtet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ganze Folge mit allen gezeigten Fidget Toys siehst du oben im Video. <a href="https://open.spotify.com/show/7mX87MlfRph4Qmf5d5kgU9" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abonniere den Hirnzigartig-Podcast auf Spotify</strong></a>, um keine Folge zu verpassen.</p>



<div class="hz-related" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Zum Weiterlesen</p>
<ul style="margin:0;padding-left:1.2em;line-height:1.9;">
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/was-ist-bionic-reading/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Bionic Reading: Was die Forschung sagt</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/effizientes-arbeiten-mit-adhs-body-doubling-dopamin-deko-und-die-perfekte-produktivitaets-umgebung/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Arbeiten mit ADHS: Body Doubling &amp; Dopamin-Deko</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/sport-und-achtsamkeit-als-adhs-fixes-im-alltag/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Sport und Achtsamkeit bei ADHS</a></li>
</ul>
</div>



<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Du willst herausfinden, was dir im Alltag und im Job hilft? Im <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a> und im <a href="https://hirnzigartig.at/autismus-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">Autismus- und AuDHS-Coaching</a> arbeiten wir an deinen konkreten Situationen. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="studien-und-quellen">Studien und Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Soares, J. &amp; Storm, B. (2019): Putting a negative spin on it. <a href="https://doi.org/10.1002/acp.3610" target="_blank" rel="noopener">Applied Cognitive Psychology</a></li>



<li>Nugroho, K. &amp; Kurnianingtyas, M. (2020): The Effect of Fidgeting on Student Concentration Levels. <a href="https://doi.org/10.24002/ijieem.v1i2.3062" target="_blank" rel="noopener">IJIEEM</a></li>



<li>Driesen, M. et al. (2023): Tools or Toys? Fidget Spinners and Bouncy Bands and Academic Performance in Children With Varying ADHD-Symptomatology. <a href="https://doi.org/10.1016/j.cedpsych.2023.102214" target="_blank" rel="noopener">Contemporary Educational Psychology</a></li>



<li>Graziano, P., Garcia, A. &amp; Landis, T. (2020): To Fidget or Not to Fidget. <a href="https://doi.org/10.1177/1087054718770009" target="_blank" rel="noopener">Journal of Attention Disorders</a></li>



<li>Schoenen, E. et al. (2024): A Meta-Analysis of Fidget Devices as Academic and Behavioral Interventions. <a href="https://doi.org/10.1080/2372966x.2024.2411576" target="_blank" rel="noopener">School Psychology Review</a></li>



<li>Schoenen, E. et al. (2024): Fidget Devices: A Meta-Analysis of Single-case Design Studies. <a href="https://doi.org/10.1007/s43494-024-00133-0" target="_blank" rel="noopener">Education and Treatment of Children</a></li>



<li>Elahi, H. et al. (2025): Impact of fidget devices on anxiety and physiological responses in adults with ADHD. <a href="https://doi.org/10.1016/j.ridd.2025.104944" target="_blank" rel="noopener">Research in Developmental Disabilities</a></li>



<li>Liu, Y. (2025): The Rise of Sensory Fidget Toys. <a href="https://doi.org/10.1051/shsconf/202521302027" target="_blank" rel="noopener">SHS Web of Conferences</a></li>



<li>Woodward, K. &amp; Kanjo, E. (2021): iFidgetCube: Tangible Fidgeting Interfaces to Monitor and Improve Mental Wellbeing. <a href="https://doi.org/10.1109/jsen.2020.3031163" target="_blank" rel="noopener">IEEE Sensors Journal</a></li>



<li>Aditya, P. et al. (2021): Comparison of three distraction techniques to allay dental anxiety in children: RCT. <a href="https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2021.e08092" target="_blank" rel="noopener">Heliyon</a></li>



<li>Sadri, H. &amp; Moodithaya, S. (2021): Effectiveness of Toys in Relieving Acute Stress Measured by Heart Rate Variability. <a href="https://doi.org/10.31782/ijcrr.2021.13207" target="_blank" rel="noopener">IJCRR</a></li>



<li>Andrade, J. (2009): What does doodling do? <a href="https://doi.org/10.1002/acp.1561" target="_blank" rel="noopener">Applied Cognitive Psychology</a></li>



<li>Boggs, J., Cohen, J. &amp; Marchand, G. (2017): The Effects of Doodling on Recall Ability. <a href="https://psyct.swu.bg/index.php/psyct/article/view/217" target="_blank" rel="noopener">Psychological Thought</a></li>



<li>Ifroz, E. et al. (2025): The Effect of Doodling and Drawing on Memory Recall in Young Adults. <a href="https://doi.org/10.63544/ijss.v4i2.128" target="_blank" rel="noopener">Inverge Journal of Social Sciences</a></li>



<li>Spencer-Mueller, E. K. et al. (2023). Note-taking for the win: Doodling does not reduce boredom or mind-wandering, nor enhance attention or retention of lecture material. Quarterly Journal of Experimental Psychology. <a href="https://doi.org/10.1177/17470218231222402" target="_blank" rel="noreferrer noopener">doi.org/10.1177/17470218231222402</a></li>



<li>Meade, M. E. et al. (2019). Comparing the influence of doodling, drawing, and writing at encoding on memory. Canadian Journal of Experimental Psychology. <a href="https://doi.org/10.1037/cep0000170" target="_blank" rel="noreferrer noopener">doi.org/10.1037/cep0000170</a></li>



<li>Stickley, K. S. et al. (2025). The impact of doodling on cognition and affect: A scoping review. The Arts in Psychotherapy. <a href="https://doi.org/10.1016/j.aip.2025.102368" target="_blank" rel="noreferrer noopener">doi.org/10.1016/j.aip.2025.102368</a></li>
</ul>



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<div class="hz-author-box"><img decoding="async" class="hz-ab-avatar" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2025/11/Julie-Stuhl-mit-Hintergrund-2-3-e1762877972844-768x512.jpg" alt="Julie Simstich" width="76" height="76" loading="lazy"><div class="hz-ab-body"><div class="hz-ab-check"><svg width="18" height="18" viewBox="0 0 24 24" fill="none"><path d="M20 6 9 17l-5-5" stroke="#d00150" stroke-width="3" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round"/></svg>Fachlich geprüft von Julie Simstich</div><p style="margin:0"><span class="hz-ab-name">Julie Simstich</span> – Arbeits- &amp; klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/">Mehr über Julie →</a> · <a href="https://www.linkedin.com/in/julie-simstich/" target="_blank" rel="noopener">LinkedIn</a></p></div></div>
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		<title>Autismus am Arbeitsplatz: Was Führungskräfte von Aaron Wahl lernen können</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 07:14:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuroinklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Für Betroffene]]></category>
		<category><![CDATA[Für Unternehmen]]></category>
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					<description><![CDATA[Vom „dauerhaft Arbeitsunfähigen" zum Tech-Gründer: Aaron Wahl über Autismus am Arbeitsplatz, das Double-Empathy-Problem, Masking und was Führungskräfte konkret tun können.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Aaron Wahl wurde mit 20 als dauerhaft arbeitsunfähig eingestuft und ist heute Tech-Gründer. Verändert hat sich vor allem die Umgebung, in der er arbeitet.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Im Gespräch geht es um das Double-Empathy-Problem, um Masking und darum, was Führungskräfte konkret anders machen können.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Mit 20 Jahren wurde Aaron Wahl als dauerhaft arbeitsunfähig eingestuft. Heute ist er Tech-Gründer, Buchautor und WeEconomy Diversity Leader 2025. Dazwischen liegen keine Wunderheilung und kein Motivationsseminar. Dazwischen liegt eine Erkenntnis: Falsch waren die Umgebungen, in denen er funktionieren sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der aktuellen Podcastfolge spricht Julie mit Aaron über <strong>Autismus am Arbeitsplatz</strong>: über Chefs, die Blickkontakt einfordern, über das Double-Empathy-Problem, über Masking – und darüber, was Führungskräfte konkret anders machen können. Die ganze Folge kannst du hier direkt anhören:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-spotify wp-block-embed-spotify"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Spotify Embed: Wie das Verständnis für Autismus Unternehmen revolutioniert und welche Rolle eine App spielen kann" style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/5KFXU2Z2Fn3Lwm57yFLgXL?utm_source=oembed"></iframe>
</div></figure>



<style>.hz-toc ol{columns:2;column-gap:36px;margin:0;padding-left:1.3em;line-height:1.9;}.hz-toc li{break-inside:avoid;}@media (max-width:700px){.hz-toc ol{columns:1;}}</style>
<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#zwei-chefs-zwei-welten-warum-verstaendnis-ueber-karrieren-en" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Zwei Chefs, zwei Welten: Warum Verständnis über Karrieren entscheidet</a></li>
<li><a href="#das-double-empathy-problem-es-liegt-nicht-an-fehlender-empat" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Das Double-Empathy-Problem: Es liegt nicht an fehlender Empathie</a></li>
<li><a href="#autistic-mirror-und-divergent-mirror-verstaendnis-per-app" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Autistic Mirror und Divergent Mirror: Verständnis per App</a></li>
<li><a href="#faq-autismus-am-arbeitsplatz" style="color:#002f6c;font-weight:600;">FAQ: Autismus am Arbeitsplatz</a></li>
<li><a href="#fazit-nicht-die-menschen-sind-falsch-die-umgebungen-sind-es" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fazit: Nicht die Menschen sind falsch – die Umgebungen sind es oft</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="zwei-chefs-zwei-welten-warum-verstaendnis-ueber-karrieren-en">Zwei Chefs, zwei Welten: Warum Verständnis über Karrieren entscheidet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aarons Geschichte zeigt, wie viel von einer einzigen Führungskraft abhängt. In seiner IT-Ausbildung hatte er zunächst einen verständnisvollen Chef – dann kam ein Wechsel. Der neue Vorgesetzte warf ihm vor, ihm beim Reden nicht genug in die Augen zu schauen, und beschäftigte ihn schließlich mit unlösbaren Aufgaben, bis Aaron die Ausbildung abbrach und in der Psychiatrie landete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein wichtigster Rat an Führungskräfte ist dabei bemerkenswert einfach: fragen statt annehmen. Viele Führungskräfte haben so viel Angst, etwas Falsches zu sagen, dass sie lieber gar nichts sagen. Aaron sieht das anders: <em>„Mir ist jemand, der mich fragt, viel lieber als jemand, der gar nichts sagt und einfach versucht, es richtig zu machen.&#8220;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="das-double-empathy-problem-es-liegt-nicht-an-fehlender-empat">Das Double-Empathy-Problem: Es liegt nicht an fehlender Empathie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Autistischen Menschen wird oft nachgesagt, ihnen fehle Empathie. Der Forscher Damian Milton hat dafür den Begriff Double-Empathy-Problem geprägt: Autistische und nicht-autistische Menschen verstehen sich gegenseitig schwer, das Verständnisproblem läuft in beide Richtungen (<a href="https://doi.org/10.1080/09687599.2012.710008" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Milton, 2012</a>). Gemessen ist das weniger eindeutig, als es klingt: Eine Studie mit 311 Personen fand 2025 bei der Weitergabe von Informationen keinen Unterschied zwischen gemischten und einheitlichen Gruppen (<a href="https://doi.org/10.1038/s41562-025-02163-z" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Crompton et al., 2025</a>). Aaron beschreibt es an seiner eigenen Familie: <em>„Wir können miteinander reden, aber wir können uns nicht verstehen&#8220;</em> – weil beide Seiten die Denkweise der jeweils anderen nicht teilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Therapeutin hat es Aaron einmal so erklärt: Autistische Kommunikation legt den Informationsgehalt über die soziale Verpackung – neurotypische Kommunikation stellt die soziale Verpackung manchmal über den Ehrlichkeitsgehalt. Wer das versteht, erkennt: Direktheit ist dann eine andere Priorisierung. Und sie hat handfeste Vorteile – auf ehrliches Feedback von autistischen Kolleg:innen kann man sich verlassen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="835" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/double-empathy-problem-arbeitsplatz-hirnzigartig-1024x835.png" alt="Gegenüberstellung autistischer und neurotypischer Kommunikation beim Double-Empathy-Problem mit drei Hinweisen für Führungskräfte: fragen statt annehmen, Direktheit nutzen, Umgebung anpassen." class="wp-image-5505" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/double-empathy-problem-arbeitsplatz-hirnzigartig-1024x835.png 1024w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/double-empathy-problem-arbeitsplatz-hirnzigartig-300x245.png 300w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/double-empathy-problem-arbeitsplatz-hirnzigartig-768x626.png 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/double-empathy-problem-arbeitsplatz-hirnzigartig.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="autistic-mirror-und-divergent-mirror-verstaendnis-per-app">Autistic Mirror und Divergent Mirror: Verständnis per App</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aus seiner Geschichte hat Aaron zwei Apps entwickelt: <strong>Autistic Mirror</strong> (für Autismus) und <strong>Divergent Mirror</strong> (für ADHS, Legasthenie und weitere Neurotypen). Beide erklären neurologische Mechanismen aus verschiedenen Perspektiven – für Betroffene, Eltern, Kolleg:innen und explizit auch aus Arbeitgebersicht. Eine Führungskraft kann dort konkret fragen: „Eine Mitarbeiterin hat mir gesagt, dass sie autistisch ist – wie kann ich sie unterstützen, was braucht sie in Meetings?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unterschied zu allgemeinen KI-Chatbots: Die Apps arbeiten mit einer strengen Struktur und Qualitätsprüfung, die das Defizit-Framing herausfiltert, das in vielen Wissensdatenbanken zum Thema Autismus noch steckt. Entwickelt hat Aaron sie ursprünglich – wie er sagt – für Kinder, die er liebt: <em>„Ich möchte nicht, dass diese Kinder mit dem Gedanken großwerden, dass sie falsch sind.&#8220;</em> Autistic Mirror findest du unter <a href="https://autisticmirror.app" target="_blank" rel="noreferrer noopener">autisticmirror.app</a>. Die Seite von Divergent Mirror war bei der letzten Prüfung dieses Artikels im Oktober 2026 nicht erreichbar, deshalb fehlt hier der Link.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="faq-autismus-am-arbeitsplatz">FAQ: Autismus am Arbeitsplatz</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Fehlt autistischen Menschen Empathie?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nein. Das Double-Empathy-Problem beschreibt, dass autistische und nicht-autistische Menschen sich gegenseitig schwer verstehen, weil sie unterschiedliche Denk- und Kommunikationsstile haben. Das Verständnisproblem ist wechselseitig – keine Einbahnstraße.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was ist Masking und warum ist es ein Problem?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Masking bedeutet, neurodivergente Eigenschaften zu verbergen und sich neurotypischen Erwartungen anzupassen. Das kostet viel Energie, die für die eigentliche Arbeit fehlt. In Interviews beschreiben autistische Erwachsene Masking als erschöpfend (<a href="https://doi.org/10.1007/s10803-017-3166-5" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hull et al., 2017</a>). Eine US-Interviewstudie mit 19 autistischen Erwachsenen zu autistischem Burnout warnt davor, autistischen Menschen Masking beizubringen (<a href="https://doi.org/10.1089/aut.2019.0079" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Raymaker et al., 2020</a>). Wie stark Masking zu Burnout beiträgt, ist noch wenig untersucht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie viele Mitarbeitende sind neurodivergent?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine britische Übersichtsarbeit schätzt den Anteil auf 15–20 % der Bevölkerung (<a href="https://doi.org/10.1093/bmb/ldaa021" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Doyle, 2020</a>). Der Wert ist eine begründete Schätzung aus den Häufigkeiten der einzelnen Diagnosen und ihren Überschneidungen. Bei diesem Anteil arbeiten in jedem größeren Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit neurodivergente Menschen, oft ohne dass es jemand weiß. Offen ist, ob sie dort ihre Stärken einbringen können oder ihre Energie fürs Maskieren aufwenden müssen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was kostet neuroinklusive Arbeitsplatzgestaltung?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Oft wenig. In einer Erhebung des US-amerikanischen Job Accommodation Network, einer staatlich finanzierten Beratungsstelle, sagten 61 Prozent von 1.425 Arbeitgebern mit Kostenangabe, die Anpassung habe nichts gekostet. Bei einem Drittel fielen einmalige Kosten an, im Median 300 US-Dollar (<a href="https://askjan.org/topics/costs.cfm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">JAN, 2025</a>). Befragt wurden Arbeitgeber, die sich 2019 bis 2024 an JAN gewandt hatten, zu allen Arten von Behinderung. Kopfhörer-Akzeptanz, gedämpftes Licht, Ruheräume und klare Kommunikation kosten meist wenig – bringen aber laut Aaron „freie Kapazität geschenkt&#8220;, weil Mitarbeitende ihre Energie in die Arbeit statt in die Anpassung stecken können.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fazit-nicht-die-menschen-sind-falsch-die-umgebungen-sind-es">Fazit: Nicht die Menschen sind falsch – die Umgebungen sind es oft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aarons Weg von „dauerhaft arbeitsunfähig&#8220; zum ausgezeichneten Tech-Gründer zeigt, was möglich ist, wenn Umgebungen zu Menschen passen statt umgekehrt. Für Unternehmen kann sich das auch wirtschaftlich lohnen, belastbare Kennzahlen dazu gibt es aber erst wenige – mehr dazu in unserem Beitrag <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/neuroinklusion-in-der-arbeitswelt-warum-hr-oft-scheitert-und-wie-fuehrungskraefte-das-ruder-herumreissen/">Neuroinklusion: Warum HR oft scheitert</a>. Und wenn es um die rechtliche Seite geht, lies unseren Artikel zu den <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/neurodivergenz-am-arbeitsplatz-rechte-adhs-autismus/">Rechten neurodivergenter Menschen am Arbeitsplatz</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ganze Folge mit Aaron Wahl hörst du oben im Player. <a href="https://open.spotify.com/show/7mX87MlfRph4Qmf5d5kgU9" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abonniere den Hirnzigartig-Podcast auf Spotify</strong></a>, um keine Folge zu verpassen.</p>


<p style="margin:28px 0 0;padding:18px 22px;background:#f0f4fb;border-left:4px solid #d00150;border-radius:8px;font-size:.95rem;line-height:1.7;color:#4a4a4a;"><strong>Du fragst dich, welche Arbeitsumgebung zu dir passt?</strong> Reizlage, Vorhersehbarkeit und Masking-Aufwand werden hier systematisch erhoben: <a href="https://hirnzigartig.at/berufsorientierung-adhs-autismus/" style="color:#d00150;font-weight:600;text-decoration:none;">Berufsorientierung bei ADHS und Autismus →</a></p>



<div class="hz-related" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Zum Weiterlesen</p>
<ul style="margin:0;padding-left:1.2em;line-height:1.9;">
<li><a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/autismus-adhs-im-job-eigenverantwortung-fuehrung-ursula-guth/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Autismus und ADHS im Job: Eigenverantwortung</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-berufsleben/neuro-ergonomie-warum-dein-gehirn-einen-besseren-arbeitsplatz-verdient/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Neuro-Ergonomie: Arbeitsplatz für jedes Gehirn</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/warum-neurodivergente-menschen-im-berufsleben-wertvoller-sind-als-viele-denken/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Neurodivergenz im Beruf: Potenzial erkennen</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/fuehrung/autistische-mitarbeiter-fuehren-leitfaden-arbeitgeber/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Autistische Mitarbeiter:innen führen: Leitfaden für Arbeitgeber und Führungskräfte</a></li>
</ul>
</div>



<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Für dich persönlich gibt es das <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a>, für Teams und Führungskräfte <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion-unternehmen/" style="color:#fff;font-weight:600;">Neuroinklusion für Unternehmen</a>. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



<script type="application/ld+json">{"@context":"https://schema.org","@type":"FAQPage","@id":"https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/autismus-am-arbeitsplatz-aaron-wahl-double-empathy-masking/#faq","mainEntity":[{"@type":"Question","name":"Fehlt autistischen Menschen Empathie?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Nein. Das Double-Empathy-Problem beschreibt, dass autistische und nicht-autistische Menschen sich gegenseitig schwer verstehen, weil sie unterschiedliche Denk- und Kommunikationsstile haben. Das Verständnisproblem ist wechselseitig – keine Einbahnstraße."}},{"@type":"Question","name":"Was ist Masking und warum ist es ein Problem?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Masking bedeutet, neurodivergente Eigenschaften zu verbergen und sich neurotypischen Erwartungen anzupassen. Das kostet viel Energie, die für die eigentliche Arbeit fehlt. In Interviews beschreiben autistische Erwachsene Masking als erschöpfend (Hull et al., 2017). Eine US-Interviewstudie mit 19 autistischen Erwachsenen zu autistischem Burnout warnt davor, autistischen Menschen Masking beizubringen (Raymaker et al., 2020). Wie stark Masking zu Burnout beiträgt, ist noch wenig untersucht."}},{"@type":"Question","name":"Wie viele Mitarbeitende sind neurodivergent?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Eine britische Übersichtsarbeit schätzt den Anteil auf 15–20 % der Bevölkerung (Doyle, 2020). Der Wert ist eine begründete Schätzung aus den Häufigkeiten der einzelnen Diagnosen und ihren Überschneidungen. Bei diesem Anteil arbeiten in jedem größeren Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit neurodivergente Menschen, oft ohne dass es jemand weiß. Offen ist, ob sie dort ihre Stärken einbringen können oder ihre Energie fürs Maskieren aufwenden müssen."}},{"@type":"Question","name":"Was kostet neuroinklusive Arbeitsplatzgestaltung?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Oft wenig. In einer Erhebung des US-amerikanischen Job Accommodation Network, einer staatlich finanzierten Beratungsstelle, sagten 61 Prozent von 1.425 Arbeitgebern mit Kostenangabe, die Anpassung habe nichts gekostet. Bei einem Drittel fielen einmalige Kosten an, im Median 300 US-Dollar (JAN, 2025). Befragt wurden Arbeitgeber, die sich 2019 bis 2024 an JAN gewandt hatten, zu allen Arten von Behinderung. Kopfhörer-Akzeptanz, gedämpftes Licht, Ruheräume und klare Kommunikation kosten meist wenig – bringen aber laut Aaron „freie Kapazität geschenkt\", weil Mitarbeitende ihre Energie in die Arbeit statt in die Anpassung stecken können."}}]}</script>



<style>.hz-author-box{display:flex;gap:18px;align-items:center;margin:44px 0 8px;padding:22px 24px;background:#f4f7fc;border:1px solid #e6e9f2;border-left:4px solid #d00150;border-radius:10px}.hz-ab-avatar{width:76px;height:76px;flex:none;border-radius:50%;object-fit:cover;object-position:42% 28%;border:3px solid #fff;box-shadow:0 2px 8px rgba(0,47,108,.15)}.hz-ab-body{font-size:.95rem;line-height:1.6;color:#4a4a4a}.hz-ab-check{display:inline-flex;align-items:center;gap:6px;font-weight:700;color:#002f6c;font-size:.9rem;margin-bottom:6px}.hz-ab-name{font-weight:700;color:#002f6c}.hz-author-box a{color:#d00150;font-weight:600;text-decoration:none}</style>
<div class="hz-author-box"><img decoding="async" class="hz-ab-avatar" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2025/11/Julie-Stuhl-mit-Hintergrund-2-3-e1762877972844-768x512.jpg" alt="Julie Simstich" width="76" height="76" loading="lazy"><div class="hz-ab-body"><div class="hz-ab-check"><svg width="18" height="18" viewBox="0 0 24 24" fill="none"><path d="M20 6 9 17l-5-5" stroke="#d00150" stroke-width="3" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round"/></svg>Fachlich geprüft von Julie Simstich</div><p style="margin:0"><span class="hz-ab-name">Julie Simstich</span> – Arbeits- &amp; klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/">Mehr über Julie →</a> · <a href="https://www.linkedin.com/in/julie-simstich/" target="_blank" rel="noopener">LinkedIn</a></p></div></div>
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		<title>Neurodivergenz am Arbeitsplatz: Diese Rechte haben Menschen mit ADHS und Autismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jul 2026 21:14:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuroinklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Für Betroffene]]></category>
		<category><![CDATA[Für Unternehmen]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Rechte haben Menschen mit ADHS oder Autismus im Job? Fürsorgepflicht, Grad der Behinderung und Kündigungsschutz in Deutschland und Österreich – mit Podcast-Folgen zum Fall.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Neurodivergenz am Arbeitsplatz ist auch eine Rechtsfrage. Ein Fall aus Deutschland zeigt, dass die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers dem Direktionsrecht Grenzen setzen kann.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Der Artikel erklärt den Grad der Behinderung, den Status als begünstigte Behinderte in Österreich und den besonderen Kündigungsschutz. Eine Rechtsberatung ersetzt er nicht.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Darf mein Arbeitgeber mich einfach versetzen, obwohl ich die gewohnte Struktur aus gesundheitlichen Gründen brauche? Für viele neurodivergente Menschen ist das keine theoretische Frage – und ein aktueller Fall aus Deutschland zeigt: Die Antwort lautet immer öfter Nein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Artikel erfährst du, was hinter dem Fall steckt, wie <strong>Neurodivergenz am Arbeitsplatz</strong> rechtlich eingeordnet wird und welche konkreten Schutzmechanismen es in Deutschland und Österreich gibt – vom Grad der Behinderung über die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bis zum besonderen Kündigungsschutz. Die ganze Geschichte hörst du in unseren Podcastfolgen, die du hier direkt im Artikel findest.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wichtig vorab:</strong> Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung. Für deine konkrete Situation wende dich an eine Anwält:in, die Arbeiterkammer (Österreich) oder eine Fachberatungsstelle. Stand der Rechtslage: Oktober 2026.</p>
</blockquote>



<style>.hz-toc ol{columns:2;column-gap:36px;margin:0;padding-left:1.3em;line-height:1.9;}.hz-toc li{break-inside:avoid;}@media (max-width:700px){.hz-toc ol{columns:1;}}</style>
<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#der-fall-versetzung-trotz-adhs-und-warum-ein-gericht-sie-sto" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Der Fall: Versetzung trotz ADHS – und warum ein Gericht sie stoppte</a></li>
<li><a href="#direktionsrecht-vs-fuersorgepflicht-das-rechtliche-kraefteme" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Direktionsrecht vs. Fürsorgepflicht: Das rechtliche Kräftemessen</a></li>
<li><a href="#sind-adhs-und-autismus-eine-behinderung-der-grad-der-behinde" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Sind ADHS und Autismus eine Behinderung? Der Grad der Behinderung erklärt</a></li>
<li><a href="#was-arbeitgeber-jetzt-wissen-muessen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Was Arbeitgeber jetzt wissen müssen</a></li>
<li><a href="#fragerecht-datenschutz" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Was darf der Arbeitgeber fragen, und wer erfährt von der Diagnose?</a></li>
<li><a href="#was-du-als-betroffene-person-konkret-tun-kannst" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Was du als betroffene Person konkret tun kannst</a></li>
<li><a href="#faq-neurodivergenz-adhs-und-autismus-im-arbeitsrecht" style="color:#002f6c;font-weight:600;">FAQ: Neurodivergenz, ADHS und Autismus im Arbeitsrecht</a></li>
<li><a href="#fazit-neurodivergenz-am-arbeitsplatz-ist-eine-rechtsfrage-ke" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fazit: Neurodivergenz am Arbeitsplatz ist eine Rechtsfrage – keine Bauchgefühlsfrage</a></li>
<li><a href="#quellen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Quellen</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="der-fall-versetzung-trotz-adhs-und-warum-ein-gericht-sie-sto">Der Fall: Versetzung trotz ADHS – und warum ein Gericht sie stoppte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Rettungsassistent aus dem Saarland sollte von seinem Arbeitgeber versetzt werden – raus aus dem vertrauten Team, den Räumlichkeiten und den Abläufen, die ihm mit seiner diagnostizierten ADHS Halt geben. Seine Fachärztin attestierte: Die Versetzung würde absehbar zu einer gesundheitlichen Dekompensation führen, also zu einer deutlichen Verschlechterung seines Zustands.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wehrte sich – zunächst im Eilverfahren. Das Landesarbeitsgericht Saarland stoppte die Versetzung per einstweiliger Verfügung: Die <strong>Fürsorgepflicht des Arbeitgebers</strong> wiegt hier schwerer als sein Weisungsrecht. Das Gericht betonte dabei ausdrücklich auch den Anspruch auf eine leidensgerechte Beschäftigung. Die Kanzlei, die den Betroffenen vertritt, hat den Erfolg im Eilverfahren öffentlich dokumentiert: <a href="https://www.schulien-arbeitsrecht.de/beitrag/erfolg-im-eilverfahren-versetzung-eines-gesundheitlich-eingeschraenkten-rettungsassistenten-gestoppt.html" target="_blank" rel="noopener">Beitrag der Kanzlei Schulien | Dönneweg zum Verfahren vor dem LAG Saarland</a>. Im anschließenden Hauptsacheverfahren räumte der Arbeitgeber schließlich selbst ein, dass die Versetzung unwirksam war. Die Angaben zu Diagnose, Attest, Hauptsacheverfahren und Kündigung stammen aus der Schilderung des Betroffenen im Podcast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgeschlossen ist der Fall damit nicht: Inzwischen wurde eine Kündigung ausgesprochen, über die im Herbst weiterverhandelt wird. Die ganze Vorgeschichte und die Entwicklung seit dem Gerichtstermin haben wir in zwei Podcastfolgen aufgearbeitet:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Folge 17 – Das Gespräch mit dem Betroffenen:</strong></p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-spotify wp-block-embed-spotify wp-embed-aspect-21-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Spotify Embed: Direktionsrecht vs. Fürsorgepflicht: Ein Präzedenzfall für Neuroinklusion" style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/37egUIEBsNPbjTQUVlFcxI?utm_source=oembed"></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Folge 19 – Update nach dem Gerichtstermin, mit der rechtlichen Einordnung:</strong></p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-spotify wp-block-embed-spotify wp-embed-aspect-21-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Spotify Embed: Neurodivergenz am Arbeitsplatz: Diese Rechte haben Menschen mit ADHS und Autismus - Update im Fall André Fischer" style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/0clf04IWo6TcyTAosfbEnL?utm_source=oembed"></iframe>
</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="direktionsrecht-vs-fuersorgepflicht-das-rechtliche-kraefteme">Direktionsrecht vs. Fürsorgepflicht: Das rechtliche Kräftemessen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Prinzipien stehen sich in solchen Fällen gegenüber:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Direktionsrecht (Weisungsrecht):</strong> Arbeitgeber dürfen im Rahmen des Arbeitsvertrags festlegen, wo, wann und wie gearbeitet wird. In Deutschland ist das ausdrücklich geregelt (§ 106 Gewerbeordnung), in Österreich ergibt es sich aus dem Arbeitsvertrag.</li>



<li><strong>Fürsorgepflicht:</strong> Arbeitgeber müssen auf Gesundheit und berechtigte Interessen ihrer Beschäftigten Rücksicht nehmen – in Deutschland u. a. über §§ 241, 618 BGB, in Österreich über § 1157 ABGB und § 18 Angestelltengesetz.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Das Direktionsrecht ist nicht grenzenlos. Jede Weisung muss „billigem Ermessen&#8220; entsprechen – die Interessen beider Seiten müssen abgewogen werden. Und genau hier wird Neurodivergenz relevant: Wenn eine Versetzung eine Person aus fachärztlicher Sicht absehbar krank macht, kann die Weisung unwirksam sein. Der Bedarf an Struktur, Reizreduktion oder einem stabilen Umfeld ist bei ADHS und Autismus kein „Wunsch&#8220;, sondern kann ein gesundheitliches Erfordernis sein, das der Arbeitgeber in die Abwägung einbeziehen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Gerichte so entscheiden, ist übrigens kein Einzelfall: Schon 2023 erklärte das Arbeitsgericht Nordhausen die Versetzung einer schwerbehinderten Arbeitnehmerin für unwirksam, weil der Arbeitgeber ihre gesundheitlichen Einschränkungen beim billigen Ermessen nicht ausreichend berücksichtigt hatte (<a href="https://landesrecht.thueringen.de/bsth/document/NJRE001571429" target="_blank" rel="noopener">ArbG Nordhausen, Urteil vom 19.12.2023, Az. 3 Ca 511/23 – Volltext</a>).</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="sind-adhs-und-autismus-eine-behinderung-der-grad-der-behinde">Sind ADHS und Autismus eine Behinderung? Der Grad der Behinderung erklärt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">ADHS und Autismus sind keine „Krankheiten&#8220; im Sinne einer vorübergehenden Krankschreibung. Sie können aber als Behinderung anerkannt werden – mit weitreichenden rechtlichen Folgen. Die Systeme in Deutschland und Österreich ähneln sich im Prinzip, unterscheiden sich aber in Begriffen und Details.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Deutschland: GdB, Schwerbehinderung und Gleichstellung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Grundlage ist das Sozialgesetzbuch IX (SGB IX). Das Versorgungsamt stellt auf Antrag einen <strong>Grad der Behinderung (GdB)</strong> fest – eine Zahl zwischen 20 und 100 (ohne Prozentzeichen).</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>ADHS:</strong> Ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten sehen die <a href="https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/k710-versorgungsmed-verordnung.pdf?__blob=publicationFile" target="_blank" rel="noopener">Versorgungsmedizinischen Grundsätze</a> keinen GdB vor. Je nach Auswirkung auf die Teilhabe reicht der Rahmen von 10–20 bis 80–100. Ab 25 Jahren liegt er regelhaft bei höchstens 50 (Teil B, Nr. 3.5.2; <a href="https://www.betanet.de/adhs-behinderung.html" target="_blank" rel="noopener">Details bei betanet</a>).</li>



<li><strong>Autismus:</strong> Für tiefgreifende Entwicklungsstörungen nennen die Grundsätze 10–20 ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten, 30–40 bei leichten, 50–70 bei mittleren und 80–100 bei schweren (Teil B, Nr. 3.5.1).</li>



<li><strong>Kombination:</strong> Liegen beide Diagnosen vor, wird ein Gesamt-GdB gebildet. Die Einzelwerte werden dabei nicht addiert.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ab <strong>GdB 50</strong> gilt man als schwerbehindert. Dann gilt unter anderem ein besonderer Kündigungsschutz: Kündigt der Arbeitgeber, braucht er vorher die Zustimmung des Integrationsamts (<a href="https://dejure.org/gesetze/SGB_IX/168.html" target="_blank" rel="noopener">§ 168 SGB IX</a>). In den ersten sechs Monaten des Arbeitsverhältnisses gilt das nicht (<a href="https://dejure.org/gesetze/SGB_IX/173.html" target="_blank" rel="noopener">§ 173 SGB IX</a>). Dazu kommen fünf Tage Zusatzurlaub bei einer Fünftagewoche und Anspruch auf <a href="https://www.talentplus.de/im-job/arbeitsgestaltung-und-nachteilsausgleich/nachteilsausgleiche-im-arbeitsleben/" target="_blank" rel="noopener">Nachteilsausgleiche wie Arbeitsassistenz</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit <strong>GdB 30 oder 40</strong> kannst du bei der Agentur für Arbeit die <strong>Gleichstellung</strong> mit schwerbehinderten Menschen beantragen. Voraussetzung: Du bekommst oder behältst wegen deiner Behinderung ohne Gleichstellung keinen geeigneten Arbeitsplatz (<a href="https://dejure.org/gesetze/SGB_IX/2.html" target="_blank" rel="noopener">§ 2 Abs. 3 SGB IX</a>). Gleichgestellte erhalten den besonderen Kündigungsschutz, aber z. B. keinen Zusatzurlaub.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unabhängig davon gilt für alle Beschäftigten: Wer innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig war, dem muss der Arbeitgeber ein <strong>betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)</strong> anbieten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Österreich: Begünstigte Behinderte nach dem Behinderteneinstellungsgesetz</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In Österreich stellt das Sozialministeriumservice den Grad der Behinderung fest – hier tatsächlich in Prozent. Ab einem <strong>Grad der Behinderung von 50 %</strong> kann man den Status als <strong>begünstigte:r Behinderte:r</strong> nach dem Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG) beantragen. Damit verbunden sind:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Erhöhter Kündigungsschutz:</strong> Eine Kündigung braucht die Zustimmung des Behindertenausschusses beim Sozialministeriumservice. <strong>Wichtig</strong> für Arbeitsverhältnisse ab 1. Jänner 2011: Bestand der Status schon bei Arbeitsbeginn, greift der Schutz erst nach vier Jahren. Wird der Status erst während der ersten vier Jahre festgestellt, greift er schon nach den ersten sechs Monaten (<a href="https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008253" target="_blank" rel="noopener">§ 8 Abs. 6 BEinstG</a>; <a href="https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/arbeitundbehinderung/Kuendigungsschutz.html" target="_blank" rel="noopener">Details bei der Arbeiterkammer</a>).</li>



<li><strong>Beschäftigungspflicht und Ausgleichstaxe:</strong> Unternehmen ab 25 Beschäftigten müssen pro 25 Mitarbeiter:innen eine begünstigte behinderte Person beschäftigen – oder eine Ausgleichstaxe zahlen. Beschäftigst du Mitarbeiter:innen mit diesem Status, werden sie auf die Pflichtzahl angerechnet (§ 5 BEinstG).</li>



<li><strong>Förderungen:</strong> etwa ein Zuschuss des Sozialministeriumservice für die barrierefreie Arbeitsplatzadaptierung. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht. Den Antrag stellst du vor der Umsetzung (<a href="https://www.usp.gv.at/themen/mitarbeiter-und-gesundheit/einstellung-mitarbeiter-und-arten-der-beschaeftigung/weitere-informationen-zu-arbeit-und-behinderung/foerderungen-behinderteneinstellung.html" target="_blank" rel="noopener">Unternehmensserviceportal</a>). <strong>Diskriminierungsschutz:</strong> Den haben im Arbeitsleben alle Menschen mit Behinderung, auch ohne diesen Status (§ 7b BEinstG).</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ein deutsches Urteil ist in Österreich nicht bindend – die Rechtssysteme sind getrennt. Aber die Grundprinzipien (Fürsorgepflicht, Grad der Behinderung, Kündigungsschutz, Recht auf Teilhabe) existieren in beiden Ländern. Ein Fall wie der beschriebene zeigt damit, welche Argumente auch in Österreich zählen können. Mehr zum Thema findest du übrigens auch in unserem Überblick zum <a href="https://hirnzigartig.at/nachteilsausgleich-oesterreich/">Nachteilsausgleich in Österreich</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="was-arbeitgeber-jetzt-wissen-muessen">Was Arbeitgeber jetzt wissen müssen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Unternehmen ist das Thema kein „Nice-to-have&#8220; mehr. Wenn ein Arbeitgeber weiß – oder wissen müsste –, dass eine Person neurodivergent ist und bestimmte Strukturen aus gesundheitlichen Gründen braucht, muss das bei Weisungen wie einer Versetzung abgewogen werden. Liegt zusätzlich eine Schwerbehinderung (Deutschland) oder der Status als begünstigte:r Behinderte:r (Österreich) vor, kommen formale Verfahrenspflichten hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer diese Pflichten übergeht, riskiert unwirksame Maßnahmen, Verfahrenskosten und Reputationsschäden. Die wirtschaftlich klügere Variante ist fast immer das frühe Gespräch: Welche Anpassungen braucht die Person konkret? Oft sind es kleine Dinge – ein fixer Arbeitsplatz, reizärmere Umgebung, klare Kommunikationswege, planbare Abläufe. Wie Führungskräfte das konkret umsetzen, liest du in unserem Beitrag <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/neuroinklusion-in-der-arbeitswelt-warum-hr-oft-scheitert-und-wie-fuehrungskraefte-das-ruder-herumreissen/">Neuroinklusion: Warum HR oft scheitert</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du bist Führungskraft, und jemand aus deinem Team hat dir eine Diagnose mitgeteilt? Was du im ersten Gespräch sagst und was du vermeidest, steht im Beitrag <a href="https://hirnzigartig.at/fuehrung/mitarbeiter-adhs-autismus-diagnose-erstes-gespraech/">Mitarbeiter:in teilt ADHS- oder Autismus-Diagnose mit: Was Führungskräfte im ersten Gespräch tun</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fragerecht-datenschutz">Was darf der Arbeitgeber fragen, und wer erfährt von der Diagnose?</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="fragerecht">Fragen im Bewerbungsgespräch und im Job</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deutschland:</strong> Im Bewerbungsverfahren ist die Frage nach einer Schwerbehinderung laut den Integrationsämtern grundsätzlich unzulässig. Wer trotzdem fragt, kann den Vertrag wegen einer unwahren Antwort nicht anfechten. Fragen nach Beeinträchtigungen sind nur erlaubt, wenn eine bestimmte Fähigkeit entscheidende Voraussetzung für den konkreten Arbeitsplatz ist (<a href="https://www.bih.de/fileadmin/CwhEncyclopedia/Fachlexikon.pdf" target="_blank" rel="noopener">BIH-Fachlexikon</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im laufenden Arbeitsverhältnis darf der Arbeitgeber jedenfalls nach sechs Monaten nach der Schwerbehinderung fragen, vor allem vor geplanten Kündigungen. Die Antwort muss dann stimmen (<a href="https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/6-azr-553-10" target="_blank" rel="noopener">BAG, 6 AZR 553/10</a>). Das Urteil stammt aus der Zeit vor der DSGVO.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wird dir gekündigt und wusste der Arbeitgeber nichts von deiner Schwerbehinderung oder deinem Antrag, musst du ihn in angemessener Frist informieren. Das Bundesarbeitsgericht geht von drei Wochen ab Zugang der Kündigung aus, dazu kommt die Zeit, bis deine Mitteilung ankommt (<a href="https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/2-azr-700-15" target="_blank" rel="noopener">BAG, 2 AZR 700/15</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Österreich:</strong> Eine ausdrückliche gesetzliche Regel fehlt. Der Oberste Gerichtshof sieht grundsätzlich eine Pflicht, den bekannten Status als begünstigte:r Behinderte:r mitzuteilen, weil er das Arbeitsverhältnis gesetzlich beeinflusst (<a href="https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Justiz/JJR_19970612_OGH0002_008OBA00041_97F0000_003/JJR_19970612_OGH0002_008OBA00041_97F0000_003.html" target="_blank" rel="noopener">RS0107830</a>). Bei der Bewerbung kann aber das Interesse am Arbeitsplatz überwiegen (<a href="https://www.ris.bka.gv.at/JustizEntscheidung.wxe?Abfrage=Justiz&amp;Dokumentnummer=JJT_20070928_OGH0002_009OBA00046_07S0000_000&amp;IncludeSelf=True" target="_blank" rel="noopener">OGH, 9 ObA 46/07s</a>). Wirkt sich die Behinderung nicht auf die Arbeit aus, rechtfertigt das Verschweigen keine Entlassung (OGH, 9 ObA 240/02p). Eine Behinderung musst du von dir aus mitteilen, wenn du die Tätigkeit deshalb nicht ausüben kannst oder Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz es verlangen (<a href="https://stmk.arbeiterkammer.at/service/broschuerenundratgeber/arbeitundrecht/20250620_Broschuere_Beschaeftigte_mit_Behinderung.pdf" target="_blank" rel="noopener">Arbeiterkammer</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fragen nach Gesundheit und Krankheiten sind im Bewerbungsgespräch grundsätzlich unzulässig. Die Frage nach einer begünstigten Behinderung müssen Bewerber:innen laut Wirtschaftskammer nicht wahrheitsgemäß beantworten. Ausnahme: Der Gesundheitszustand ist gesetzliche Voraussetzung für die Tätigkeit, etwa bei Pilot:innen (<a href="https://www.wko.at/oe/einstellen/einstellenvonpersonal-aberrichtig.pdf" target="_blank" rel="noopener">WKO</a>). Für HR heißt das: Erfährst du erst später vom Status und kündigst deshalb, kann das eine Diskriminierung sein. Das gilt auch, wenn du eine Behinderung nur vermutest (<a href="https://www.ris.bka.gv.at/JustizEntscheidung.wxe?Abfrage=Justiz&amp;Dokumentnummer=JJT_20151126_OGH0002_009OBA00107_15Y0000_000&amp;IncludeSelf=True" target="_blank" rel="noopener">OGH, 9 ObA 107/15y</a>; § 7b BEinstG).</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="datenschutz">Wer im Betrieb von der Diagnose erfahren darf</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gesundheitsdaten sind in beiden Ländern nach <a href="https://dejure.org/gesetze/DSGVO/9.html" target="_blank" rel="noopener">Art. 9 DSGVO</a> besonders geschützt. Verarbeiten darf sie der Arbeitgeber mit ausdrücklicher Einwilligung oder soweit es für Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsrecht erforderlich ist und ein Gesetz oder eine Kollektivvereinbarung das erlaubt. Zusätzlich braucht er eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 DSGVO (<a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:62021CJ0667" target="_blank" rel="noopener">EuGH, C-667/21</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deutschland:</strong> Eine Einwilligung soll schriftlich oder elektronisch erfolgen, außer besondere Umstände rechtfertigen eine andere Form (<a href="https://dejure.org/gesetze/BDSG/26.html" target="_blank" rel="noopener">§ 26 Abs. 2 BDSG</a>). Der Europäische Gerichtshof hat 2023 entschieden: Nationale Regeln, die die DSGVO nur wiederholen, bleiben unangewendet (<a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:62021CJ0034" target="_blank" rel="noopener">EuGH, C-34/21</a>). Die geprüfte hessische Regel ist wortgleich mit § 26 Abs. 1 Satz 1 BDSG. Arbeitgeber stützen sich deshalb direkt auf Art. 6 und Art. 9 DSGVO (<a href="https://www.datenschutz.hessen.de/sites/datenschutz.hessen.de/files/2023-05/handreichung_beschaeftigtendatenschutz_eugh-urteil.pdf" target="_blank" rel="noopener">Hessischer Datenschutzbeauftragter</a>). Ein eigenes Beschäftigtendatengesetz gibt es noch nicht (Stand Oktober 2026). Betriebsärzt:innen dürfen dem Arbeitgeber nur das Ergebnis mitteilen, etwa „geeignet“ oder „bedingt geeignet“. Für alles Weitere braucht es die Zustimmung der Person (<a href="https://www.bih.de/fileadmin/CwhEncyclopedia/Fachlexikon.pdf" target="_blank" rel="noopener">BIH-Fachlexikon</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Österreich:</strong> Im Krankenstand musst du die Diagnose nicht offenlegen (<a href="https://www.arbeiterkammer.at/krankenstand" target="_blank" rel="noopener">Arbeiterkammer</a>). In deinen Personalakt darf der Betriebsrat nur mit deinem Einverständnis schauen (<a href="https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008329" target="_blank" rel="noopener">§ 89 ArbVG</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="interessenvertretung">Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deutschland:</strong> Der Arbeitgeber muss die Schwerbehindertenvertretung in allen Angelegenheiten, die schwerbehinderte Beschäftigte berühren, unverzüglich und umfassend unterrichten und vor einer Entscheidung anhören. Eine Kündigung ohne diese Beteiligung ist unwirksam (<a href="https://dejure.org/gesetze/SGB_IX/178.html" target="_blank" rel="noopener">§ 178 SGB IX</a>). Bei Bewerbungen entfällt die Beteiligung, wenn die schwerbehinderte Person sie ausdrücklich ablehnt (<a href="https://dejure.org/gesetze/SGB_IX/164.html" target="_blank" rel="noopener">§ 164 SGB IX</a>). Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung bekommen eine Kopie des Verzeichnisses der schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten (<a href="https://dejure.org/gesetze/SGB_IX/163.html" target="_blank" rel="noopener">§ 163 SGB IX</a>). Am BEM sind sie mit Zustimmung und Beteiligung der betroffenen Person beteiligt (<a href="https://dejure.org/gesetze/SGB_IX/167.html" target="_blank" rel="noopener">§ 167 SGB IX</a>). Die Vertrauenspersonen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet (<a href="https://dejure.org/gesetze/SGB_IX/179.html" target="_blank" rel="noopener">§ 179 SGB IX</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Österreich:</strong> Der Arbeitgeber muss die Behindertenvertrauensperson über Beginn, Ende und Veränderung der Arbeitsverhältnisse behinderter Beschäftigter informieren, ebenso über Krankmeldungen von mehr als sechs Wochen im Kalenderjahr (<a href="https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008253" target="_blank" rel="noopener">§ 22a BEinstG</a>). Eine Zustimmung der Person nennt der Gesetzestext dafür nicht. Über vertrauliche persönliche Angelegenheiten müssen Betriebsratsmitglieder schweigen (<a href="https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008329" target="_blank" rel="noopener">§ 115 ArbVG</a>). Für die Behindertenvertrauensperson gilt das sinngemäß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Abschnitt gibt den Wortlaut von Gesetzen und Entscheidungen wieder. Er ist keine Rechtsberatung.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="schadenersatz">Was kostet eine Diskriminierung bei der Einstellung?</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Österreich:</strong> Wird jemand wegen einer Behinderung nicht eingestellt, schuldet der Arbeitgeber Schadenersatz und eine Entschädigung. Hätte die Person die Stelle bei fairer Auswahl bekommen, sind es mindestens zwei Monatsentgelte, sonst bis zu 500 Euro (<a href="https://ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Anlage=&amp;Artikel=2&amp;Gesetzesnummer=10008253&amp;Paragraf=7e&amp;Uebergangsrecht=" target="_blank" rel="noopener">§ 7e BEinstG</a>). Vor einer Klage braucht es ein Schlichtungsverfahren beim Sozialministeriumservice. Die Klagefrist beträgt sechs Monate nach der Absage, bei Kündigung oder Entlassung 14 Tage; die Schlichtung hemmt diese Fristen (<a href="https://ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Anlage=&amp;Artikel=2&amp;Gesetzesnummer=10008253&amp;Paragraf=7k&amp;Uebergangsrecht=" target="_blank" rel="noopener">§ 7k BEinstG</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deutschland:</strong> Der Arbeitgeber zahlt Schadenersatz und eine angemessene Entschädigung. Wäre die Person auch bei fairer Auswahl nicht eingestellt worden, sind es höchstens drei Monatsgehälter (<a href="https://dejure.org/gesetze/AGG/15.html" target="_blank" rel="noopener">§ 15 AGG</a>). Die Person muss ihren Anspruch innerhalb von zwei Monaten nach der Absage schriftlich geltend machen und danach innerhalb von drei Monaten klagen (§ 15 Abs. 4 AGG, <a href="https://dejure.org/gesetze/ArbGG/61b.html" target="_blank" rel="noopener">§ 61b ArbGG</a>). Legt sie Indizien für eine Benachteiligung vor, muss der Arbeitgeber beweisen, dass keine vorlag (<a href="https://dejure.org/gesetze/AGG/22.html" target="_blank" rel="noopener">§ 22 AGG</a>). Der Bundestag berät eine Verlängerung der Zwei-Monats-Frist auf vier Monate; beschlossen ist sie noch nicht (Stand 8. Oktober 2026).</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="was-du-als-betroffene-person-konkret-tun-kannst">Was du als betroffene Person konkret tun kannst</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Diagnose und Atteste sichern:</strong> Eine fachärztliche Stellungnahme, die konkret beschreibt, welche Arbeitsbedingungen du gesundheitlich brauchst, ist das stärkste Dokument in jeder Auseinandersetzung.</li>



<li><strong>Grad der Behinderung prüfen und beantragen:</strong> In Deutschland beim Versorgungsamt, in Österreich beim Sozialministeriumservice. In Deutschland lohnt ab GdB 30 der Blick auf die Gleichstellung.</li>



<li><strong>Frühzeitig dokumentieren:</strong> Gespräche, Zusagen und Weisungen schriftlich festhalten.</li>



<li><strong>Beratung holen, bevor es eskaliert:</strong> Betriebsrat/Behindertenvertrauensperson, Schwerbehindertenvertretung (D), Arbeiterkammer (Ö), Fachanwält:innen für Arbeitsrecht.</li>



<li><strong>Fristen beachten:</strong> Gegen eine Kündigung muss in Deutschland innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage erhoben werden; in Österreich gelten je nach Anfechtungsgrund ebenfalls kurze Fristen.</li>
</ol>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="876" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/rechte-arbeitsplatz-adhs-autismus-oesterreich-deutschland-vergleich-hirnzigartig-1024x876.jpg" alt="Vergleichstabelle Österreich und Deutschland: Feststellung des Grads der Behinderung, Status, Gleichstellung, Kündigungsschutz, weitere Rechte und Fristen." class="wp-image-5409" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/rechte-arbeitsplatz-adhs-autismus-oesterreich-deutschland-vergleich-hirnzigartig-1024x876.jpg 1024w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/rechte-arbeitsplatz-adhs-autismus-oesterreich-deutschland-vergleich-hirnzigartig-300x257.jpg 300w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/rechte-arbeitsplatz-adhs-autismus-oesterreich-deutschland-vergleich-hirnzigartig-768x657.jpg 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/rechte-arbeitsplatz-adhs-autismus-oesterreich-deutschland-vergleich-hirnzigartig.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="faq-neurodivergenz-adhs-und-autismus-im-arbeitsrecht">FAQ: Neurodivergenz, ADHS und Autismus im Arbeitsrecht</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Ist ADHS eine anerkannte Behinderung?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">ADHS kann als Behinderung anerkannt werden, wenn die Beeinträchtigung die Teilhabe am (Arbeits-)Leben erheblich einschränkt. Ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten sehen die Versorgungsmedizinischen Grundsätze keinen GdB vor. Ab 25 Jahren liegt der GdB für ADHS regelhaft bei höchstens 50.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kann mein Arbeitgeber mich trotz ADHS oder Autismus versetzen?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Grundsätzlich ja – aber nur im Rahmen billigen Ermessens. Macht die Versetzung dich aus fachärztlicher Sicht absehbar krank, kann die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers überwiegen und die Weisung unwirksam sein. In dem Fall, den wir im Podcast besprechen, hat das Landesarbeitsgericht Saarland die Versetzung im Eilverfahren gestoppt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Muss ich meinem Arbeitgeber meine Diagnose mitteilen?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, eine generelle Offenlegungspflicht besteht nicht. Mitteilen musst du eine Behinderung aber, wenn sie für die Arbeit entscheidend ist, etwa weil du die Tätigkeit sonst nicht sicher ausüben kannst. Fragt dein Arbeitgeber in Deutschland nach mehr als sechs Monaten im Job nach einer Schwerbehinderung, muss die Antwort stimmen. Anpassungen kann dein Arbeitgeber nur umsetzen, wenn er weiß, was du brauchst. Der besondere Kündigungsschutz in Deutschland besteht laut den Integrationsämtern unabhängig davon, ob du die Behinderung vorher offengelegt hast. Wusste der Arbeitgeber nichts davon, musst du dich nach einer Kündigung aber rasch darauf berufen; das Bundesarbeitsgericht geht von drei Wochen ab Zugang der Kündigung aus. In Österreich kann der Behindertenausschuss einer Kündigung nachträglich zustimmen, wenn der Arbeitgeber den Status nicht kannte und nicht kennen musste (§ 8 Abs. 2 BEinstG).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was bringt der Schwerbehindertenstatus konkret?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland (GdB 50): besonderer Kündigungsschutz über das Integrationsamt, Zusatzurlaub, Nachteilsausgleiche. In Österreich (Grad der Behinderung 50 %): Status als begünstigte:r Behinderte:r mit erhöhtem Kündigungsschutz (Zustimmung des Behindertenausschusses) und Förderungen. Bei Arbeitsverhältnissen ab 2011 greift der Schutz nach vier Jahren, wenn der Status schon bei Arbeitsbeginn bestand. Wird er erst während des Arbeitsverhältnisses festgestellt, greift er nach den ersten sechs Monaten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gilt ein deutsches Urteil auch in Österreich?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, es ist nicht bindend. Da aber Fürsorgepflicht, Grad der Behinderung und Diskriminierungsschutz in beiden Ländern nach ähnlichen Prinzipien funktionieren, kann ein solcher Fall auch in Österreich Argumente liefern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Darf mein Arbeitgeber mich nach einer Schwerbehinderung oder Diagnose fragen?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Bewerbungsgespräch in Deutschland grundsätzlich nicht, außer eine bestimmte Fähigkeit ist entscheidende Voraussetzung für den Arbeitsplatz. Im laufenden Arbeitsverhältnis darf der Arbeitgeber laut Bundesarbeitsgericht jedenfalls nach sechs Monaten nach der Schwerbehinderung fragen, vor allem vor geplanten Kündigungen, und die Antwort muss dann stimmen. In Österreich gibt es keine ausdrückliche gesetzliche Regel. Bei der Bewerbung kann nach der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs das Interesse am Arbeitsplatz überwiegen, dann müssen Bewerber:innen den Status als begünstigte:r Behinderte:r nicht nennen. Eine Behinderung, die der Tätigkeit entgegensteht, müssen sie mitteilen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was kostet es, wenn eine Bewerberin wegen ihrer Behinderung nicht eingestellt wird?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In Österreich sind es mindestens zwei Monatsentgelte, wenn sie die Stelle bei fairer Auswahl bekommen hätte, sonst bis zu 500 Euro (§ 7e BEinstG). In Deutschland gibt es eine angemessene Entschädigung, höchstens drei Monatsgehälter, wenn sie auch bei fairer Auswahl nicht eingestellt worden wäre (§ 15 AGG). Die Fristen sind kurz, in Deutschland zwei Monate für die schriftliche Geltendmachung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Darf ich jemandem kündigen, der seinen Behindertenstatus bei der Einstellung verschwiegen hat?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verschweigen allein reicht in Österreich nicht, wenn sich die Behinderung nicht auf die Arbeit auswirkt (OGH, 9 ObA 240/02p). Eine Kündigung, weil du vom Status erfahren hast, kann eine Diskriminierung nach § 7b BEinstG sein. Das gilt auch, wenn du eine Behinderung nur vermutest (OGH, 9 ObA 107/15y).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Darf der Betriebsrat von meiner Diagnose erfahren?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland bekommen Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung eine Kopie des Verzeichnisses der schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten, sie kennen also den Status. Am betrieblichen Eingliederungsmanagement sind sie nur mit deiner Zustimmung beteiligt. In Österreich darf der Betriebsrat nur mit deinem Einverständnis in deinen Personalakt schauen; die Behindertenvertrauensperson wird über Beginn, Ende und Veränderung von Arbeitsverhältnissen behinderter Beschäftigter und über Krankmeldungen von mehr als sechs Wochen im Jahr informiert. In beiden Ländern gilt für diese Vertretungen eine Verschwiegenheitspflicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fazit-neurodivergenz-am-arbeitsplatz-ist-eine-rechtsfrage-ke">Fazit: Neurodivergenz am Arbeitsplatz ist eine Rechtsfrage – keine Bauchgefühlsfrage</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fall zeigt: Neuroinklusion ist längst in handfesten Paragrafen angekommen. Für Betroffene bedeutet das echte Handlungsmöglichkeiten, für Arbeitgeber klare Pflichten – in Deutschland wie in Österreich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ganze Geschichte, alle Details und die Einordnung für Österreich hörst du in den eingebetteten Podcastfolgen. <a href="https://open.spotify.com/show/7mX87MlfRph4Qmf5d5kgU9" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abonniere den Podcast auf Spotify</strong></a>, damit du das Update nicht verpasst – wir bleiben an dem Fall dran.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen">Quellen</h2>



<div style="font-size:.85rem;line-height:1.75;color:#7385a0;">
<p style="margin:0 0 6px;"><strong>Österreich</strong></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG), BGBl. Nr. 22/1970 in der geltenden Fassung, §§ 1, 2, 3, 5, 7b, 8, 9, 14, 22a, 27. RIS, abgerufen am 8. Oktober 2026. <a href="https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008253" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008253</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Einschätzungsverordnung, BGBl. II Nr. 261/2010, §§ 2 und 3. RIS. <a href="https://ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2010_II_261/BGBLA_2010_II_261.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2010_II_261/BGBLA_2010_II_261.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB), § 1157. RIS. <a href="https://www.ris.bka.gv.at/eli/jgs/1811/946/P1157/NOR12018890" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.ris.bka.gv.at/eli/jgs/1811/946/P1157/NOR12018890</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Angestelltengesetz (AngG), § 18. RIS. <a href="https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008069" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008069</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG), § 105. RIS. <a href="https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008329&amp;Paragraf=105" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008329&amp;Paragraf=105</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG), §§ 89, 91, 115. RIS, abgerufen am 8. Oktober 2026. <a href="https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008329" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008329</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Arbeiterkammer: Beschäftigte mit Behinderung. Ein Ratgeber. Stand Jänner 2025. <a href="https://stmk.arbeiterkammer.at/service/broschuerenundratgeber/arbeitundrecht/20250620_Broschuere_Beschaeftigte_mit_Behinderung.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://stmk.arbeiterkammer.at/service/broschuerenundratgeber/arbeitundrecht/20250620_Broschuere_Beschaeftigte_mit_Behinderung.pdf</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Arbeiterkammer: Krankenstand. Abgerufen am 8. Oktober 2026. <a href="https://www.arbeiterkammer.at/krankenstand" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.arbeiterkammer.at/krankenstand</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Sozialministeriumservice: Erhöhter Kündigungsschutz und Beendigung Arbeitsverhältnis. Infoblatt, Stand 01/2019. <a href="https://www.sozialministeriumservice.at/Downloads/kuendigung_erhoehter_kuendigungsschutz_beendigung_arbeitsver.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.sozialministeriumservice.at/Downloads/kuendigung_erhoehter_kuendigungsschutz_beendigung_arbeitsver.pdf</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Unternehmensserviceportal: Förderung für Behinderteneinstellung. Stand 1. Jänner 2026. <a href="https://www.usp.gv.at/themen/mitarbeiter-und-gesundheit/einstellung-mitarbeiter-und-arten-der-beschaeftigung/weitere-informationen-zu-arbeit-und-behinderung/foerderungen-behinderteneinstellung.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.usp.gv.at/themen/mitarbeiter-und-gesundheit/einstellung-mitarbeiter-und-arten-der-beschaeftigung/weitere-informationen-zu-arbeit-und-behinderung/foerderungen-behinderteneinstellung.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Arbeiterkammer: Kündigungsschutz für Menschen mit Behinderung. Abgerufen am 8. Oktober 2026. <a href="https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/arbeitundbehinderung/Kuendigungsschutz.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/arbeitundbehinderung/Kuendigungsschutz.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG), § 7e. RIS. <a href="https://ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Anlage=&amp;Artikel=2&amp;Gesetzesnummer=10008253&amp;Paragraf=7e&amp;Uebergangsrecht=" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Anlage=&amp;Artikel=2&amp;Gesetzesnummer=10008253&amp;Paragraf=7e&amp;Uebergangsrecht=</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG), § 7k. RIS. <a href="https://ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Anlage=&amp;Artikel=2&amp;Gesetzesnummer=10008253&amp;Paragraf=7k&amp;Uebergangsrecht=" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Anlage=&amp;Artikel=2&amp;Gesetzesnummer=10008253&amp;Paragraf=7k&amp;Uebergangsrecht=</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Oberster Gerichtshof, Rechtssatz RS0107830 (u. a. 8 ObA 41/97f vom 12. Juni 1997; 9 ObA 240/02p vom 2. April 2003). RIS, abgerufen am 8. Oktober 2026. <a href="https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Justiz/JJR_19970612_OGH0002_008OBA00041_97F0000_003/JJR_19970612_OGH0002_008OBA00041_97F0000_003.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Justiz/JJR_19970612_OGH0002_008OBA00041_97F0000_003/JJR_19970612_OGH0002_008OBA00041_97F0000_003.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Oberster Gerichtshof, Entscheidung vom 28. September 2007, 9 ObA 46/07s (RS0122551). RIS. <a href="https://www.ris.bka.gv.at/JustizEntscheidung.wxe?Abfrage=Justiz&amp;Dokumentnummer=JJT_20070928_OGH0002_009OBA00046_07S0000_000&amp;IncludeSelf=True" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">www.ris.bka.gv.at/JustizEntscheidung.wxe?Abfrage=Justiz&amp;Dokumentnummer=JJT_20070928_OGH0002_009OBA00046_07S0000_000&amp;IncludeSelf=True</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Oberster Gerichtshof, Entscheidung vom 26. November 2015, 9 ObA 107/15y. RIS. <a href="https://www.ris.bka.gv.at/JustizEntscheidung.wxe?Abfrage=Justiz&amp;Dokumentnummer=JJT_20151126_OGH0002_009OBA00107_15Y0000_000&amp;IncludeSelf=True" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">www.ris.bka.gv.at/JustizEntscheidung.wxe?Abfrage=Justiz&amp;Dokumentnummer=JJT_20151126_OGH0002_009OBA00107_15Y0000_000&amp;IncludeSelf=True</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Wirtschaftskammer Österreich: Einstellen von Personal – aber richtig. Stand Jänner 2026, S. 14–15. <a href="https://www.wko.at/oe/einstellen/einstellenvonpersonal-aberrichtig.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">www.wko.at/oe/einstellen/einstellenvonpersonal-aberrichtig.pdf</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Arbeiterkammer Wien: Menschen mit Behinderung (Gleichbehandlung). Abgerufen am 8. Oktober 2026. <a href="https://wien.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/gleichbehandlung/Menschen-mit-Behinderung.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">wien.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/gleichbehandlung/Menschen-mit-Behinderung.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;"><strong>Deutschland</strong></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX), § 2, § 151, § 152, § 163, § 164, § 167, § 168, § 173, § 178, § 179, § 185, § 208. <a href="https://dejure.org/gesetze/SGB_IX" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://dejure.org/gesetze/SGB_IX</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Kündigungsschutzgesetz (KSchG), § 4. <a href="https://dejure.org/gesetze/KSchG/4.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://dejure.org/gesetze/KSchG/4.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Gewerbeordnung (GewO), § 106. <a href="https://dejure.org/gesetze/GewO/106.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://dejure.org/gesetze/GewO/106.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 241. <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/241.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://dejure.org/gesetze/BGB/241.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), Art. 9. <a href="https://dejure.org/gesetze/DSGVO/9.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://dejure.org/gesetze/DSGVO/9.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), § 26 Abs. 2 und 3. <a href="https://dejure.org/gesetze/BDSG/26.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://dejure.org/gesetze/BDSG/26.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Gerichtshof der Europäischen Union, Urteil vom 30. März 2023, C-34/21 (Hauptpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer). <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:62021CJ0034" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:62021CJ0034</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Gerichtshof der Europäischen Union, Urteil vom 21. Dezember 2023, C-667/21 (Krankenversicherung Nordrhein), Rn. 78 f. <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:62021CJ0667" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:62021CJ0667</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit: Handreichung zum Beschäftigtendatenschutz nach dem EuGH-Urteil C-34/21. Stand 25. April 2023. <a href="https://www.datenschutz.hessen.de/sites/datenschutz.hessen.de/files/2023-05/handreichung_beschaeftigtendatenschutz_eugh-urteil.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">www.datenschutz.hessen.de/sites/datenschutz.hessen.de/files/2023-05/handreichung_beschaeftigtendatenschutz_eugh-urteil.pdf</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), §§ 15, 22. <a href="https://dejure.org/gesetze/AGG/15.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">dejure.org/gesetze/AGG/15.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Arbeitsgerichtsgesetz (ArbGG), § 61b. <a href="https://dejure.org/gesetze/ArbGG/61b.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">dejure.org/gesetze/ArbGG/61b.html</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Deutscher Bundestag: Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, Drucksache 21/6178 vom 1. Juni 2026. <a href="https://dserver.bundestag.de/btd/21/061/2106178.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">dserver.bundestag.de/btd/21/061/2106178.pdf</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16. Februar 2012, 6 AZR 553/10. <a href="https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/6-azr-553-10" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/6-azr-553-10</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22. September 2016, 2 AZR 700/15. <a href="https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/2-azr-700-15" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/2-azr-700-15</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">BIH – Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen: Fachlexikon, Stichworte „Offenbarung der Schwerbehinderung“, „Betriebsarzt“, „Schwerbehindertenvertretung“. <a href="https://www.bih.de/fileadmin/CwhEncyclopedia/Fachlexikon.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.bih.de/fileadmin/CwhEncyclopedia/Fachlexikon.pdf</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">Versorgungsmedizin-Verordnung, Anlage zu § 2: Versorgungsmedizinische Grundsätze, Teil A Nr. 1.2 und 3.2, Teil B Nr. 3.5.1 und 3.5.2. BMAS, Broschüre K 710, Stand Januar 2026. <a href="https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/k710-versorgungsmed-verordnung.pdf?__blob=publicationFile" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/k710-versorgungsmed-verordnung.pdf?__blob=publicationFile</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;">BIH – Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen: Checkliste „Offenbarung einer Behinderung – Pro und Contra“. Abgerufen am 8. Oktober 2026. <a href="https://www.bih.de/fileadmin/user_upload/Formulare/Checklisten_Arbeitshilfen/Fachlexikon_Offenbarung_Checkliste.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.bih.de/fileadmin/user_upload/Formulare/Checklisten_Arbeitshilfen/Fachlexikon_Offenbarung_Checkliste.pdf</a></p>
<p style="margin:0 0 6px;"><strong>Zum Fall</strong></p>
<p style="margin:0;">Schulien | Dönneweg: Erfolg im Eilverfahren: Versetzung eines gesundheitlich eingeschränkten Rettungsassistenten gestoppt. Beitrag vom 13. Mai 2026. <a href="https://www.schulien-arbeitsrecht.de/beitrag/erfolg-im-eilverfahren-versetzung-eines-gesundheitlich-eingeschraenkten-rettungsassistenten-gestoppt.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" style="color:#7385a0;">https://www.schulien-arbeitsrecht.de/beitrag/erfolg-im-eilverfahren-versetzung-eines-gesundheitlich-eingeschraenkten-rettungsassistenten-gestoppt.html</a></p>
</div>



<div class="hz-related" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Zum Weiterlesen</p>
<ul style="margin:0;padding-left:1.2em;line-height:1.9;">
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-berufsleben/homeoffice-und-neurodivergenz/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Homeoffice bei ADHS und Autismus</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-berufsleben/adhs-am-arbeitsplatz/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">ADHS am Arbeitsplatz: 4 Anpassungen, die helfen</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/autismus-adhs-im-job-eigenverantwortung-fuehrung-ursula-guth/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Autismus und ADHS im Job: Eigenverantwortung</a></li>
</ul>
</div>



<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Für dich persönlich gibt es das <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a>, für Teams und Führungskräfte <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion-unternehmen/" style="color:#fff;font-weight:600;">Neuroinklusion für Unternehmen</a>. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



<script type="application/ld+json">{"@context":"https://schema.org","@type":"FAQPage","mainEntity":[{"@type":"Question","name":"Ist ADHS eine anerkannte Behinderung?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"ADHS kann als Behinderung anerkannt werden, wenn die Beeinträchtigung die Teilhabe am (Arbeits-)Leben erheblich einschränkt. Ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten sehen die Versorgungsmedizinischen Grundsätze keinen GdB vor. Ab 25 Jahren liegt der GdB für ADHS regelhaft bei höchstens 50."}},{"@type":"Question","name":"Kann mein Arbeitgeber mich trotz ADHS oder Autismus versetzen?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Grundsätzlich ja – aber nur im Rahmen billigen Ermessens. Macht die Versetzung dich aus fachärztlicher Sicht absehbar krank, kann die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers überwiegen und die Weisung unwirksam sein. In dem Fall, den wir im Podcast besprechen, hat das Landesarbeitsgericht Saarland die Versetzung im Eilverfahren gestoppt."}},{"@type":"Question","name":"Muss ich meinem Arbeitgeber meine Diagnose mitteilen?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Nein, eine generelle Offenlegungspflicht besteht nicht. Mitteilen musst du eine Behinderung aber, wenn sie für die Arbeit entscheidend ist, etwa weil du die Tätigkeit sonst nicht sicher ausüben kannst. Fragt dein Arbeitgeber in Deutschland nach mehr als sechs Monaten im Job nach einer Schwerbehinderung, muss die Antwort stimmen. Anpassungen kann dein Arbeitgeber nur umsetzen, wenn er weiß, was du brauchst. Der besondere Kündigungsschutz in Deutschland besteht laut den Integrationsämtern unabhängig davon, ob du die Behinderung vorher offengelegt hast. Wusste der Arbeitgeber nichts davon, musst du dich nach einer Kündigung aber rasch darauf berufen; das Bundesarbeitsgericht geht von drei Wochen ab Zugang der Kündigung aus. In Österreich kann der Behindertenausschuss einer Kündigung nachträglich zustimmen, wenn der Arbeitgeber den Status nicht kannte und nicht kennen musste (§ 8 Abs. 2 BEinstG)."}},{"@type":"Question","name":"Was bringt der Schwerbehindertenstatus konkret?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"In Deutschland (GdB 50): besonderer Kündigungsschutz über das Integrationsamt, Zusatzurlaub, Nachteilsausgleiche. In Österreich (Grad der Behinderung 50 %): Status als begünstigte:r Behinderte:r mit erhöhtem Kündigungsschutz (Zustimmung des Behindertenausschusses) und Förderungen. Bei Arbeitsverhältnissen ab 2011 greift der Schutz nach vier Jahren, wenn der Status schon bei Arbeitsbeginn bestand. Wird er erst während des Arbeitsverhältnisses festgestellt, greift er nach den ersten sechs Monaten."}},{"@type":"Question","name":"Gilt ein deutsches Urteil auch in Österreich?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Nein, es ist nicht bindend. Da aber Fürsorgepflicht, Grad der Behinderung und Diskriminierungsschutz in beiden Ländern nach ähnlichen Prinzipien funktionieren, kann ein solcher Fall auch in Österreich Argumente liefern."}},{"@type":"Question","name":"Darf mein Arbeitgeber mich nach einer Schwerbehinderung oder Diagnose fragen?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Im Bewerbungsgespräch in Deutschland grundsätzlich nicht, außer eine bestimmte Fähigkeit ist entscheidende Voraussetzung für den Arbeitsplatz. Im laufenden Arbeitsverhältnis darf der Arbeitgeber laut Bundesarbeitsgericht jedenfalls nach sechs Monaten nach der Schwerbehinderung fragen, vor allem vor geplanten Kündigungen, und die Antwort muss dann stimmen. In Österreich gibt es keine ausdrückliche gesetzliche Regel. Bei der Bewerbung kann nach der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs das Interesse am Arbeitsplatz überwiegen, dann müssen Bewerber:innen den Status als begünstigte:r Behinderte:r nicht nennen. Eine Behinderung, die der Tätigkeit entgegensteht, müssen sie mitteilen."}},{"@type":"Question","name":"Was kostet es, wenn eine Bewerberin wegen ihrer Behinderung nicht eingestellt wird?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"In Österreich sind es mindestens zwei Monatsentgelte, wenn sie die Stelle bei fairer Auswahl bekommen hätte, sonst bis zu 500 Euro (§ 7e BEinstG). In Deutschland gibt es eine angemessene Entschädigung, höchstens drei Monatsgehälter, wenn sie auch bei fairer Auswahl nicht eingestellt worden wäre (§ 15 AGG). Die Fristen sind kurz, in Deutschland zwei Monate für die schriftliche Geltendmachung."}},{"@type":"Question","name":"Darf ich jemandem kündigen, der seinen Behindertenstatus bei der Einstellung verschwiegen hat?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Das Verschweigen allein reicht in Österreich nicht, wenn sich die Behinderung nicht auf die Arbeit auswirkt (OGH, 9 ObA 240/02p). Eine Kündigung, weil du vom Status erfahren hast, kann eine Diskriminierung nach § 7b BEinstG sein. Das gilt auch, wenn du eine Behinderung nur vermutest (OGH, 9 ObA 107/15y)."}},{"@type":"Question","name":"Darf der Betriebsrat von meiner Diagnose erfahren?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"In Deutschland bekommen Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung eine Kopie des Verzeichnisses der schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten, sie kennen also den Status. Am betrieblichen Eingliederungsmanagement sind sie nur mit deiner Zustimmung beteiligt. In Österreich darf der Betriebsrat nur mit deinem Einverständnis in deinen Personalakt schauen; die Behindertenvertrauensperson wird über Beginn, Ende und Veränderung von Arbeitsverhältnissen behinderter Beschäftigter und über Krankmeldungen von mehr als sechs Wochen im Jahr informiert. In beiden Ländern gilt für diese Vertretungen eine Verschwiegenheitspflicht."}}]}</script>



<style>.hz-author-box{display:flex;gap:18px;align-items:center;margin:44px 0 8px;padding:22px 24px;background:#f4f7fc;border:1px solid #e6e9f2;border-left:4px solid #d00150;border-radius:10px}.hz-ab-avatar{width:76px;height:76px;flex:none;border-radius:50%;object-fit:cover;object-position:42% 28%;border:3px solid #fff;box-shadow:0 2px 8px rgba(0,47,108,.15)}.hz-ab-body{font-size:.95rem;line-height:1.6;color:#4a4a4a}.hz-ab-check{display:inline-flex;align-items:center;gap:6px;font-weight:700;color:#002f6c;font-size:.9rem;margin-bottom:6px}.hz-ab-name{font-weight:700;color:#002f6c}.hz-author-box a{color:#d00150;font-weight:600;text-decoration:none}</style>
<div class="hz-author-box"><img decoding="async" class="hz-ab-avatar" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2025/11/Julie-Stuhl-mit-Hintergrund-2-3-e1762877972844-768x512.jpg" alt="Julie Simstich" width="76" height="76" loading="lazy"><div class="hz-ab-body"><div class="hz-ab-check"><svg width="18" height="18" viewBox="0 0 24 24" fill="none"><path d="M20 6 9 17l-5-5" stroke="#d00150" stroke-width="3" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round"/></svg>Fachlich geprüft von Julie Simstich</div><p style="margin:0"><span class="hz-ab-name">Julie Simstich</span> – Arbeits- &amp; klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/">Mehr über Julie →</a> · <a href="https://www.linkedin.com/in/julie-simstich/" target="_blank" rel="noopener">LinkedIn</a></p></div></div>
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			</item>
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		<title>Bewegung bei ADHS: Erst Entladung, dann Entspannung</title>
		<link>https://hirnzigartig.at/adhs-basics/neurodivergenz-und-multimodale-bewegung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 20:50:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ADHS Basics]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Für Betroffene]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirnzigartig.at/?p=3814</guid>

					<description><![CDATA[Erst Entladung, dann Entspannung: Wie Trainerin Maja Rybka mit multimodaler Bewegung bei ADHS arbeitet und wie du das Prinzip im Alltag selbst ausprobierst.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Maja Rybka, Trainerin für neurozentriertes Training, hat im Podcast ihr Konzept vorgestellt: Menschen mit ADHS brauchen zuerst Entladung durch Bewegung, danach wird Entspannung möglich.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Der Artikel beschreibt, wie sie arbeitet: mit multimodaler Bewegung, mit den Sinnessystemen für Gleichgewicht und Körperwahrnehmung und mit frühkindlichen Reflexen. Am Ende stehen Strategien für deinen Alltag, für Trainer:innen und für Führungskräfte.</p>
</div>



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<style>.hz-toc ol{columns:2;column-gap:36px;margin:0;padding-left:1.3em;line-height:1.9;}.hz-toc li{break-inside:avoid;}@media (max-width:700px){.hz-toc ol{columns:1;}}</style>
<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#wenn-die-entspannungsuebung-dich-unruhig-macht" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Wenn die Entspannungsübung dich unruhig macht</a></li>
<li><a href="#die-unterschaetzte-rolle-des-koerpers-bei-adhs" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Die unterschätzte Rolle des Körpers bei ADHS</a></li>
<li><a href="#warum-bewegung-bei-adhs-wirkt" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Warum Bewegung bei ADHS wirkt</a></li>
<li><a href="#fruehkindliche-reflexe-das-fundament-in-majas-arbeit" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Frühkindliche Reflexe: das Fundament in Majas Arbeit</a></li>
<li><a href="#neurozentriertes-training-und-multimodale-bewegung" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Neurozentriertes Training und multimodale Bewegung</a></li>
<li><a href="#erst-entladung-dann-entspannung" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Erst Entladung, dann Entspannung</a></li>
<li><a href="#praktische-strategien-fuer-deinen-alltag" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Praktische Strategien für deinen Alltag</a></li>
<li><a href="#mythen-und-missverstaendnisse" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Mythen und Missverständnisse</a></li>
<li><a href="#und-die-studienlage" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Und die Studienlage?</a></li>
<li><a href="#naechste-schritte" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Nächste Schritte</a></li>
<li><a href="#quellen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Quellen</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="wenn-die-entspannungsuebung-dich-unruhig-macht">Wenn die Entspannungsübung dich unruhig macht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Du sitzt im Entspannungskurs. Progressive Muskelentspannung, die Stimme der Kursleiterin wird leiser, und deine Beine fangen an zu wippen. Je mehr du dich bemühst, ruhig zu werden, desto lauter wird es im Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Menschen mit ADHS kennen das. Maja Rybka hat dafür eine Erklärung und einen Vorschlag. Sie bietet in Hamburg neurozentriertes Training und Coaching an und war bei Walter und mir im Podcast zu Gast. Ihr Ansatz: Der Körper braucht zuerst Entladung, danach kommt die Ruhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Artikel stellt vor, wie Maja arbeitet und was sie in ihrer Praxis beobachtet. Grundlage ist unser Gespräch im Podcast.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="die-unterschaetzte-rolle-des-koerpers-bei-adhs">Die unterschätzte Rolle des Körpers bei ADHS</h2>



<p class="wp-block-paragraph">ADHS wird über Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität definiert. In der Abklärung geht es um Verhalten und Konzentration. Der Körper kommt dabei kaum vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Majas Blick geht genau dorthin. Viele ihrer Klient:innen mit ADHS berichten von Koordinationsproblemen und einem unsicheren Gleichgewicht. Viele sind reizempfindlich: Bestimmte Stoffe auf der Haut oder bestimmte Geräusche halten sie kaum aus. Es gibt auch das Gegenteil, also Menschen, die Signale ihres Körpers kaum wahrnehmen und aktiv nach Reizen suchen, um sich zu spüren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forschung kennt beides. Mehr als die Hälfte der Kinder mit ADHS hat Schwierigkeiten in der Grob- und Feinmotorik (<a href="https://doi.org/10.1016/j.ridd.2014.09.023" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kaiser et al., 2015</a>). Eine Metaanalyse über 30 Studien mit 5.374 Personen findet bei ADHS deutlich mehr sensorische Auffälligkeiten, und zwar in beide Richtungen: Überempfindlichkeit und Reizvermeidung ebenso wie Reizsuche und das Überhören von Signalen (<a href="https://doi.org/10.1016/j.jaac.2025.02.019" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jurek et al., 2025</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja erklärt das über das Nervensystem. Das autonome Nervensystem wechselt zwischen Aktivierung, dem Sympathikus, und Ruhe, dem Parasympathikus. Bei ADHS bleibt es nach ihrer Erfahrung oft in der Aktivierung hängen oder pendelt stark zwischen den Extremen. Bei ADHS ist außerdem die Signalübertragung über die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin verändert (<a href="https://doi.org/10.1016/j.biopsych.2011.02.036" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Del Campo et al., 2011</a>). Beide sind an Aufmerksamkeit, Motivation und Impulskontrolle beteiligt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier setzt Maja mit Bewegung an. Sie versteht Bewegung multimodal: Der ganze Körper ist beteiligt, das Nervensystem auch, und das Programm richtet sich nach der einzelnen Person. Ihre Erfahrung: Welche Übung hilft, ist von Person zu Person verschieden. Es kommt auf die passende Bewegung zum passenden Zeitpunkt an.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="warum-bewegung-bei-adhs-wirkt">Warum Bewegung bei ADHS wirkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Botenstoffe: Dopamin und Noradrenalin</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Stimulanzien wie Methylphenidat erhöhen die Aktivität von Dopamin und Noradrenalin (<a href="https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2018.02.001" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Faraone, 2018</a>). Maja beschreibt Bewegung als einen zweiten Weg zum selben Ziel: Wenn du tanzt oder läufst, schüttet der Körper Katecholamine aus, also genau diese Botenstoffe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am besten untersucht ist der Soforteffekt. 20 Kinder mit ADHS gingen 20 Minuten bei mittlerer Belastung aufs Laufband. Danach waren Hemmungskontrolle, Lese- und Rechenleistung besser als nach 20 Minuten Lesen im Sitzen (<a href="https://doi.org/10.1016/j.jpeds.2012.08.036" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pontifex et al., 2013</a>). In einer zweiten Studie hielt die bessere Hemmungskontrolle 60 Minuten an (<a href="https://doi.org/10.1038/s41598-020-76859-9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yu et al., 2020</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für dich heißt das: 20 Minuten zügige Bewegung vor einer Aufgabe, die Konzentration braucht, sind einen Versuch wert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Exekutivfunktionen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Planen, Arbeitsgedächtnis, geistiges Umschalten und Impulskontrolle heißen in der Psychologie Exekutivfunktionen. Bei ADHS sind sie häufig beeinträchtigt. Mehrwöchige Bewegungsprogramme verbessern sie bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS, das zeigt eine Metaanalyse über 15 Studien (<a href="https://doi.org/10.1186/s12966-021-01135-6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Liang et al., 2021</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Kernsymptome wirken längere Programme schwächer: Elf randomisierte Studien mit Kindern und Jugendlichen ergeben einen kleinen Effekt (<a href="https://doi.org/10.1177/10870547211017982" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Seiffer et al., 2022</a>). Aus Majas Sicht kommt es auf die Gestaltung an: Verschiedene Arten von Bewegung, abwechslungsreich und auf die Person abgestimmt, wirken nach ihrer Erfahrung besser als eine gleichförmige Routine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2026 empfiehlt auch die deutsche <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-045" target="_blank" rel="noreferrer noopener">S3-Leitlinie</a> Sport- und Bewegungstherapie als Teil der ADHS-Behandlung. Die Auswahl soll sich nach persönlicher Vorliebe richten und danach, was sich im Alltag umsetzen lässt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Autonomes Nervensystem und Vagusnerv</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das autonome Nervensystem steuert Herzschlag, Atmung und Verdauung. Maja arbeitet mit der Annahme, dass es bei vielen Menschen mit ADHS schwer vom aktivierten Zustand in die Ruhe wechselt. Als Maß dafür gilt die Herzratenvariabilität: Eine höhere Variabilität steht für einen flexiblen Wechsel zwischen Anspannung und Erholung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rhythmische, intensive Bewegung wirkt nach ihrer Beschreibung wie ein Neustart für dieses System. Daraus leitet sie ab, warum stille Entspannungsübungen bei ADHS oft scheitern: Ein Nervensystem unter Strom lässt sich durch Stillsitzen und langsames Atmen schwer herunterfahren. Es braucht zuerst eine aktive Entladung. Gemessen ist das bisher nicht: In einer Studie mit Kindern mit ADHS veränderte eine Einheit mittelintensiver Ausdauerbewegung die Herzratenvariabilität in der Stunde danach nicht (<a href="https://doi.org/10.1038/s41598-020-76859-9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yu et al., 2020</a>).</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fruehkindliche-reflexe-das-fundament-in-majas-arbeit">Frühkindliche Reflexe: das Fundament in Majas Arbeit</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Was frühkindliche Reflexe sind</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Neugeborene kommen mit automatischen Bewegungsmustern zur Welt. Beim Moro-Reflex breitet das Baby die Arme aus, wenn es das Gefühl hat zu fallen. Der Suchreflex hilft beim Trinken. Der asymmetrische und der symmetrische tonische Nackenreflex, kurz ATNR und STNR, prägen die frühe Motorik. Im ersten Lebensjahr werden diese Reflexe nach und nach gehemmt, die meisten bis etwa zum sechsten Lebensmonat, und von willkürlichen Bewegungen abgelöst (<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32119493/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">StatPearls, 2026</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn Reflexe aktiv bleiben</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Maja geht davon aus, dass diese Reflexe bei manchen Menschen in Resten aktiv bleiben, und zwar unterschiedlich stark. Ein Rest des Moro-Reflexes zeigt sich nach ihrer Beschreibung in Schreckhaftigkeit und Überempfindlichkeit. Ein aktiver ATNR kann die Koordination stören und sich bis ins Schreiben und Lesen auswirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Metaanalyse über 4 Studien mit 229 Kindern findet einen Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und dem ATNR (r = 0,48) sowie dem STNR (r = 0,39) (<a href="https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1175974" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wang et al., 2023</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Maja folgt daraus: Manches, was wie ADHS aussieht, hängt mit solchen Reflexen zusammen. Sie prüft deshalb in ihrer Arbeit, welche Reflexe noch aktiv sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Reflexintegration</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Majas Erfahrung lassen sich frühkindliche Reflexe in jedem Alter nachträglich integrieren. Dafür gibt es eigene Übungen, das Reflexintegrationstraining. Multimodale Bewegung setzt aus ihrer Sicht am selben Punkt an: Vielfältige, koordinativ fordernde Bewegungen bringen das Gehirn dazu, neue Bahnen anzulegen und alte Muster abzulösen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="neurozentriertes-training-und-multimodale-bewegung">Neurozentriertes Training und multimodale Bewegung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit multimodaler Bewegung meint Maja mehr als viele verschiedene Sportarten. Ihr Training setzt bei drei Sinnessystemen an:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Propriozeption:</strong> die Wahrnehmung von Stellung und Bewegung des eigenen Körpers. Du weißt mit geschlossenen Augen, wo deine Hand ist. Viele Menschen mit ADHS haben nach Majas Erfahrung ein unsicheres Körpergefühl.</li>



<li><strong>Vestibuläres System:</strong> das Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Es steuert das Gleichgewicht und die Orientierung im Raum.</li>



<li><strong>Visuelles System:</strong> das Sehen und die Verarbeitung von Raum und Bewegung.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Multimodal heißt: Eine Übung fordert mehrere dieser Systeme zugleich. Du balancierst, verfolgst dabei einen Ball mit den Augen und fängst ihn.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum Abwechslung so viel ausmacht</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Menschen mit ADHS finden ein übliches Fitnessprogramm langweilig. Maja erklärt das so: Eine gleichförmige Belastung wie reines Laufen fordert das Gehirn zu wenig. Die Aufmerksamkeit wandert ab, und das Training wird abgebrochen. Bewegung mit Variation und koordinativen Aufgaben hält das Gehirn bei der Sache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu gibt es einen Befund aus der Forschung: In einer Netzwerk-Metaanalyse über 44 Studien mit 1.757 Kindern und Jugendlichen schnitten Sportarten mit wechselnden Anforderungen bei den Exekutivfunktionen am besten ab (<a href="https://doi.org/10.3389/fpubh.2023.1133727" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zhu et al., 2023</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beispiele für multimodale Bewegung</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Balancieren mit Ball:</strong> Du stehst auf einem Balken, verfolgst einen Ball mit den Augen und fängst ihn. Das fordert Gleichgewicht, Sehen und Körperwahrnehmung zugleich.</li>



<li><strong>Überkreuzbewegungen:</strong> Beim Cross-Crawl führst du abwechselnd den rechten Ellbogen zum linken Knie und umgekehrt. Maja nutzt die Übung in der Reflexintegration.</li>



<li><strong>Tanzen mit Tempo- und Richtungswechseln:</strong> Rhythmus und Raumgefühl kommen zusammen, und das Gehirn muss sich laufend neu einstellen.</li>



<li><strong>Klettern, Kampfsport oder Tischtennis:</strong> Timing und schnelle Reaktion sind gefragt.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Majas Leitlinie dafür: Variation vor Routine.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="erst-entladung-dann-entspannung">Erst Entladung, dann Entspannung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist der Kern von Majas Botschaft im Podcast.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn Entspannung nicht greift</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Progressive Muskelentspannung, autogenes Training: Viele Menschen mit ADHS haben das probiert, und die innere Unruhe ist geblieben oder größer geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja erklärt es mit einem Bild. Der Sympathikus ist das Gaspedal, der Parasympathikus die Bremse. Entspannungsverfahren steigen direkt auf die Bremse. Wenn das Gaspedal aber durchgedrückt ist, reicht das nach ihrer Erfahrung nicht. Die überschüssige Energie braucht zuerst ein Ziel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Satz dazu: Menschen mit ADHS brauchen zuerst Entladung. Erst danach wird Ruhe möglich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die drei Phasen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Entladung heißt bei Maja: das Nervensystem gezielt in Bewegung bringen, um es zu regulieren. Mit Aggression oder Frustabbau hat das nichts zu tun. Der Ablauf hat drei Phasen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Entladung:</strong> 10 bis 20 Minuten körperlich anstrengende Bewegung, zum Beispiel zügiges Laufen oder intensives Tanzen.</li>



<li><strong>Übergang:</strong> ruhigere Bewegung wie langsames Gehen oder Dehnen.</li>



<li><strong>Ruhe:</strong> erst jetzt Meditation oder stilles Sitzen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Maja beobachtet das auch bei Kindern. Ein Kind mit ADHS, das „Setz dich hin und konzentrier dich“ hört, wird unruhiger. Nach 15 Minuten intensiver Bewegung klappen die Hausaufgaben oft besser.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was zu dir passt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Form der Entladung hilft, ist nach Majas Erfahrung sehr verschieden. Manche brauchen Explosives wie Springen oder Boxen. Für andere passt gleichmäßige Bewegung über längere Zeit. Auch die Reizempfindlichkeit spielt mit, laute Musik zum Tanzen etwa hält nicht jede:r aus. Maja rät deshalb zum Ausprobieren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="975" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-bewegung-entladung-hirnzigartig-1024x975.png" alt="Infografik mit dem Ablauf Entladung, Übergang, Ruhe nach Maja Rybka sowie je vier Strategien für Menschen mit ADHS und für Führungskräfte." class="wp-image-5556" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-bewegung-entladung-hirnzigartig-1024x975.png 1024w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-bewegung-entladung-hirnzigartig-300x286.png 300w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-bewegung-entladung-hirnzigartig-768x732.png 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-bewegung-entladung-hirnzigartig.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="praktische-strategien-fuer-deinen-alltag">Praktische Strategien für deinen Alltag</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn du selbst ADHS hast</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Starte mit Bewegung:</strong> ein zügiger Lauf oder eine Runde Tanzen am Morgen. Meditation oder Yoga kommen danach.</li>



<li><strong>Mach Bewegungspausen:</strong> alle 60 bis 90 Minuten fünf Minuten aufstehen und ein paar Schritte gehen.</li>



<li><strong>Verabrede dich:</strong> Ein fixer Termin mit anderen senkt die Hürde. Das Prinzip kennst du vom <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/adhs-body-doubling/">Body Doubling</a>.</li>



<li><strong>Finde deine Form der Entladung:</strong> explosiv oder gleichmäßig, allein oder in der Gruppe. Notiere eine Woche lang, wie es dir danach geht.</li>



<li><strong>Lass den Entspannungszwang los:</strong> Wenn dich Yoga oder Meditation frustrieren, probier sie nach einer Bewegungseinheit noch einmal.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn du als Therapeut:in, Coach oder Trainer:in arbeitest</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Frag nach dem Körper:</strong> Koordination, Gleichgewicht, Reizempfindlichkeit und motorische Schwierigkeiten gehören zum Bild.</li>



<li><strong>Schau auf frühkindliche Reflexe,</strong> wenn du dafür ausgebildet bist. Maja testet sie in ihrer Arbeit.</li>



<li><strong>Plane abwechslungsreich:</strong> verschiedene Bewegungsarten kombinieren und koordinative Aufgaben einbauen.</li>



<li><strong>Achte auf den Bedarf nach Entladung:</strong> Wird jemand in der Einheit unruhig, hilft oft ein kurzer, intensiver Abschnitt.</li>



<li><strong>Arbeite mit anderen Fachpersonen zusammen:</strong> Die Diagnostik von ADHS liegt bei Fachärzt:innen und Klinischen Psycholog:innen.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn du Führungskraft bist oder im HR arbeitest</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Für dich als Führungskraft heißt das:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Erlaube Bewegungspausen ausdrücklich,</strong> auch direkt vor Besprechungen.</li>



<li><strong>Lass Wahl beim Arbeitsplatz:</strong> ein ruhiger Raum und ein Platz mit etwas Betrieb, je nach Person.</li>



<li><strong>Mach es normal,</strong> im Meeting zu stehen oder kurz hinauszugehen. Der Satz „Ich muss mich kurz bewegen“ ist Selbstregulation.</li>



<li><strong>Erweitere das Gesundheitsprogramm:</strong> neben Yoga und Meditation auch Intensives wie Kickboxen oder eine Laufgruppe.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Das kostet einige Minuten Arbeitszeit und keine Investition. Wie solche Anpassungen ins Unternehmen kommen, steht auf der Seite zur <a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion-unternehmen/">Neuroinklusion</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="mythen-und-missverstaendnisse">Mythen und Missverständnisse</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„ADHS sitzt nur im Kopf.“</strong> Motorik und Sinnesverarbeitung sind bei vielen mitbetroffen (Kaiser et al., 2015; Jurek et al., 2025).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Bewegung macht noch hibbeliger.“</strong> Bei Kindern verbessert sich die Impulskontrolle nach moderater Bewegung, in einer Studie für etwa eine Stunde (Pontifex et al., 2013; Yu et al., 2020).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Bewegung und Medikamente schließen einander aus.“</strong> Maja sieht beides als Ergänzung. In einer randomisierten Studie aus Südkorea mit 35 Jugendlichen, die Methylphenidat nahmen, gingen die Symptome mit sechs Wochen Sport stärker zurück als mit einem Schulungsprogramm (<a href="https://doi.org/10.1249/MSS.0000000000000373" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Choi et al., 2015</a>). Eine Pilotstudie aus China mit 27 Kindern fand Ähnliches für Gleichgewichtstraining zusätzlich zu Methylphenidat (<a href="https://doi.org/10.3389/fpsyt.2020.552174" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Feng et al., 2021</a>). Beide Studien sind klein. Einen Überblick gibt <a href="https://doi.org/10.1186/s40479-019-0115-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mehren et al., 2020</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Yoga und Meditation sind bei ADHS immer der beste Einstieg.“</strong> Nach Majas Erfahrung helfen sie vor allem nach einer Entladung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Alle Menschen mit ADHS reagieren gleich auf Bewegung.“</strong> Die Unterschiede sind groß, deshalb gehört Ausprobieren dazu.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="und-die-studienlage">Und die Studienlage?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ehrlich dazu: Dass Bewegung bei ADHS hilft, ist gut untersucht. Für neurozentriertes Training, für Reflexintegration und für die Reihenfolge „erst Entladung, dann Entspannung“ gibt es bisher kaum Studien. Maja kennt den Einwand. Sie sagt, die Studienlage sei so schlecht, weil falsch gemessen wird. Ich nehme das so hin. Sie ist Expertin auf diesem Gebiet, und so arbeitet sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="naechste-schritte">Nächste Schritte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr über Maja Rybka und ihre Arbeit findest du auf <a href="https://www.majarybka.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">majarybka.de</a>. Teil 1 des Gesprächs kannst du oben im Player hören, im Podcast gibt es dazu einen zweiten Teil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Womit du anfängst: Beweg dich morgen früh 15 Minuten intensiv, bevor der Tag losgeht. Schreib danach auf, wie Konzentration und Stimmung waren. Nach einer Woche weißt du, ob es für dich einen Unterschied macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn stilles Meditieren bei dir nicht klappt, braucht dein Körper vielleicht zuerst Bewegung.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>AWMF (2026). Interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“, Version 2.0. AWMF-Register-Nr. 028-045. <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-045" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-045</a></li>



<li>Chamarthi, V. S., Gunasekaran, V. &amp; Daley, S. F. (2026). Primitive Reflexes: Comprehensive Neurological Assessment Across the Lifespan. In StatPearls. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32119493/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32119493/</a></li>



<li>del Campo, N., Chamberlain, S. R., Sahakian, B. J. &amp; Robbins, T. W. (2011). The Roles of Dopamine and Noradrenaline in the Pathophysiology and Treatment of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Biological Psychiatry, 69(12), e145–e157. <a href="https://doi.org/10.1016/j.biopsych.2011.02.036" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1016/j.biopsych.2011.02.036</a></li>



<li>Faraone, S. V. (2018). The pharmacology of amphetamine and methylphenidate: Relevance to the neurobiology of attention-deficit/hyperactivity disorder and other psychiatric comorbidities. Neuroscience &amp; Biobehavioral Reviews, 87, 255–270. <a href="https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2018.02.001" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2018.02.001</a></li>



<li>Jurek, L., Duchier, A., Gauld, C., Hénault, L., Giroudon, C., Fourneret, P. et al. (2025). Sensory Processing in Individuals With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Compared With Control Populations: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of the American Academy of Child &amp; Adolescent Psychiatry, 64(10), 1132–1147. <a href="https://doi.org/10.1016/j.jaac.2025.02.019" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1016/j.jaac.2025.02.019</a></li>



<li>Kaiser, M. L., Schoemaker, M., Albaret, J. M. &amp; Geuze, R. (2015). What is the evidence of impaired motor skills and motor control among children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD)? Systematic review of the literature. Research in Developmental Disabilities, 36, 338–357. <a href="https://doi.org/10.1016/j.ridd.2014.09.023" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1016/j.ridd.2014.09.023</a></li>



<li>Liang, X., Li, R., Wong, S. H. S., Sum, R. K. W. &amp; Sit, C. H. P. (2021). The impact of exercise interventions concerning executive functions of children and adolescents with attention-deficit/hyperactive disorder: a systematic review and meta-analysis. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity, 18(1), 68. <a href="https://doi.org/10.1186/s12966-021-01135-6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1186/s12966-021-01135-6</a></li>



<li>Mehren, A., Reichert, M., Coghill, D., Müller, H. H. O., Braun, N. &amp; Philipsen, A. (2020). Physical exercise in attention deficit hyperactivity disorder – evidence and implications for the treatment of borderline personality disorder. Borderline Personality Disorder and Emotion Dysregulation, 7(1), 1. <a href="https://doi.org/10.1186/s40479-019-0115-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1186/s40479-019-0115-2</a></li>



<li>Pontifex, M. B., Saliba, B. J., Raine, L. B., Picchietti, D. L. &amp; Hillman, C. H. (2013). Exercise Improves Behavioral, Neurocognitive, and Scholastic Performance in Children with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. The Journal of Pediatrics, 162(3), 543–551. <a href="https://doi.org/10.1016/j.jpeds.2012.08.036" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1016/j.jpeds.2012.08.036</a></li>



<li>Seiffer, B., Hautzinger, M., Ulrich, R. &amp; Wolf, S. (2022). The Efficacy of Physical Activity for Children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Journal of Attention Disorders, 26(5), 656–673. <a href="https://doi.org/10.1177/10870547211017982" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1177/10870547211017982</a></li>



<li>Wang, M., Yu, J., Kim, H. D. &amp; Cruz, A. B. (2023). Attention deficit hyperactivity disorder is associated with (a)symmetric tonic neck primitive reflexes: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Psychiatry, 14, 1175974. <a href="https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1175974" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1175974</a></li>



<li>Yu, C. L., Hsieh, S. S., Chueh, T. Y., Huang, C. J., Hillman, C. H. &amp; Hung, T. M. (2020). The effects of acute aerobic exercise on inhibitory control and resting state heart rate variability in children with ADHD. Scientific Reports, 10(1), 19958. <a href="https://doi.org/10.1038/s41598-020-76859-9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1038/s41598-020-76859-9</a></li>



<li>Zhu, F., Zhu, X., Bi, X., Kuang, D., Liu, B., Zhou, J. et al. (2023). Comparative effectiveness of various physical exercise interventions on executive functions and related symptoms in children and adolescents with attention deficit hyperactivity disorder: A systematic review and network meta-analysis. Frontiers in Public Health, 11, 1133727. <a href="https://doi.org/10.3389/fpubh.2023.1133727" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.3389/fpubh.2023.1133727</a></li>
</ul>



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<ul style="margin:0;padding-left:1.2em;line-height:1.9;">
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/sport-und-achtsamkeit-als-adhs-fixes-im-alltag/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Sport und Achtsamkeit bei ADHS</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/fidget-toys-adhs-konzentration-stress-studien/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Fidget Toys bei ADHS: Was sie wirklich bringen</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/adhs-dopaminhacks/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">ADHS und Dopamin: Dopaminhacks für den Alltag</a></li>
<li>Choi, J. W., Han, D. H., Kang, K. D., Jung, H. Y. &amp; Renshaw, P. F. (2015). Aerobic exercise and attention deficit hyperactivity disorder: brain research. Medicine &amp; Science in Sports &amp; Exercise, 47(1), 33–39. <a href="https://doi.org/10.1249/MSS.0000000000000373" target="_blank" rel="noreferrer noopener">doi.org/10.1249/MSS.0000000000000373</a></li>
<li>Feng, L., Ren, Y., Cheng, J. &amp; Wang, Y. (2021). Balance Training as an Adjunct to Methylphenidate: A Randomized Controlled Pilot Study of Behavioral Improvement Among Children With ADHD in China. Frontiers in Psychiatry, 11, 552174. <a href="https://doi.org/10.3389/fpsyt.2020.552174" target="_blank" rel="noreferrer noopener">doi.org/10.3389/fpsyt.2020.552174</a></li>
</ul>
</div>



<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Du willst herausfinden, was dir im Alltag und im Job hilft? Im <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a> und im <a href="https://hirnzigartig.at/autismus-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">Autismus- und AuDHS-Coaching</a> arbeiten wir an deinen konkreten Situationen. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



<style>.hz-author-box{display:flex;gap:18px;align-items:center;margin:44px 0 8px;padding:22px 24px;background:#f4f7fc;border:1px solid #e6e9f2;border-left:4px solid #d00150;border-radius:10px}.hz-ab-avatar{width:76px;height:76px;flex:none;border-radius:50%;object-fit:cover;object-position:42% 28%;border:3px solid #fff;box-shadow:0 2px 8px rgba(0,47,108,.15)}.hz-ab-body{font-size:.95rem;line-height:1.6;color:#4a4a4a}.hz-ab-check{display:inline-flex;align-items:center;gap:6px;font-weight:700;color:#002f6c;font-size:.9rem;margin-bottom:6px}.hz-ab-name{font-weight:700;color:#002f6c}.hz-author-box a{color:#d00150;font-weight:600;text-decoration:none}</style>
<div class="hz-author-box"><img decoding="async" class="hz-ab-avatar" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2025/11/Julie-Stuhl-mit-Hintergrund-2-3-e1762877972844-768x512.jpg" alt="Julie Simstich" width="76" height="76" loading="lazy"><div class="hz-ab-body"><div class="hz-ab-check"><svg width="18" height="18" viewBox="0 0 24 24" fill="none"><path d="M20 6 9 17l-5-5" stroke="#d00150" stroke-width="3" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round"/></svg>Fachlich geprüft von Julie Simstich</div><p style="margin:0"><span class="hz-ab-name">Julie Simstich</span> – Arbeits- &amp; klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/">Mehr über Julie →</a> · <a href="https://www.linkedin.com/in/julie-simstich/" target="_blank" rel="noopener">LinkedIn</a></p></div></div>
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		<title>Neurodiversität: 10 häufige Fragen zu ADHS, Autismus und Diagnose</title>
		<link>https://hirnzigartig.at/adhs-basics/neurodiversitaet-im-fokus-antworten-auf-haeufige-fragen-teil-1/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 10:01:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ADHS Basics]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Für Betroffene]]></category>
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					<description><![CDATA[Was ist Neurodiversität? Wie werden ADHS und Autismus diagnostiziert, taugt die Selbstdiagnose und was unterscheidet ADHS von ADS? Zehn Antworten mit Quellen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Neurodiversität beschreibt, dass Gehirne unterschiedlich arbeiten und dass diese Unterschiede zur normalen Bandbreite gehören. Der Begriff entstand in den 1990er-Jahren in der autistischen Community.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Der Artikel beantwortet zehn häufige Fragen: wie ADHS und Autismus diagnostiziert werden, was von Selbstdiagnose zu halten ist, wie groß die Dunkelziffer ist und was ADS von ADHS unterscheidet.</p>
</div>



<iframe data-testid="embed-iframe" style="border-radius:12px" src="https://open.spotify.com/embed/episode/6UkoNWvbSPyNzB1ZPtmakR?utm_source=generator" width="100%" height="352" frameBorder="0" allowfullscreen="" allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy"></iframe>



<style>.hz-toc ol{columns:2;column-gap:36px;margin:0;padding-left:1.3em;line-height:1.9;}.hz-toc li{break-inside:avoid;}@media (max-width:700px){.hz-toc ol{columns:1;}}</style>
<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#zehn-fragen-die-fast-immer-kommen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Zehn Fragen, die fast immer kommen</a></li>
<li><a href="#1-was-ist-neurodiversitaet-gibt-es-eine-klare-definition" style="color:#002f6c;font-weight:600;">1. Was ist Neurodiversität? Gibt es eine klare Definition?</a></li>
<li><a href="#2-wie-wird-adhs-diagnostiziert-was-sind-die-diagnosekriterie" style="color:#002f6c;font-weight:600;">2. Wie wird ADHS diagnostiziert? Was sind die Diagnosekriterien?</a></li>
<li><a href="#3-wie-wird-autismus-diagnostiziert-was-sind-die-unterschiede" style="color:#002f6c;font-weight:600;">3. Wie wird Autismus diagnostiziert? Was sind die Unterschiede zu ADHS?</a></li>
<li><a href="#4-kann-man-sich-selbst-mit-adhs-oder-autismus-diagnostiziere" style="color:#002f6c;font-weight:600;">4. Kann man sich selbst mit ADHS oder Autismus diagnostizieren?</a></li>
<li><a href="#5-wie-gross-ist-die-dunkelziffer-bei-neurodivergenten-mensch" style="color:#002f6c;font-weight:600;">5. Wie groß ist die Dunkelziffer bei neurodivergenten Menschen?</a></li>
<li><a href="#6-unterscheiden-sich-die-diagnosekriterien-zwischen-laendern" style="color:#002f6c;font-weight:600;">6. Unterscheiden sich die Diagnosekriterien zwischen Ländern?</a></li>
<li><a href="#7-was-ist-der-unterschied-zwischen-adhs-und-ads" style="color:#002f6c;font-weight:600;">7. Was ist der Unterschied zwischen ADHS und ADS?</a></li>
<li><a href="#8-bleibt-adhs-bis-ins-erwachsenenalter-bestehen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">8. Bleibt ADHS bis ins Erwachsenenalter bestehen?</a></li>
<li><a href="#9-was-ist-normal" style="color:#002f6c;font-weight:600;">9. Was ist „normal“?</a></li>
<li><a href="#10-welche-rolle-spielt-leidensdruck-in-der-diagnose" style="color:#002f6c;font-weight:600;">10. Welche Rolle spielt Leidensdruck in der Diagnose?</a></li>
<li><a href="#womit-du-anfaengst" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Womit du anfängst</a></li>
<li><a href="#quellen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Quellen</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="zehn-fragen-die-fast-immer-kommen">Zehn Fragen, die fast immer kommen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ist mein Kind lebhaft oder hat es ADHS? Kann ich mich selbst diagnostizieren? Wächst sich ADHS aus? In der Podcastfolge gehen Walter und ich zehn solcher Fragen durch. Hier stehen die Antworten zum Nachlesen, mit Quellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Teil 1 behandelt die Begriffe, die Diagnostik, die Selbstdiagnose und die Frage, ab wann aus einer Eigenheit eine Diagnose wird. Eine Abklärung ersetzt der Artikel nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="1-was-ist-neurodiversitaet-gibt-es-eine-klare-definition">1. Was ist Neurodiversität? Gibt es eine klare Definition?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neurodiversität ist ein Begriff aus der Selbstvertretung und aus den Sozialwissenschaften. Er sagt: Gehirne arbeiten unterschiedlich, und diese Unterschiede gehören zur normalen Bandbreite des Menschen. Entstanden ist er in den 1990er-Jahren in der autistischen Online-Community, bekannt wurde er durch die Soziologin Judy Singer und den Journalisten Harvey Blume (<a href="https://doi.org/10.1177/13623613241237871" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Botha et al., 2024</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Wörter werden oft verwechselt. Neurodiversität meint die Vielfalt aller Gehirne. Neurodivergent nennt sich ein Mensch, dessen Gehirn deutlich anders arbeitet als der Durchschnitt, etwa bei ADHS, Autismus, Dyslexie, Dyspraxie oder Dyskalkulie. Wer im Durchschnitt liegt, gilt als neurotypisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine klinische Definition gibt es nicht. In den Diagnosemanualen stehen die einzelnen Diagnosen, und dort heißen sie Störungen. Der Neurodiversitäts-Ansatz widerspricht dem Bild vom Defekt und schließt Unterstützung trotzdem ein. Wie sich beide Sichtweisen vertragen, steht im Artikel <a href="/neuroinklusion/identitaet-oder-diagnose-der-kampf-um-den-begriff-neurodivergenz/">Identität oder Diagnose</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="2-wie-wird-adhs-diagnostiziert-was-sind-die-diagnosekriterie">2. Wie wird ADHS diagnostiziert? Was sind die Diagnosekriterien?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einen einzelnen Test gibt es nicht. Die Diagnose entsteht im klinischen Gespräch. Fragebögen allein, neuropsychologische Tests oder Hirnscans reichen dafür nicht aus (<a href="https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2021.01.022" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Faraone et al., 2021</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geprüft wird nach DSM-5 oder ICD. Beide beschreiben dieselben drei Symptombereiche (<a href="https://www.gesundheitsinformation.de/adhs-wie-wird-die-diagnose-gestellt.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">IQWiG, 2022</a>):</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Unaufmerksamkeit:</strong> Flüchtigkeitsfehler, kurze Konzentrationsspanne, Aufgaben bleiben liegen, Dinge gehen verloren.</li>



<li><strong>Hyperaktivität:</strong> Zappeln, Aufstehen, das Gefühl, wie von einem Motor angetrieben zu sein.</li>



<li><strong>Impulsivität:</strong> Dazwischenreden, schlecht warten können, handeln vor dem Nachdenken.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine Diagnose müssen vier Bedingungen erfüllt sein:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Die Symptome bestehen seit mindestens sechs Monaten.</li>



<li>Sie haben in der Kindheit begonnen: nach DSM-5 und ICD-11 vor dem zwölften Geburtstag, nach ICD-10 vor dem siebten.</li>



<li>Sie zeigen sich in mehreren Lebensbereichen, zum Beispiel in der Schule oder Arbeit und zu Hause.</li>



<li>Sie beeinträchtigen den Alltag, und eine andere Ursache erklärt sie nicht besser.</li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading">So läuft die Abklärung ab</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über die Lebensgeschichte: wann die Symptome begonnen haben und wie sie sich entwickelt haben. Bei Erwachsenen werden die Angaben nach Möglichkeit mit denen von Eltern, Partner:in oder anderen engen Bezugspersonen abgeglichen. Fragebögen helfen beim Strukturieren. Eine körperliche und neurologische Untersuchung gehört dazu, weil Schilddrüsenstörungen, Schlafstörungen oder Medikamente ähnliche Symptome machen können. Mit Laborwerten, EEG oder anderen apparativen Verfahren lässt sich ADHS laut deutscher <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-045" target="_blank" rel="noreferrer noopener">S3-Leitlinie</a> (Version 2.0, 2026) nicht feststellen. Solche Untersuchungen dienen dazu, körperliche Ursachen abzuklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Diagnose beruht also auf Kriterien, die erfüllt sein müssen. Zusätzlich wird geprüft, ob etwas anderes die Symptome besser erklärt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Österreich stellen Fachärzt:innen für Psychiatrie oder für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Klinische Psycholog:innen die Diagnose. Die klinisch-psychologische Diagnostik ist per Gesetz Klinischen Psycholog:innen vorbehalten (<a href="https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=20008552" target="_blank" rel="noreferrer noopener">§ 22 Psychologengesetz 2013</a>).</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="3-wie-wird-autismus-diagnostiziert-was-sind-die-unterschiede">3. Wie wird Autismus diagnostiziert? Was sind die Unterschiede zu ADHS?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Autismus müssen nach DSM-5 zwei Bereiche betroffen sein (<a href="https://www.cdc.gov/autism/hcp/diagnosis/index.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CDC, 2025</a>):</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Soziale Kommunikation und Interaktion:</strong> Schwierigkeiten im wechselseitigen Austausch, in der nonverbalen Kommunikation wie Blickkontakt, Mimik und Gestik und beim Aufbauen und Halten von Beziehungen. Alle drei Teilbereiche müssen betroffen sein.</li>



<li><strong>Eingeschränkte, sich wiederholende Verhaltensmuster und Interessen:</strong> wiederholte Bewegungen (Stimming), Festhalten an Routinen, sehr intensive Interessen, Über- oder Unterempfindlichkeit für Sinnesreize. Mindestens zwei dieser vier Muster müssen vorliegen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Bei ADHS reicht nach DSM-5 ein Symptombereich, bei Autismus braucht es beide. Beides kann gemeinsam auftreten. In einer großen Metaanalyse hatten 28 Prozent der autistischen Menschen auch ADHS (<a href="https://doi.org/10.1016/S2215-0366(19)30289-5" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lai et al., 2019</a>), eine zweite kommt auf 38,5 Prozent (<a href="https://doi.org/10.1016/j.rasd.2021.101759" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rong et al., 2021</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum Autismus oft spät erkannt wird</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Masking:</strong> Viele autistische Menschen passen ihr Verhalten an, um nicht aufzufallen. Reviews finden dabei Geschlechtsunterschiede, und stärkeres Camouflaging hängt mit schlechterer psychischer Gesundheit zusammen (<a href="https://doi.org/10.1007/s40489-020-00197-9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hull et al., 2020</a>; <a href="https://doi.org/10.1016/j.cpr.2021.102080" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Cook et al., 2021</a>).</li>



<li><strong>Geschlechter-Bias:</strong> Lange galt ein Verhältnis von vier Jungen auf ein Mädchen. Eine Metaanalyse über 54 Studien kommt auf eher 3 zu 1 und sieht darin einen Hinweis, dass Mädchen übersehen werden (<a href="https://doi.org/10.1016/j.jaac.2017.03.013" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Loomes et al., 2017</a>).</li>



<li><strong>Fehldiagnosen:</strong> Von 1.211 autistischen Erwachsenen in den Niederlanden berichteten 24,6 Prozent von mindestens einer früheren psychiatrischen Diagnose, die sie als Fehldiagnose erlebt haben. Bei Frauen waren es 31,7 Prozent, bei Männern 16,7 Prozent. Am häufigsten ging es um Persönlichkeitsstörungen (<a href="https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2024.102586" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kentrou et al., 2024</a>).</li>
</ul>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="993" height="1024" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-autismus-diagnoseweg-hirnzigartig-993x1024.png" alt="Infografik mit vier Schritten der ADHS-Abklärung und einer Tabelle, die ADHS und Autismus nach Symptombereichen, Gründen für späte Diagnosen und Zuständigkeit vergleicht." class="wp-image-5558" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-autismus-diagnoseweg-hirnzigartig-993x1024.png 993w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-autismus-diagnoseweg-hirnzigartig-291x300.png 291w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-autismus-diagnoseweg-hirnzigartig-768x792.png 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/adhs-autismus-diagnoseweg-hirnzigartig.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 993px) 100vw, 993px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="4-kann-man-sich-selbst-mit-adhs-oder-autismus-diagnostiziere">4. Kann man sich selbst mit ADHS oder Autismus diagnostizieren?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Diagnose im medizinischen und rechtlichen Sinn stellt eine Fachperson. Ob die eigene Einschätzung trotzdem zählt, ist umstritten, auch in der Community (<a href="https://doi.org/10.1007/s12152-016-9247-x" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sarrett, 2016</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was dafür spricht</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weg zur Abklärung ist für viele versperrt. In einer Befragung von 665 autistischen Erwachsenen mit oder ohne formale Diagnose war die häufigste Hürde die Angst, von Fachleuten nicht ernst genommen zu werden (<a href="https://doi.org/10.1007/s10803-017-3168-3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lewis, 2017</a>). Für Autismus zeigen zwei Studien, dass selbstidentifizierte Erwachsene den diagnostizierten sehr ähnlich sind. In der einen glichen sich 893 diagnostizierte und 245 selbstdiagnostizierte Erwachsene in Stigma-Erleben, Selbstwert und Lebensqualität (<a href="https://doi.org/10.1089/aut.2019.0069" target="_blank" rel="noreferrer noopener">McDonald, 2020</a>). In der anderen, einer Studie mit 839 Personen, beantworteten diagnostizierte und selbstidentifizierte autistische Erwachsene den Fragebogen RAADS-R sehr ähnlich (<a href="https://doi.org/10.1177/13623613241228329" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sturm et al., 2024</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was dagegen spricht</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bei ADHS überschätzt der bekannteste Selbsttest die Häufigkeit deutlich. Für den WHO-Screener ASRS liegt der positive Vorhersagewert in der Allgemeinbevölkerung rechnerisch bei etwa 11,5 Prozent. Von neun Personen mit auffälligem Ergebnis hätte demnach ungefähr eine ADHS (<a href="https://doi.org/10.1016/j.comppsych.2021.152224" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chamberlain et al., 2021</a>). In den 100 meistgesehenen TikTok-Videos unter #ADHD stimmte weniger als die Hälfte der Symptom-Aussagen mit dem DSM überein (<a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0319335" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Karasavva et al., 2025</a>). Depression, Angststörungen oder Schlafstörungen können ähnlich aussehen und brauchen eine andere Behandlung. Medikation und formale Unterstützung setzen eine Diagnose voraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Vorschlag: Nimm die eigene Einschätzung als Anlass für eine Abklärung und als Arbeitshypothese für den Alltag, solange du auf einen Termin wartest.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="5-wie-gross-ist-die-dunkelziffer-bei-neurodivergenten-mensch">5. Wie groß ist die Dunkelziffer bei neurodivergenten Menschen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Autismus gibt es eine Schätzung aus England. Dort haben 0,82 Prozent der Bevölkerung eine Diagnose, und geschätzt 59 bis 72 Prozent der autistischen Menschen haben keine. Die Autor:innen gehen davon aus, dass die Lücke bei Kindern klein und bei älteren Erwachsenen groß ist (<a href="https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2023.100626" target="_blank" rel="noreferrer noopener">O&#8217;Nions et al., 2023</a>). Weltweit liegt die Häufigkeit von Autismus im Median bei etwa 1 Prozent (<a href="https://doi.org/10.1002/aur.2696" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zeidan et al., 2022</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von ADHS sind weltweit etwa 2,5 Prozent der Erwachsenen betroffen (Faraone et al., 2021). In deutschen Krankenkassendaten hatten 2014 nur 0,4 Prozent der Erwachsenen eine Diagnose (<a href="https://doi.org/10.3238/arztebl.2017.0141" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bachmann et al., 2017</a>). Grob gerechnet war das damals jede sechste betroffene Person. Auch der europäische Konsens zu ADHS bei Erwachsenen spricht von Unterdiagnostik in vielen Ländern (<a href="https://doi.org/10.1016/j.eurpsy.2018.11.001" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kooij et al., 2019</a>). Für Österreich liegen mir keine vergleichbaren Zahlen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frauen bekommen ihre ADHS-Diagnose später. In Registerdaten aus der Region Stockholm mit 85.330 Personen waren Frauen bei der ersten Diagnose oder Behandlung 23,5 Jahre alt, Männer 19,6 (<a href="https://doi.org/10.1111/jcpp.13920" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Skoglund et al., 2024</a>). Das sind knapp vier Jahre Unterschied.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für dich als Führungskraft heißt das: In einem Team mit 40 Personen ist rechnerisch eine mit ADHS dabei, mit oder ohne Diagnose. Was das für Führung bedeutet, steht auf der Seite zur <a href="/neuroinklusion-unternehmen/">Neuroinklusion im Unternehmen</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="6-unterscheiden-sich-die-diagnosekriterien-zwischen-laendern">6. Unterscheiden sich die Diagnosekriterien zwischen Ländern?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Manuale unterscheiden sich, die Häufigkeit von ADHS kaum. Die ICD-10 ist bei ADHS strenger als das DSM-5: Sie verlangt Symptome aus allen drei Bereichen und einen Beginn vor dem siebten Geburtstag (IQWiG, 2022). Die ICD-11 ist seit 2022 in Kraft und weitgehend an das DSM-5 angeglichen (<a href="https://doi.org/10.5498/wjp.v13.i5.138" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gomez et al., 2023</a>). In Deutschland gilt bis zur Einführung der ICD-11 weiter die ICD-10-GM (<a href="https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/_node.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BfArM</a>), und die S3-Leitlinie lässt die Diagnose nach ICD-10 oder DSM-5 zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der oft zitierte Abstand zwischen den USA und Europa zeigt sich vor allem bei den vergebenen Diagnosen. In den USA haben nach Elternangaben 11,4 Prozent der 3- bis 17-Jährigen irgendwann eine ADHS-Diagnose erhalten (<a href="https://doi.org/10.1080/15374416.2024.2335625" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Danielson et al., 2024</a>), in Deutschland 4,4 Prozent (<a href="https://doi.org/10.17886/RKI-GBE-2018-085" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Göbel et al., 2018</a>). Misst man mit einheitlichen Kriterien, unterscheiden sich Nordamerika und Europa nicht signifikant. Weltweit kommen die Studien auf rund 5 Prozent der Kinder und Jugendlichen (<a href="https://doi.org/10.1176/ajp.2007.164.6.942" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Polanczyk et al., 2007</a>; <a href="https://doi.org/10.1093/ije/dyt261" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Polanczyk et al., 2014</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Autismus kennt die ICD-10 noch das Asperger-Syndrom als eigene Diagnose. DSM-5 und ICD-11 fassen alles in der Autismus-Spektrum-Störung zusammen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="7-was-ist-der-unterschied-zwischen-adhs-und-ads">7. Was ist der Unterschied zwischen ADHS und ADS?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als eigener Name ist ADS aus DSM-5 und ICD-11 verschwunden. 1980 hieß die Diagnose im DSM-III „Attention Deficit Disorder“, mit oder ohne Hyperaktivität. 1987 wurde daraus ADHD, 1994 kamen drei Subtypen dazu (<a href="https://doi.org/10.1007/s12402-010-0045-8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lange et al., 2010</a>). Seit dem DSM-5 heißen sie Erscheinungsbilder (<a href="https://doi.org/10.2217/npy.13.59" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Epstein &amp; Loren, 2013</a>):</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>vorwiegend unaufmerksam</li>



<li>vorwiegend hyperaktiv-impulsiv</li>



<li>gemischt</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Im Alltag meint „ADS“ meist das vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsbild: ruhig, verträumt, ohne sichtbare Unruhe. In der ICD-10-GM wird diese Form als F98.80 kodiert, „Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität mit Beginn in der Kindheit und Jugend“.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="8-bleibt-adhs-bis-ins-erwachsenenalter-bestehen">8. Bleibt ADHS bis ins Erwachsenenalter bestehen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den meisten bleiben Symptome, das Vollbild bleibt bei einer Minderheit. Mit 25 Jahren erfüllen noch etwa 15 Prozent alle Kriterien. Rechnet man Verläufe mit, bei denen ein Teil der Symptome zurückgegangen ist, sind es rund 65 Prozent (<a href="https://doi.org/10.1017/S003329170500471X" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Faraone et al., 2006</a>). In der MTA-Studie mit 558 Kindern verlief ADHS bei 63,8 Prozent wechselhaft, mit Phasen der Besserung und der Rückkehr. Dauerhaft genesen waren 9,1 Prozent (<a href="https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2021.21010032" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sibley et al., 2022</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bild verändert sich mit dem Alter. Hyperaktivität und Impulsivität gehen schneller zurück als Unaufmerksamkeit (<a href="https://doi.org/10.1176/appi.ajp.157.5.816" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Biederman et al., 2000</a>). Aus dem Kind, das nicht sitzen bleiben konnte, wird oft ein Erwachsener mit innerer Unruhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche Erwachsene mit ADHS haben als Kind nie eine Diagnose bekommen (<a href="https://www.gesundheitsinformation.de/adhs-bei-erwachsenen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">IQWiG, ADHS bei Erwachsenen</a>). Sie galten als verträumt, faul oder chaotisch.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="9-was-ist-normal">9. Was ist „normal“?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unaufmerksam, zappelig oder impulsiv ist jedes Kind manchmal. Die Kriterien setzen deshalb Schwellen: mindestens sechs Monate, in mehreren Lebensbereichen, mit Beeinträchtigung im Alltag. Ein Kind, das gelegentlich die Hausübung vergisst, erfüllt sie nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo die Schwelle erreicht wird, hängt auch an der Umgebung. Dieselbe Unruhe fällt in einer Klasse mit viel Stillarbeit stärker auf als in einer mit viel Bewegung. Normalität ist damit ein Bereich auf einem Kontinuum, und die Grenze zur Diagnose zieht die Beeinträchtigung.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="10-welche-rolle-spielt-leidensdruck-in-der-diagnose">10. Welche Rolle spielt Leidensdruck in der Diagnose?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Diagnose zählt die Funktionsbeeinträchtigung: Die Symptome müssen Schule, Arbeit oder Beziehungen spürbar stören. Subjektiver Leidensdruck ist etwas anderes und im DSM-5 für sich allein kein Kriterium. Das DSM-5 verlangt, dass die Symptome das Funktionsniveau beeinträchtigen oder seine Qualität mindern (Epstein &amp; Loren, 2013). Die S3-Leitlinie spricht von zumindest moderater Beeinträchtigung und an anderer Stelle von deutlichem Leiden und/oder Einschränkungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für dich heißt das: Du kannst viele ADHS-Merkmale haben und trotzdem unter der Schwelle bleiben, etwa weil dein Umfeld gut zu dir passt. Das kann sich ändern, wenn das Umfeld wechselt, zum Beispiel mit dem ersten Job oder mit Kindern.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="womit-du-anfaengst">Womit du anfängst</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du dich in den Beschreibungen wiederfindest, schreib dir konkrete Situationen auf: was passiert, seit wann, in welchen Lebensbereichen. Alte Schulzeugnisse helfen, weil die Kriterien nach der Kindheit fragen. Mit diesen Notizen gehst du in die Abklärung. Bis zum Termin taugen sie als Grundlage, um Strategien auszuprobieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>AWMF (2026). Interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“, Version 2.0. AWMF-Register-Nr. 028-045. <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-045" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-045</a></li>



<li>Bachmann, C. J., Philipsen, A. &amp; Hoffmann, F. (2017). ADHD in Germany: Trends in Diagnosis and Pharmacotherapy. Deutsches Ärzteblatt International, 114(9), 141–148. <a href="https://doi.org/10.3238/arztebl.2017.0141" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.3238/arztebl.2017.0141</a></li>



<li>BfArM (o. J.). ICD-11. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. <a href="https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/_node.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/_node.html</a></li>



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<li>Botha, M., Chapman, R., Giwa Onaiwu, M., Kapp, S. K., Stannard Ashley, A. &amp; Walker, N. (2024). The neurodiversity concept was developed collectively: An overdue correction on the origins of neurodiversity theory. Autism, 28(6), 1591–1594. <a href="https://doi.org/10.1177/13623613241237871" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1177/13623613241237871</a></li>



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</ul>



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<ul style="margin:0;padding-left:1.2em;line-height:1.9;">
<li><a href="https://hirnzigartig.at/neuroinklusion/identitaet-oder-diagnose-der-kampf-um-den-begriff-neurodivergenz/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Was ist neurodivergent? Identität oder Diagnose</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/was-ist-adhs/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Was ist ADHS? Überblick für Führungskräfte</a></li>
<li><a href="https://hirnzigartig.at/adhs-basics/adhs-diagnose/" style="color:#002f6c;font-weight:600;">ADHS-Diagnose bei Erwachsenen: 6 Kriterien</a></li>
</ul>
</div>



<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Du willst herausfinden, was dir im Alltag und im Job hilft? Im <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a> und im <a href="https://hirnzigartig.at/autismus-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">Autismus- und AuDHS-Coaching</a> arbeiten wir an deinen konkreten Situationen. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



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<div class="hz-author-box"><img decoding="async" class="hz-ab-avatar" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2025/11/Julie-Stuhl-mit-Hintergrund-2-3-e1762877972844-768x512.jpg" alt="Julie Simstich" width="76" height="76" loading="lazy"><div class="hz-ab-body"><div class="hz-ab-check"><svg width="18" height="18" viewBox="0 0 24 24" fill="none"><path d="M20 6 9 17l-5-5" stroke="#d00150" stroke-width="3" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round"/></svg>Fachlich geprüft von Julie Simstich</div><p style="margin:0"><span class="hz-ab-name">Julie Simstich</span> – Arbeits- &amp; klinische Psychologin (in Fachausbildung), Organisationssoziologin, TEDx-Speakerin, WKO/UBIT Expert Group Human Resources (Steiermark). Sie begleitet Unternehmen bei Neuroinklusion und arbeitet klinisch am PSY2 Institut Gleisdorf. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/">Mehr über Julie →</a> · <a href="https://www.linkedin.com/in/julie-simstich/" target="_blank" rel="noopener">LinkedIn</a></p></div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Identität oder Diagnose? Der Kampf um den Begriff Neurodivergenz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Simstich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 09:47:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuroinklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Für Betroffene]]></category>
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					<description><![CDATA[Ist Borderline neurodivergent? Gehört Bipolar dazu? Warum der Blick ins Gehirn die Frage nicht entscheidet und welche zwei Fragen die Debatte besser sortieren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="hz-kurz" style="margin:0 0 34px;padding:26px 28px;background:#f0f4fb;border-left:5px solid #d00150;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Kurz gefasst</p>
<p style="margin:0 0 10px;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Ob Borderline oder die bipolare Störung als neurodivergent gelten, ist umstritten. Der Begriff kommt aus der Selbstvertretung, eine klinische Definition gibt es nicht.</p>
<p style="margin:0;color:#4a4a4a;line-height:1.75;">Unterschiede im Gehirn taugen als Trennlinie wenig: Es gibt sie auch bei Schizophrenie, Depression und Narzissmus, und Psychotherapie verändert das Gehirn ebenfalls. Weiter führen zwei Fragen: Besteht das Muster seit der Kindheit? Und ist sein Verschwinden ein sinnvolles Behandlungsziel?</p>
</div>



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<nav class="hz-toc" aria-label="Inhalt" style="margin:0 0 34px;padding:22px 26px;background:#f0f4fb;border-radius:10px;">
<p style="margin:0 0 12px;text-transform:uppercase;letter-spacing:.12em;font-size:.72rem;font-weight:700;color:#d00150;">Inhalt</p>
<ol>
<li><a href="#warum-die-frage-so-viel-sprengstoff-hat" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Warum die Frage so viel Sprengstoff hat</a></li>
<li><a href="#vier-begriffe-die-die-debatte-sortieren" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Vier Begriffe, die die Debatte sortieren</a></li>
<li><a href="#die-vier-begriffe-im-test" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Die vier Begriffe im Test</a></li>
<li><a href="#warum-das-gehirn-die-frage-nicht-entscheidet" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Warum das Gehirn die Frage nicht entscheidet</a></li>
<li><a href="#zwei-fragen-die-besser-trennen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Zwei Fragen, die besser trennen</a></li>
<li><a href="#jaeger-und-farmer-wo-das-bild-endet" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Jäger und Farmer: wo das Bild endet</a></li>
<li><a href="#was-die-einordnung-fuer-die-unterstuetzung-bedeutet" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Was die Einordnung für die Unterstützung bedeutet</a></li>
<li><a href="#womit-du-aus-der-debatte-herauskommst" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Womit du aus der Debatte herauskommst</a></li>
<li><a href="#quellen" style="color:#002f6c;font-weight:600;">Quellen</a></li>
</ol>
</nav>



<h2 class="wp-block-heading" id="warum-die-frage-so-viel-sprengstoff-hat">Warum die Frage so viel Sprengstoff hat</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist Borderline neurodivergent?“ Unter solchen Posts dauert es selten länger als drei Kommentare, bis der Streit da ist. Eine Person schreibt, das seien psychische Störungen und damit etwas anderes. Die nächste nennt das ableistisch. Danach redet niemand mehr über die Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Podcastfolge haben Walter und ich das ein Pulverfass genannt. Der Streit dreht sich um Zugehörigkeit: Wer gehört dazu, und wer hat Anspruch auf welche Art von Unterstützung?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Woher die Begriffe kommen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">„Neurodiversity“ wird meist der australischen Soziologin Judy Singer zugeschrieben, die 1999 ein Buchkapitel dazu veröffentlicht hat. Gedruckt stand das Wort erstmals 1998 bei dem Journalisten Harvey Blume in The Atlantic. Eine Gruppe um Monique Botha hat die Zuschreibung an eine einzelne Person 2024 korrigiert: Neurodivergente Menschen haben das Konzept gemeinsam entwickelt, und von „neurological diversity“ war schon Jahre vorher die Rede (<a href="https://doi.org/10.1177/13623613241237871" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Botha et al., 2024</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Neurodivergent“ ist ein eigenes Wort mit eigener Herkunft. Geprägt hat es laut Nick Walker im Jahr 2000 die Aktivistin Kassiane Asasumasu (<a href="https://neuroqueer.com/neurodiversity-terms-and-definitions/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Walker, Basic Terms &amp; Definitions</a>). Beide Begriffe stammen aus der Selbstvertretung. Eine Diagnose namens Neurodivergenz gibt es weder in der ICD-11 noch im DSM-5.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang ging es um Autismus. Inzwischen wird Neurodiversität auch für ADHS, Dyslexie, Dyspraxie und Dyskalkulie geltend gemacht (<a href="https://doi.org/10.1111/jcpp.12703" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Baron-Cohen, 2017</a>). Seit einigen Jahren fragen auch Menschen mit Borderline oder einer bipolaren Störung, warum sie draußen bleiben sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn alle neurodivergent sind</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Je weiter der Begriff wird, desto weniger sagt er. Wenn jede psychische Besonderheit darunter fällt, verlieren autistische Menschen und Menschen mit ADHS ein Wort, das ihnen eine Community und ein Selbstbild ohne Defizit-Stempel gegeben hat. Umgekehrt hilft es niemandem mit Borderline, wenn die Antwort lautet: „Du gehörst nicht dazu.“ Das Leid ist ja da. Für wen der Neurodiversitäts-Ansatz gilt, ist auch in der Forschung offen (<a href="https://doi.org/10.1159/000523723" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dwyer, 2022</a>).</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="vier-begriffe-die-die-debatte-sortieren">Vier Begriffe, die die Debatte sortieren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Simon Baron-Cohen leitet das Autism Research Centre an der Universität Cambridge. Im Jahr 2000 hat er gefragt, ob Asperger und hochfunktionaler Autismus zwingend als Behinderung gelten müssen oder ob „Unterschied“ die fairere Beschreibung ist (<a href="https://doi.org/10.1017/S0954579400003126" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Baron-Cohen, 2000</a>; <a href="https://doi.org/10.1177/10883576020170030801" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Baron-Cohen, 2002</a>). 2017 hat er in einem Editorial vier Begriffe gegeneinander abgegrenzt: difference, disability, disorder und disease. Einen eigenen Namen gibt Baron-Cohen dieser Vierergruppe nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Wort zu Baron-Cohen selbst. In der autistischen Community ist er umstritten, und das zu Recht. Er hat Autismus als extreme Ausprägung eines „männlichen Gehirns“ beschrieben (<a href="https://doi.org/10.1126/science.1115455" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Baron-Cohen et al., 2005</a>). Die Kritik daran: Die These ordnet Fähigkeiten ohne überzeugenden Grund einem Geschlecht zu und kann dazu beitragen, dass Mädchen und Frauen bei der Diagnose benachteiligt werden (<a href="https://doi.org/10.1007/s11673-011-9350-y" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Krahn &amp; Fenton, 2012</a>). Methodisch dreht sie sich im Kreis, weil das „männliche Gehirn“ allein über Fragebogenwerte bestimmt wird (<a href="https://doi.org/10.1016/j.rasd.2018.09.007" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ridley, 2019</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hat Baron-Cohen die Autismusforschung über Jahrzehnte vorangebracht. Von ihm und seinem Team stammen der CHAT, ein Screening für Kinder mit 18 Monaten (<a href="https://doi.org/10.1192/bjp.161.6.839" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Baron-Cohen et al., 1992</a>), und der Autismus-Spektrum-Quotient, ein Fragebogen für Erwachsene (<a href="https://doi.org/10.1023/A:1005653411471" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Baron-Cohen et al., 2001</a>), der in der Forschung breit eingesetzt wird (<a href="https://doi.org/10.1186/2040-2392-6-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ruzich et al., 2015</a>). Walter und ich kennen die Kritik. Für mich ist sie kein Grund, alles zu verwerfen, was er geschrieben hat. Seine vier Begriffe prüfe ich in diesem Artikel an den Daten, und wo ich ihm widerspreche, steht das dabei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Difference: Unterschied</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gehirn arbeitet anders als der Durchschnitt. Ein autistischer Mensch verarbeitet Reize anders, ein Mensch mit ADHS steuert Aufmerksamkeit anders. Ob daraus ein Problem wird, ist damit noch offen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Disability: Behinderung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Jemand kommt in einem Bereich schlechter zurecht als der Durchschnitt und braucht Unterstützung. Wie stark, hängt an der Umgebung. Baron-Cohen bringt dafür das Bild vom Fisch, der behindert wirkt, sobald er auf einen Baum klettern soll. Übertragen auf ADHS: Dasselbe Kind, das im Frontalunterricht untergeht, kann mit kurzen Arbeitsphasen und klaren Abläufen gut mitkommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Disorder: Störung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Hier gibt es zwei Lesarten. Im klinischen Alltag heißt Störung: Die Kriterien einer Diagnose sind erfüllt. ADHS steht als „Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder“ im DSM-5, verlangt werden mehrere Symptome vor dem Alter von zwölf Jahren und eine Beeinträchtigung im Alltag. Baron-Cohen fasst den Begriff enger. Für ihn passt „disorder“, wenn ein Zustand nichts Positives mit sich bringt oder wenn jemand trotz angepasster Umgebung nicht zurechtkommt. Als unstrittige Beispiele nennt er Depression, schwere Angst, Anorexie und Psychose. Bei Autismus sieht er Unterschied und Zeichen von Behinderung, das Wort Störung lehnt er dort ab und hält es für unvereinbar mit Neurodiversität.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Disease: Krankheit</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Von Krankheit spricht Baron-Cohen erst, wenn die biomedizinische Ursache einer Störung bekannt ist. Bei den meisten psychiatrischen Diagnosen ist sie das bis heute nicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="980" src="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/neurodivergent-vier-begriffe-hirnzigartig-1024x980.png" alt="Vier Kacheln erklären Unterschied, Behinderung, Störung und Krankheit mit je einer Frage zum Selbstcheck, darunter zwei Fragen, die Diagnosen besser trennen." class="wp-image-5560" srcset="https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/neurodivergent-vier-begriffe-hirnzigartig-1024x980.png 1024w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/neurodivergent-vier-begriffe-hirnzigartig-300x287.png 300w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/neurodivergent-vier-begriffe-hirnzigartig-768x735.png 768w, https://hirnzigartig.at/wp-content/uploads/2026/10/neurodivergent-vier-begriffe-hirnzigartig.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="die-vier-begriffe-im-test">Die vier Begriffe im Test</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Baron-Cohen wendet seine Begriffe auf Autismus an. Die Einordnung der anderen Diagnosen in diesem Abschnitt ist meine Lesart, sie steht so in keiner Studie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">ADHS</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unterschied: ja, mit Einschränkung. Die Erblichkeit liegt bei rund 74 Prozent (<a href="https://doi.org/10.1038/s41380-018-0070-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Faraone &amp; Larsson, 2019</a>). Eine PET-Studie mit 53 unmedizierten Erwachsenen mit ADHS und 44 Kontrollpersonen fand weniger verfügbare Dopamin-Transporter und -Rezeptoren im Belohnungssystem (<a href="https://doi.org/10.1001/jama.2009.1308" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Volkow et al., 2009</a>). Ehrlich dazu: Solche Unterschiede zeigen sich im Gruppenvergleich, sie sind klein und taugen nicht für die Diagnose einer einzelnen Person (<a href="https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2021.01.022" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Faraone et al., 2021</a>). In einer Mega-Analyse von Hirnscans mit 1.713 Menschen mit ADHS und 1.529 Kontrollpersonen waren die Volumenunterschiede bei Erwachsenen statistisch nicht mehr nachweisbar (<a href="https://doi.org/10.1016/S2215-0366(17)30049-4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hoogman et al., 2017</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Behinderung: häufig, und stark abhängig vom Umfeld. Störung: nach den Diagnosemanualen ja. Krankheit im Sinn von Baron-Cohen: nein, die Ursache ist meist polygen und im Einzelnen ungeklärt. Zu ADHS selbst steht bei Baron-Cohen ein einziger Satz: Für ADHS, Dyslexie, Dyspraxie, Dyskalkulie und Synästhesie werde die Aufnahme unter das Dach der Neurodiversität vertreten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Autismus</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unterschied: ja. Behinderung: Baron-Cohen ist hier deutlich. Wer kein Anzeichen von Behinderung zeigt, bekäme nach seiner Lesart gar keine Diagnose. Störung: Im DSM-5 heißt die Kategorie „Autism Spectrum Disorder“. Baron-Cohen widerspricht dem Wort, lässt aber offen, dass manche Formen von Autismus als Störung richtig beschrieben sind. Eine begleitende Epilepsie ordnet er klar so ein. Krankheit: nein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Wohlbefinden hängt am Umfeld. In einer Befragung von 111 autistischen Erwachsenen hingen Akzeptanz durch andere und Selbstakzeptanz mit weniger depressiven Symptomen zusammen (<a href="https://doi.org/10.1007/s10803-017-3342-7" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Cage et al., 2018</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Borderline</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigt sich in abrupten Wechseln von Selbstbild, Beziehungen und Gefühlen, in Impulsivität, Leeregefühlen, Selbstverletzung und suizidalem Verhalten (<a href="https://doi.org/10.1001/jama.2023.0589" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Leichsenring et al., 2023</a>). Sie beginnt typischerweise in der Jugend (<a href="https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)00476-1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bohus et al., 2021</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterschied: ja, im Gruppenvergleich. Bildgebungsstudien finden Auffälligkeiten in einem Netzwerk aus Amygdala, Insula und frontalen Kontrollregionen, wobei offen ist, ob sie spezifisch für Borderline sind (<a href="https://doi.org/10.1007/s11920-014-0438-z" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Krause-Utz et al., 2014</a>). Die Erblichkeit liegt in einer schwedischen Registerstudie bei 46 Prozent (<a href="https://doi.org/10.1038/s41380-019-0442-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Skoglund et al., 2021</a>). Der zweite große Faktor ist die Biografie. Eine Metaanalyse über 97 Studien fand in den Fall-Kontroll-Vergleichen: Die Chance, von belastenden Kindheitserfahrungen zu berichten, lag bei Menschen mit Borderline knapp 14-mal so hoch wie bei Menschen ohne psychische Diagnose (Odds Ratio 13,91). In Bevölkerungsstudien fiel der Zusammenhang deutlich kleiner aus (<a href="https://doi.org/10.1111/acps.13118" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Porter et al., 2020</a>). Anlage und Erfahrung wirken also zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Behinderung: ja, oft massiv. Störung: ja, nach den Diagnosemanualen. Baron-Cohen selbst äußert sich zu Borderline nicht. Sein engerer Maßstab passt hier schlecht, denn er trennt Person und Umgebung, und bei Borderline lässt sich das kaum trennen. Das biosoziale Modell von Marsha Linehan beschreibt die Störung als Zusammenspiel aus einer angeborenen emotionalen Verletzlichkeit und einem Umfeld, das Gefühle abwertet (<a href="https://doi.org/10.1037/a0015616" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Crowell et al., 2009</a>). Krankheit: nein, ein biomedizinischer Mechanismus ist nicht bekannt. Behandelt wird in erster Linie mit Psychotherapie (Leichsenring et al., 2023).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Verlauf ist besser als sein Ruf. In einer Langzeitstudie mit 290 stationär behandelten Patient:innen erreichten über 16 Jahre zwischen 78 und 99 Prozent eine Remission der Symptome, je nachdem, ob sie zwei oder acht Jahre anhalten musste. Eine Genesung mit stabilem Sozial- und Berufsleben schafften 40 bis 60 Prozent (<a href="https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2011.11101550" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zanarini et al., 2012</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Borderline und Autismus: wie groß die Überschneidung ist</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Oft heißt es, Borderline und Autismus würden sich stark überlappen, vor allem bei Frauen. Bei den Diagnosen trägt die Datenlage das bisher nicht eindeutig. Eine systematische Übersicht mit 19 Studien, von denen 12 in die Metaanalyse eingingen, kommt auf 4 Prozent Borderline bei autistischen Menschen und 3 Prozent Autismus bei Menschen mit Borderline (<a href="https://doi.org/10.1002/aur.2619" target="_blank" rel="noreferrer noopener">May et al., 2021</a>). Beide Werte liegen im Bereich dessen, was in der Gesamtbevölkerung zu erwarten ist. Eine weitere Übersicht über 15 Studien mit Persönlichkeitsstörungen aller Art fand vorläufige Hinweise auf häufigere Autismus-Diagnosen und mehr autistische Züge. Die Methoden der Studien waren sehr uneinheitlich (<a href="https://doi.org/10.1177/00048674221114603" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gillett et al., 2022</a>). Bei einzelnen Merkmalen gibt es die Überschneidung: Menschen mit Borderline zeigen erhöhte autistische Züge (<a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0184447" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dudas et al., 2017</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fehldiagnosen kommen trotzdem vor. In einer Interviewstudie beschreiben zehn autistische Erwachsene, wie sie zuerst eine Borderline-Diagnose bekamen und was das für sie bedeutet hat (<a href="https://doi.org/10.1177/13623613241276073" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tamilson et al., 2025</a>). Wie sich beide Diagnosen klinisch trennen lassen, hat Kimberley Guest in einer Delphi-Studie mit 51 Expert:innen untersucht, darunter 18 mit eigener Erfahrung (<a href="https://discovery.ucl.ac.uk/id/eprint/10136269/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Guest, 2021</a>). Die Arbeit ist eine Dissertation ohne Peer-Review.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist Borderline dann eine neurodivergente Reaktion auf Trauma? Die Idee kursiert, belegt ist sie nicht. Am nächsten kommt ihr ein Befund zu ADHS: Bei Erwachsenen, die als Kind ADHS hatten, wird Borderline häufig diagnostiziert. Ob ADHS ein Risikofaktor ist, gilt als ungeklärt (<a href="https://doi.org/10.1186/2051-6673-1-3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Matthies &amp; Philipsen, 2014</a>). Ich behandle die Idee deshalb als offene Hypothese.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bipolare Störung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unterschied: ja, auf Gruppenebene. Die Erblichkeit liegt bei rund 70 Prozent, die genaue Entstehung ist unbekannt (<a href="https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31544-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">McIntyre et al., 2020</a>). Eine MRT-Auswertung von 6.503 Personen fand einen dünneren Kortex in frontalen, temporalen und parietalen Regionen (<a href="https://doi.org/10.1038/mp.2017.73" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hibar et al., 2018</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Behinderung: in den Episoden klar. Dazwischen klingen die Symptome bei den meisten ab, die Rückkehr in Beruf und Alltag gelingt aber seltener und später (<a href="https://doi.org/10.1016/j.jad.2016.11.021" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gitlin &amp; Miklowitz, 2017</a>), und kognitive Einbußen lassen sich auch in stabilen Phasen messen (<a href="https://doi.org/10.1111/acps.12133" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bourne et al., 2013</a>). Störung: ja. Krankheit im Sinn von Baron-Cohen: nein, solange der Mechanismus fehlt. Behandelt wird trotzdem medizinisch, mit Lithium als Standard und begleitender psychosozialer Therapie (McIntyre et al., 2020).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Einordnung im Überblick</h3>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><thead><tr><th>Diagnose</th><th>Unterschied</th><th>Behinderung</th><th>Störung laut Diagnosemanual</th><th>Krankheit (Ursache bekannt)</th><th>Stand in der Debatte</th></tr></thead><tbody><tr><td>ADHS</td><td>ja, im Gruppenvergleich</td><td>häufig, abhängig vom Umfeld</td><td>ja</td><td>nein</td><td>fest verankert</td></tr><tr><td>Autismus</td><td>ja, im Gruppenvergleich</td><td>ja, abhängig vom Umfeld</td><td>ja</td><td>nein</td><td>Ausgangspunkt der Bewegung</td></tr><tr><td>Dyslexie</td><td>ja, im Gruppenvergleich</td><td>häufig</td><td>ja</td><td>nein</td><td>fest verankert</td></tr><tr><td>Borderline</td><td>ja, im Gruppenvergleich</td><td>ja</td><td>ja</td><td>nein</td><td>umstritten</td></tr><tr><td>Bipolare Störung</td><td>ja, im Gruppenvergleich</td><td>in Episoden, teils auch dazwischen</td><td>ja</td><td>nein</td><td>umstritten</td></tr><tr><td>Depression</td><td>ja, im Gruppenvergleich</td><td>ja</td><td>ja</td><td>nein</td><td>meist nicht dazugezählt</td></tr><tr><td>Schizophrenie</td><td>ja, im Gruppenvergleich</td><td>ja</td><td>ja</td><td>nein</td><td>meist nicht dazugezählt</td></tr><tr><td>Narzisstische Persönlichkeitsstörung</td><td>ja, im Gruppenvergleich</td><td>ja</td><td>ja</td><td>nein</td><td>kaum diskutiert</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch bei Depression und Schizophrenie zeigen große Auswertungen Unterschiede im Gruppenvergleich (<a href="https://doi.org/10.1038/mp.2015.69" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schmaal et al., 2016</a>; <a href="https://doi.org/10.1016/j.biopsych.2018.04.023" target="_blank" rel="noreferrer noopener">van Erp et al., 2018</a>). Die Spalte „Unterschied“ trennt die Diagnosen also gar nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="warum-das-gehirn-die-frage-nicht-entscheidet">Warum das Gehirn die Frage nicht entscheidet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Neurodivergent heißt, dass das Gehirn anders arbeitet.“ Der Satz steht in vielen Erklärungen, und als Kriterium trägt er nicht weit. Eine Auswertung von 193 Bildgebungsstudien mit 15.892 Personen fand über sechs Diagnosegruppen hinweg weniger graue Substanz in denselben drei Regionen. Dabei waren Schizophrenie, bipolare Störung, Depression, Sucht, Zwangs- und Angststörungen (<a href="https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2014.2206" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Goodkind et al., 2015</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schizophrenie: das Beispiel, das irritiert</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nimmt man Genetik und Hirnentwicklung als Maßstab, steht Schizophrenie näher bei Autismus und ADHS als Borderline. Dass Störungen der frühen Hirnentwicklung zur Entstehung beitragen, ist breit akzeptiert. Genomstudien zeigen, dass Schizophrenie genetische Risiken und Entstehungswege mit intellektueller Beeinträchtigung, Autismus und ADHS teilt. Michael Owen und Michael O&#8217;Donovan ordnen sie deshalb auf einem gemeinsamen Kontinuum an (<a href="https://doi.org/10.1002/wps.20440" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Owen &amp; O&#8217;Donovan, 2017</a>). In der Debatte um das Wort „neurodivergent“ kommt Schizophrenie trotzdem kaum vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Narzissmus gehört in dieselbe Reihe</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Für die narzisstische Persönlichkeitsstörung gilt dasselbe. Eine Studie verglich 17 Patient:innen mit 17 Kontrollpersonen und fand weniger graue Substanz in der linken vorderen Inselrinde. Das Volumen dieser Region hing mit der selbst berichteten emotionalen Empathie zusammen (<a href="https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2013.05.017" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schulze et al., 2013</a>). Die Stichprobe ist klein, für das Argument genügt sie: Wer „das Gehirn ist anders“ zum Kriterium macht, müsste auch Narzissmus neurodivergent nennen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Psychotherapie verändert das Gehirn</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Befund hat eine zweite Seite. Eine systematische Übersicht über Längsschnittstudien zeigt, dass sich nach Psychotherapie je nach Störung auffällige Aktivitätsmuster normalisieren oder zusätzliche Regionen aktiv werden (<a href="https://doi.org/10.1016/j.pneurobio.2013.10.006" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Barsaglini et al., 2014</a>). Bei Borderline ist das auch für die Struktur belegt: Nach zwölf Wochen stationärer Dialektisch-Behavioraler Therapie hatten 31 Patientinnen mehr graue Substanz im vorderen Gyrus cinguli und in zwei weiteren Regionen als 17 Patientinnen mit üblicher Behandlung (<a href="https://doi.org/10.1503/jpn.170132" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mancke et al., 2018</a>). In einer kleineren Studie mit elf Patient:innen sank nach zwölf Monaten DBT die Aktivität der Amygdala (<a href="https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2014.06.020" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Goodman et al., 2014</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht also in beide Richtungen: Erfahrung und Behandlung verändern das Gehirn. Ein messbarer Unterschied sagt deshalb wenig darüber, ob etwas angeboren ist oder bleibt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="zwei-fragen-die-besser-trennen">Zwei Fragen, die besser trennen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aus meiner Sicht trennen zwei Fragen besser als der Blick ins Gehirn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste: Besteht das Muster seit der Kindheit, und bleibt es über das Leben bestehen? Die ICD-11 und das DSM-5 fassen solche Diagnosen in einer eigenen Gruppe zusammen. Dazu gehören Autismus, ADHS, Lernstörungen wie die Legasthenie, intellektuelle Beeinträchtigung sowie Sprach- und motorische Entwicklungsstörungen (<a href="https://doi.org/10.1002/wps.21225" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Michelini et al., 2024</a>). Sie zeigen sich meist im ersten Lebensjahrzehnt und bleiben als Merkmal der Person bestehen. Die ICD-11 zählt auch die Tic-Störungen dazu (<a href="https://doi.org/10.1007/s00115-025-01873-z" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tebartz van Elst et al., 2025</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite: Ist das Verschwinden ein sinnvolles Behandlungsziel? Eine Depression oder eine Posttraumatische Belastungsstörung behandelt man mit dem Ziel der Remission, während bei Autismus Belastungen und Begleiterkrankungen behandelt werden und die Art zu denken bleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit beiden Fragen sortiert sich das Feld so:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>ADHS, Autismus, Legasthenie, Dyskalkulie, Dyspraxie und Tourette:</strong> Sie beginnen früh und bleiben, ein Heilungsziel gibt es nicht. Hier trägt der Neurodiversitäts-Ansatz.</li>



<li><strong>Bipolare Störung:</strong> eine lebenslange Anlage mit hoher Erblichkeit, im Verlauf episodisch und medizinisch behandlungsbedürftig. Als Selbstbezeichnung kann ich „neurodivergent“ nachvollziehen. Die Folgerung „Umgebung statt Behandlung“ wäre gefährlich.</li>



<li><strong>Borderline:</strong> zähle ich nicht dazu. Die Biografie wiegt schwer, Psychotherapie wirkt. Die meisten erreichen über die Jahre eine Remission, und das passt schlecht zu „lebenslang anders“.</li>



<li><strong>Schizophrenie:</strong> Die Anlage reicht in die Hirnentwicklung zurück. Die Erkrankung zeigt sich aber meist erst nach der Kindheit und wird mit dem Ziel der Remission behandelt.</li>



<li><strong>Depression, Angststörungen und PTBS:</strong> Zustände mit Behandlungsziel. Nick Walkers weite Definition zählt sie mit, fachlich führe ich sie als Begleiterkrankungen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Baron-Cohens Maßstab halte ich für den schwächsten Teil seiner Einteilung. Ob ein Zustand „etwas Positives mitbringt“, ist eine Wertung. Und eine passende Umgebung reicht auch vielen Menschen mit ADHS oder Autismus nicht, sonst bräuchte es weder Medikation noch Therapie. Sein Kriterium sortiert einzelne Menschen und Lebensbereiche, für ganze Diagnosen ist es zu grob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verwende das Wort deshalb auf zwei Ebenen: fachlich für die Entwicklungsstörungen der ICD-11 und als Selbstbezeichnung offen für alle, die sich darin wiederfinden. Es kommt aus der Selbstvertretung, und dort entscheidet niemand über die Zugehörigkeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="jaeger-und-farmer-wo-das-bild-endet">Jäger und Farmer: wo das Bild endet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Thom Hartmann hat 1993 in „Attention Deficit Disorder: A Different Perception“ die Idee beschrieben, Menschen mit ADHS seien Jäger:innen in einer Welt von Farmer:innen. Das ist eine populärwissenschaftliche Hypothese. Zwei Befunde passen dazu. In einer Online-Sammelaufgabe verließen Personen mit positivem ADHS-Screening Felder mit nachlassendem Ertrag früher und kamen auf höhere Erträge (<a href="https://doi.org/10.1098/rspb.2022.2584" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Barack et al., 2024</a>). Bei den Ariaal in Kenia hatten Träger der Genvariante DRD4-7R, die mit ADHS in Verbindung gebracht wird, unter 65 nomadisch lebenden Männern einen höheren BMI und unter 87 sesshaften einen niedrigeren (<a href="https://doi.org/10.1186/1471-2148-8-173" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eisenberg et al., 2008</a>). Ein Beweis für die Hypothese ist beides nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Bild kann die Geschichte entlasten. Sie trägt so weit, wie ein Zustand auch eine nutzbare Seite hat. Jemandem in einer depressiven Episode zu sagen, er sei eben ein Jäger, wäre zynisch. Dasselbe gilt für die Gefühlsstürme bei Borderline.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="was-die-einordnung-fuer-die-unterstuetzung-bedeutet">Was die Einordnung für die Unterstützung bedeutet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Baron-Cohen begründet, warum die Wörter zählen: Behinderung verlangt Unterstützung und Akzeptanz durch die Gesellschaft, bei einer Störung wird üblicherweise Behandlung erwartet. Für dich heißt das: Die Frage „Bin ich neurodivergent?“ bringt dich weniger weit als die Frage, was davon eine passende Umgebung braucht und was eine Behandlung.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>ADHS und Autismus:</strong> Anpassungen in Schule, Arbeit und Alltag stehen vorne. Behandlung kann dazukommen, bei ADHS etwa Medikation und Psychotherapie.</li>



<li><strong>Borderline:</strong> Psychotherapie ist das Mittel der Wahl. Wer zusätzlich autistische Züge oder ADHS vermutet, braucht eine Diagnostik, die beides anschaut.</li>



<li><strong>Bipolare Störung:</strong> Medikation und psychosoziale Behandlung, dazu ein Umfeld, das Schwankungen einplant.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Für dich als Führungskraft heißt das: Du musst keine Diagnose kennen, um zu fragen, welche Arbeitsbedingungen jemand braucht. Wie das im Unternehmen aussieht, steht auf der Seite zur <a href="/neuroinklusion-unternehmen/">Neuroinklusion</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="womit-du-aus-der-debatte-herauskommst">Womit du aus der Debatte herauskommst</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ob Borderline oder die bipolare Störung „neurodivergent“ heißen dürfen, entscheidet keine Fachgesellschaft, weil der Begriff aus der Community kommt. Nick Walker, deren Definitionen in der Bewegung viel verwendet werden, zählt erworbene Formen ausdrücklich mit, etwa nach Trauma. Baron-Cohen zieht die Grenze dort, wo ein Zustand nichts Positives hat oder Anpassungen nicht reichen. Beide Positionen sind begründet, und sie führen zu verschiedenen Antworten. Meine eigene Antwort sind die zwei Fragen von weiter oben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du selbst betroffen bist, nimm die vier Begriffe als Fragen mit: Was an mir ist einfach anders? Wo behindert mich die Umgebung? Was davon ist eine Diagnose? Und wo brauche ich Behandlung, auch wenn die Umgebung stimmt?</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
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<li>Gillett, G., Leeves, L., Patel, A., Prisecaru, A., Spain, D. &amp; Happé, F. (2022). The prevalence of autism spectrum disorder traits and diagnosis in adults and young people with personality disorders: A systematic review. Australian &amp; New Zealand Journal of Psychiatry. <a href="https://doi.org/10.1177/00048674221114603" target="_blank" rel="noreferrer noopener">doi.org/10.1177/00048674221114603</a></li>
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<p class="hz-cta" style="margin:28px 0 0;padding:22px 26px;background:#002f6c;border-radius:10px;color:#dbe4f2;line-height:1.75;">Du willst herausfinden, was dir im Alltag und im Job hilft? Im <a href="https://hirnzigartig.at/adhs-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">ADHS-Coaching</a> und im <a href="https://hirnzigartig.at/autismus-coaching/" style="color:#fff;font-weight:600;">Autismus- und AuDHS-Coaching</a> arbeiten wir an deinen konkreten Situationen. <a href="https://hirnzigartig.at/ueber/" style="color:#fff;font-weight:700;text-decoration:underline;">Erstgespräch anfragen →</a></p>



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